Neue Spezialeinheit: Göttinger Polizisten jagen Kriminelle im Internet

Arbeit am Computer: Oliver Knabe (hinten), Leiter der Spezialeinheit „Task Force Cybercrime“ bei der Polizeiinspektion Göttingen, und Teammitglied Jörg Gottschalk verfolgen Straftaten, die mit Hilfe des Internets begangen werden. Foto: Niemann/pid

Göttingen. Um Kriminalität im Internet wirkungsvoller bekämpfen zu können, hat die Göttinger Polizei eine neue Spezialeinheit eingerichtet.

Mehr Straftaten im Netz

Die „Task Force Cybercrime/Digitale Spuren“ verfolgt Straftaten, bei denen die Täter das Internet als Tatort und die digitalen Kommunikationstechniken als Tatwerkzeug nutzen. Und die Zahl der Straftäter wächst, die das Internet und sonstige digitale Kommunikationswege benutzen, um betrügerische Geschäfte zu machen, andere Nutzer abzuzocken, mit illegalen Waffen und Drogen zu handeln, Kinderpornos zu verbreiten, Daten zu stehlen oder Sabotageangriffe gegen andere Server zu starten. „Es gibt kaum noch Straftaten, bei denen die Täter nicht auch digitale Spuren hinterlassen“, sagt der Leiter der Polizeidirektion Göttingen, Uwe Lührig.

Start im Oktober

Die Task Force hat im vergangenen Oktober ihre Arbeit aufgenommen und ist dem Zentralen Kriminaldienst der Polizeiinspektion Göttingen angegliedert. Insgesamt 16 Mitarbeiter arbeiten eng zusammen, um den in der Anonymität des Internets agierenden Tätern auf die Schliche zu kommen und die oft bandenmäßig organisierten Strukturen aufzuklären.

„Wir kümmern uns sowohl um die Gefahrenabwehr als auch um die Strafverfolgung“, sagt der Leiter der Spezialeinheit, Oliver Knabe.

Einige Teammitglieder beschäftigen sich beispielsweise mit der Sicherung und Auswertung von Handy-Daten, Chat-Protokollen und anderen Kommunikationsdaten von potentiellen Tatverdächtigen. Solche Beweismittel spielen bei vielen Ermittlungen eine wichtige Rolle.

Verbrechens-Aufklärung

Dies war beispielsweise bei der Aufklärung eines Mordes in Reiffenhausen (Kreis Göttingen) vor zwei Jahren der Fall. Damals hatte ein 28-Jähriger den Bruder seiner Ex-Freundin mit einer fingierten Flirt-SMS in die Feldmark gelockt und dort erschossen.

Informatiker im Ermittlerteam

Zur neuen Task Force der Göttinger Polizei gegen Internet-Kriminalität gehört auch ein IT-Experte, der als studierter Informatiker mit seinem speziellen Knowhow neue Ermittlungsansätze einbringt.

Komplexe Strukturen

„Diese Expertise kommt uns vor allem dann zugute, wenn es darum geht, besonders komplexe Strukturen zu entschlüsseln“, freut sich Task-Force-Leiter Oliver Knabe. Um die auf vermeintlich anonymen Plattformen agierenden Täter identifizieren zu können, brauche man nicht nur kriminalistische Erfahrung, sondern auch Programmierfähigkeiten und modernste Computertechnik.

Neueste Hardware

Die Cybercrime-Spezialisten sind mit neuester Hardware ausgestattet, insgesamt wurden im Bereich der Polizeidirektion Göttingen hierfür rund 130 000 Euro investiert.

Raffinierte Methoden

Da die in der virtuellen Welt agierenden Kriminellen immer raffiniertere Methoden anwenden, müssen die IT-Experten ständig neue Software-Tools entwickeln, um ihnen auf die Schliche zu kommen. „Wir müssen sehr innovativ und kreativ sein, um die Datenströme bewältigen und bis zu den Hintermännern vordringen zu können“, sagt Knabe.

Beratende Funktion

Daneben hat die Task Force auch beratende Funktion. Über eine interne Hotline können die Mitarbeiter der Polizeikommissariate bei den Spezialisten Unterstützung für ihre Arbeit holen. „Wir bekommen jeden Tag bis zu zehn Anfragen von den Kollegen“, sagt Knabe. Allein in den ersten drei Monaten habe es rund 250 Anfragen gegeben.

Präventionsarbeit

Die Spezialisten unterstützen die Ermittler nicht nur bei der Sicherung von elektronischen Beweismitteln und virtuellen Spuren, sondern leisten auch Präventionsarbeit. Sie geben beispielsweise Tipps, wie man sich vor Schadprogrammen und Erpressertrojanern schützen kann, und beraten Unternehmen.

Weitere Spezialisten

Bei ihren Ermittlungen arbeiten die Spezialisten eng mit der Staatsanwaltschaft Göttingen zusammen. Diese fungiert seit 2011 als Zentralstelle zur Bekämpfung der Internet-Kriminalität für die Landgerichtsbezirke Göttingen und Braunschweig.

Schwieriger Nachweis

In manchen Fällen müsse man erst einmal nachweisen, dass es sich tatsächlich um eine Straftat handele, sagt Knabe. Umso wichtiger sei es, dass es bei der Göttinger Staatsanwaltschaft Experten für Internet-Kriminalität gebe, die diese komplizierten Ermittlungen nachvollziehen und rechtlich bewerten könnten.

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