Neue Chancen für den Beruf trotz psychischer Erkrankung

Erfolgreicher Weg: Christian Bode (vorn) aus Katlenburg-Lindau arbeitet inzwischen als Fachinformatiker im IT-Service der Universitätsmedizin. Jens Huchthausen, Leiter des IT-Service an der UMG, lobt die Zusammenarbeit mit Ifas. Foto: Schlegel

Göttingen. Junge Erwachsene mit psychischen Erkrankungen haben oft wenig Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Seit zehn Jahren hilft das Göttinger Institut Ifas ihnen beim Weg in den Beruf.

Das Institut für angewandte Sozialfragen (Ifas) bietet spezielle Programme, um die Betroffenen beim Weg in die Beschäftigung zu unterstützen. Die Erfolge sind beachtlich: 352 Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 17 und 26 Jahren haben an einer zehnmonatigen Berufsvorbereitung teilgenommen. Zwei Drittel der Teilnehmer begannen danach eine Ausbildung, ein weiteres Drittel wurde in eine medizinische Rehabilitation vermittelt.

64 Teilnehmer haben seit 2007 über Ifas mit einer Ausbildung begonnen. Mehr als die Hälfte schließt die Ausbildung nach Darstellung des Instituts ab. Aktuell sind 57 Teilnehmer in der Ausbildung.

Christian Bode hat durch die Angebote von Ifas seinen Weg gemacht. Nachdem er ab 2006 die Vorbereitungsphase durchlaufen hatte, absolvierte er anschließend eine fundierte Ausbildung in der IT-Abteilung der Universitätsmedizin Göttingen (UMG). Heute arbeitet der Katlenburg-Lindauer als Fachinformatiker-Systemintegration an der UMG. Er lobt an dem Programm, dass er immer Unterstützung durch persönliche Begleitung gehabt habe.

Jens Hauchthusen, Leiter des IT-Service der UMG, macht anderen Betrieben Mut, ebenfalls mit Ifas zusammenzuarbeiten: „Man baut sich so gutes Fachpersonal auf.“ Seit 2006 haben fünf Teilnehmer von Ifas mit einer Ausbildung bei der UMG angefangen, zwei arbeiten noch dort.

Ähnlich gut waren die Erfahrungen im Real-Markt im Göttinger Kauf-Park. Dort unterstützte Evgenia Gatsioudi, Teamleiterin Ausbildung, Fabian Plewa (29) bei seinem Weg zum Kaufmann im Einzelhandel. Inzwischen arbeitet er fest in der Drogerieabteilung. Plewa erlebte Mobbing während der Schulzeit. „In meiner Abteilung bin ich gut angenommen worden“, lobte Plewa. Evgenia Gatsioudi kümmert sich ganz intensiv um die Auszubildenden. „Es fehlt oft, dass jemand auf ihre Bedürfnisse eingeht.“ Und: „Es wird keiner aufgegeben.“

Seit zwei Jahren gibt es noch eine weitere Gruppe, um die sich Ifas nun kümmert. Es sind Betroffene, die an einer Form des Autismus erkrankt sind. Für sie wurde ein eigenes Förderprogramm ausgearbeitet, das inzwischen zwölf Teilnehmer absolviert haben. Neun sind aktuell dabei.

Wer als Betroffener an den Förderprogrammen des Institutes für angewandte Sozialfragen (Ifas) teilnehmen möchte, braucht das Okay der Arbeitsagentur. Sie finanziert die Teilnahme nach Genehmigung komplett.

Über die Agentur sind unter Umständen auch Hilfen für den Lebensunterhalt möglich. Die Teilnehmer, die beispielsweise an Angsterkrankungen, Depressionen, Borderline-Persönlichkeitsstörung oder Zwangserkrankungen leiden, kommen vor allem aus Südniedersachsen und Nordhessen sowie darüber hinaus. Für die Unterbringung stehen zwei Internate mit je zehn Plätzen sowie Plätze für betreutes Wohnen zur Verfügung, die durch pädagogisches Fachpersonal geführt werden.

Jeder Teilnehmer hat einen persönlichen Ansprechpartner. Zudem gibt es ärztliche und psychologische Betreuung. In der beruflichen Rehabilitation arbeiten nach Angaben von Claudia Scherz, Teamleiterin Geschäftsbereich Reha/Jugend, 16 der 180 Ifas-Mitarbeiter. (bsc)

Kontakt: Institut für angewandte Sozialfragen (Ifas), Weender Landstraße 29, 37073 Göttingen, Tel. 05 51/5 48 70-0, E-Mail: info@ifas-goettingen.de

www.ifas-goettingen.de

Von Bernd Schlegel

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