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Neue Produktion von Göttinger Theatergruppe: Via erweiterter Realität nach Damaskus

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Von: Ute Lawrenz

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Ausschnitt aus „Win back Damascus“ vom Göttinger Boat People Project.
Für die Zuschauer geht es via erweiterter Realität nach Damaskus: Bilder spielen eine zentrale Rolle in der Produktion des Boat People Projekt. © Anton Säckl/nh

Die Göttinger Theatergruppe Boat People Projekt stellt mit „Win back Damascus“ eine neue Produktion in der Nikolaikirche und dem Kirchhof vor.

Göttingen – „Win back Damascus“ heißt die neue Produktion der freien Theatergruppe „Boat People Projekt“ aus Göttingen. Für „Performance, Installation und Hörspiel“ in der Nikolaikirche und Umgebung erntete sie langen Applaus, auch wenn sich vieles nicht selbst erklärte.

Kurz nach 18 Uhr beginnt das Team, den Zuschauerinnen und Zuschauern die AR-Brillen (Augmented-Reality, erweiterte Realität) anzupassen. Wenn alles läuft, erscheint das Bild eines Mannes, dargestellt von Amer Okdeh, der das Konzept mit Nina und Reimar de la Chevallerie zu den Texten von Waseem Alsharqi, Nina de la Chevallerie und Lina Murad entwickelt hat.

Boat People Projekt nutzt für ihre neue Produktion die Möglichkeit der „erweiterten Realität“

Im Prolog malt er das Bild einer Stadt, in der die Menschen viele Rechte verloren haben. Nur Touristen dürfen in der Stadt fotografieren. Viele der Motive sind zerstört. Wie ist es möglich, Erinnerung lebendig zu halten.

Etwas ratlos sind manche Zuschauer danach. Wohin sollen sie sich wenden? Auf dem Nikolaikirchhof warten QR-Codes, hinter denen sich neue Eindrücke verbergen (Programmierung, Technik: Martin Wisniowski, Rhea Dally, Asterix; Ausstattung, virtuelle Objekte: Amer Okdeh).

Auf dem Kirchof der Nikolaikirche geht die Reise für die Zuschaue via QP-Codes weiter.
Auf dem Kirchhof der Nikolaikirche geht die Reise für die Zuschaue via QP-Codes weiter. © Ute Lawrenz

Hier ist ein Durchgang geschmückt mit Bildern, ein weiterer Code enthüllt Diktator Assad. Eine Moschee und Hochhäuser erscheinen, in denen die, die den Weg ins Innere finden, eine virtuelle Ausstellung besuchen können. Am Ende des Weges können die Brillen abgegeben werden.

In einer Pause auf dem Kirchhof tauschen sich Besucher aus, stellen fest, dass nicht alle alles gesehen haben. Manche wünschen sich Richtungspfeile, andere Begleitung auf dem Weg. Waren sie gerade in Damaskus?

Gegen 19 Uhr ist Einlass in die Kirche. Von der Galerie sehen die Menschen viele Fotos, aufgehäuft oder hängend an der Leine. Eine Frau (Lina Murad) sortiert sie. Manche hängt sie auf, andere nimmt sie ab, einige klebt sie als Collage zusammen. Ein Mann (Reimar de la Chevallerie) filmt ihre Aktionen.

Fotos zeigen verschiedene Orte in Damaskus

Auf einer großen Leinwand schräg über den Stühlen wird das, was er filmt, übertragen. Motive vom Spaziergang finden sich wieder. Meist auf Arabisch erzählt die Frau vom Bab Sharqi, dem Osttor in Damaskus, von der Umayyaden-Moschee, von einem schicken Restaurant in einem Flugzeug. Die Tränen schießen ihr in die Augen, als sie ihren Schulweg erkennt, das Haus ihrer Großeltern wiederfindet.

Wer sich vorbeugt, sieht deutsche Untertitel, die die wichtigsten Inhalte wiedergeben. Auf der Projektionsfläche oben wären sie leichter zu lesen.

„Wo ist meine Heimat?“, fragt die Frau. In der gezeigten Stadt fühlt sie sich wie eine Fremde. Eine Roboterstimme (Franziska Aeschlimann) spricht: Kann ein Archiv Erinnerung bewahren? Dann steht die Frau wie eine Zuschauerin da, nach 80 Minuten ist alles zu Ende. Trotz vielem, was unklar geblieben ist: Der lange Applaus klingt durchaus begeistert. (zul)

Das Einrichten der AR-Brillen startet 30 Minuten vor Vorstellungsbeginn im Hinterhof des Roten Buchladen.

Weitere Vorstellungen am 25., 29. und 30.9. sowie unter boatpeopleprojekt.de, dort können Tickets für einen Solidaritätsbeitrag erworben werden

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