Neue Antikörper halten Immunsystem am Laufen: Blockade gegen Tumore

Lungenkrebs: Der Antikörper Atezolizumab soll die Informationen aus der Tumorzelle abblocken. Das Immunsystem bleibt intakt und kann die Krebszellen bekämpfen. Foto/Grafik: UMG/nh

Göttingen. An Lungenkrebs erkrankte Menschen können länger leben. Eine neue und spezielle Immuntherapie mit einem Antikörper jedenfalls macht Hoffnung, wie eine internationale Studie aufzeigt.

Daran beteiligt sind auch Mediziner aus Göttingen und Nordhessen, so der Onkologe Dr. Achim Rittmeyer aus Immenhausen sowie Wissenschaftler des Tumorzentrums der Universitätsmedizin Göttingen (UMG), wo auch Rittmeyer Mitglied ist.

61 Tumorzentren aus 13 Ländern in Europa und Nordamerika waren an der Studie beteiligt. 297 Patienten im fortgeschrittenen Krankheitsstadium mit gestreuten Lungentumoren, also Metastasen, wurden behandelt: Die eine Hälfte mit einer Standard-Chemotherapie, die andere mit dem getesteten Antikörper Atezolizumab. Das Ergebnis: Die Patienten, die den neuen Antikörper erhielten, lebten messbar länger als Patienten, die mit der Chemo-Therapie behandelt wurden. Ein Teil der Gruppe kam auf eine längere Lebenszeit von drei und mehr Monaten, das ist viel“, sagt Dr. Rittmeyer. Positiv sind auch die Zahlen, die das LungenZentrum der UMG mitteilt: Das Risiko, an Lungenkrebs zu sterben, konnte um 24 Prozent gesenkt werden.

Onkologe Rittmeyer nennt einen weiteren Vorteil der Antikörper-Therapie: Sie wird deutlich besser vertragen als die aggressiven Chemo-Therapien. Das hilft den körperlich ohnehin in dieser Phase geschwächten Kranken sehr. Nur elf Prozent der Patienten mit der Antikörper-Therapie hatten schwere Nebenwirkungen wie Durchfälle.

Wie funktioniert die Therapie? Die Antikörper sollen einen fatalen Mechanismus der Lungenkrebszellen außer Kraft setzen. Die Tumore nämlich senden bestimmte Signale, „PD-L1“ genannt, aus. Sie schalten das Immunsystem aus und der Krebs kann ungehindert weiter wachsen. Bisherige Verfahren zielten darauf ab, das Immunsystem zu reaktivieren, den Körper wieder dazu befähigen, gegen die Krebszellen zu kämpfen. Auch gab es schon einen für die Krebstherapie zugelassene Antikörper, der den Signalweg der Krebszellen auf den Immunzellen („PD-1“ blockiert.

Der in der besagten Studie geprüfte „neue“ Antikörper setzt früher an, er schirmt das Tumorsignal „PD-L-1 ab, setzt eine Blockade. Folge: Die Immunzellen bleiben aktiv, bekämpfen die Krebszellen.

In Immenhausen und Göttingern laufen bereits weitere Studien, weil laut Dr. Rittmeyer der Antikörper Atezolizumab „eine sehr gute Behandlungsmöglichkeit für Lungenkrebspatienten darstellt“. In der dritten Phase der wissenschaftlichen Untersuchung werden 1100 Patienten an einer Studie beteiligt werden.

Lungenkrebs ist die gefährlichste, weil tödlichste Krebserkrankung: Pro Jahr sterben etwa 44.000 Menschen in Deutschland daran, weltweit sind es 1,6 Millionen. In Deutschland erkranken jährlich 50.000 Menschen an Lungenkrebs, weltweit sind es etwa zwei Millionen.

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.