Mehr Bürgernähe

Neue Servicestelle am Amtsgericht Göttingen: Justiz ohne lange Wege

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Arbeiten im Göttinger Justizservice: Justizfachwirtin Yasmin Naouali, Rechtspfleger Friedrich Schräer (links) und Justizfachwirt Dominik Schaaf kümmern sich um die Anliegen. F

Göttingen. „Bürgernah, kompetent, freundlich und schnell“: Diese Ziele hat sich das Amtsgericht Göttingen auf die Fahnen geschrieben. Ein wichtiger Baustein für eine solche bürgernahe Justiz soll eine zentrale Anlaufstelle sein, die im Erdgeschoss des Gerichtsgebäudes eingerichtet wurde.

Bürger können jetzt in dem neu gestalteten Eingangsbereich ihre rechtlichen Angelegenheiten erledigen, ohne in dem unübersichtlichen Gebäude nach der entsprechenden Fachabteilung suchen zu müssen. Am Freitag eröffnete die niedersächsische Justizministerin Barbara Havliza (CDU) im Rahmen ihres Antrittsbesuchs beim Amtsgericht Göttingen den neuen Justizservice. „Das ist eine gute Visitenkarte für die Justiz“, sagte Havliza.

Vorstellung des Projekts: Rechtspfleger Friedrich Schräer (links), Amtsgerichtsdirektor Dirk Amthauer und Julia Brunn (2.v.r.), Geschäftsleiterin des Amtsgerichts Göttingen, erläuterten Ministerin Barbara Havliza die Abläufe beim Justizservice.

Amtsgerichte sind für eine Vielzahl von zivilrechtlichen Angelegenheiten zuständig, zum Beispiel für Sorgerechtsangelegenheiten, Gewaltschutz, Betreuung, Namensänderungen, Zwangsversteigerungen oder Grundbuchsachen. Auch wer einen Erbschein braucht, muss sich an das Amtsgericht wenden. Der neue Justizservice sorgt dafür, dass Bürger ihre Anliegen gleich im barrierefreien Eingangsbereich vorbringen können. Der Besuchertresen ist so gestaltet, dass Rollstuhlfahrer auf Augenhöhe mit dem Justizpersonal sprechen können. Alle Besucher müssen sich zunächst einer Einlasskontrolle unterziehen. Justizministerin Havliza hält diese Kontrollen, die in Göttingen schon seit längerem Standard sind, für ganz wichtig: „Hier hat Göttingen eine Vorbildfunktion.“

Unmittelbar hinter dem Eingangsbereich befindet sich die Wartezone. Ähnlich wie in den Servicezentren der Deutschen Bahn oder an der Fleischtheke im Supermarkt ziehen die Bürger zunächst eine Nummer. Auf einer elektronischen Anzeigetafel können sie dann sehen, wann sie an der Reihe sind und in welches Büro sie gehen müssen. Sie können ihr Ticket auch mit dem Smartphone einscannen.

Kaffee in der Kantine

Falls es einmal länger dauert, können sie sich die angezeigte Wartezeit bei einem Kaffee in der Kantine verkürzen, bis sie aufgerufen werden. Die Mitarbeiter nehmen die Daten der Ratsuchenden auf und bearbeiten die jeweiligen Fälle. Auch Bürger, die sozialgerichtliche Anliegen haben, profitieren von dem neuen Service, da auch die Rechtsantragsstelle des Sozialgerichts Hildesheim darin eingebunden ist.

Vorbild war das Amtsgericht Osnabrück, das 2014 als erstes Gericht in Niedersachsen einen solchen Justizservice eingerichtet hatte. Inzwischen gibt es ähnliche Serviceabteilungen in Braunschweig, Bersenbrück, Hildesheim, Stade und Vechta.

Öffnungszeiten: Montags bis freitags von 9 bis 12 Uhr, donnerstags außerdem von 12 bis 15 Uhr.

Kontakt: Amtsgericht Göttingen, Berliner Str. 8, 37073 Göttingen, Tel. 0551/4030.

Weitere Infos zum Amtsgericht gibt es hier.

Gute Noten bei dreimonatiger Testphase

Der neue Justizservice wurde bereits in einer dreimonatigen Erprobungsphase getestet. Die Resonanz war ausgesprochen positiv: Die Auswertung von rund 200 Fragebögen ergab, dass 87 Prozent der Bürger den neuen Service mit der Note 1 („Wirklich prima, großes Lob“) bewerteten, elf Prozent vergaben die Note 2 („Es hat mir gefallen“).

98 Prozent gaben an, dass ihr Anliegen „vollständig erledigt“ worden sei. „Das ist ein tolles Ergebnis“, freute sich Amtsgerichtsdirektor Dirk Amthauer. 94 Prozent warteten weniger als zehn Minuten, bis ihr Anliegen bearbeitet wurde. Besonders gut kam an, dass die Mitarbeiter, die generell als höflich und kompetent bewertet wurden, auf die Anliegen der Ratsuchenden eingingen und sie nicht mit juristischem „Fachchinesisch“ abspeisten.

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