Neuer Erzeugerverband: Aus Südniedersachsen direkt auf den Tisch

Direktvermarktung: Künftig sollen auch Wurstprodukte aus Südniedersachsen unter einem einheitlichen Siegel verkauft werden. Foto: Mühlhausen

Göttingen. Wurst und Brot, Kartoffeln und Salz, Senf und Eier aus der Region frisch auf den Tisch: Das will der „Regionale Erzeugerverband Südniedersachsen“ künftig häufiger anbieten.

Erklärtes Ziel des neu gegründeten Zusammenschlusses von regionalen Erzeugern von Lebensmitteln sowie Förderern ist die gemeinsame Vermarktung von Produkten aus der Region unter einem einheitlichen Siegel.

Nachdem bereits 27, zumeist aus dem Landkreis Northeim stammende Erzeuger dabei sind - vom Imker, Schlachter und Damwildhalter über den Straußen- und Gallowayzüchter bis hin zum Forellenhalter und Obstproduzenten - sollen jetzt auch die landwirtschaftlichen Direktvermarkter aus dem Landkreis Göttingen eingebunden werden.

Das Interesse ist da, bestätigte Initiator und Vereinsvorsitzender Siegfried Kappey, der gemeinsam mit seiner Stellvertreterin Christiane Teerling bei einer Infoveranstaltung bei den Göttinger Landwirte warb. Bis zum Jahresende wolle man im Verband 50 Mitglieder im Boot haben und in drei Jahren könnten es vielleicht schon 150 landwirtschaftliche Direktvermarkter sein, die die Chancen einer echten Regionalvermarktung erkannt haben und sich dem Südniedersachsen-Siegel angeschlossen haben. Vielleicht sei ein erfolgreiches Südniedersachsen-Siegel auch Motivation für Landwirte, neu in die Direktvermarktung einzusteigen.

Damit wolle man sich bewusst vom „regionalen“ Angebot abheben, das die Supermärkte als Trend längst erkannt hätten. Sie bieten Erzeugnisse als eigene Regionalmarken bereits fast überall an. Die Ketten definieren „regional“ jedoch durchaus unterschiedlich - und nicht immer so, wie es der Kunde erwartet, stellt Kappey klar.

Gegenpol

Die regionalen Lebensmittel in Naturqualität sollen zudem ein Gegenpol zur üblichen „Industriequalität“ sein, die häufig nur aufgrund von Aromen und Geschmacksverstärkern schmecke. „Wir isolieren uns immer mehr mit den globalisierten Strukturen und sehnen uns nach nachbarschaftlicher Nähe.“

Die Verbraucher hätten eine Sehnsucht nach Ehrlichkeit, Vertrauen und den Gesichtern hinter den Produkten, so Kappey, Gründer und einer der Geschäftsführer der vor sechs Jahren gegründeten Einbecker Senfmühle. Viele Menschen seien Willens, regional einzukaufen - und das Südniedersachsen-Siegel solle ihnen dabei Orientierung bieten.

Es gebe bereits viele erfolgreiche Direktvermarkter in der Region: „Jeder für sich ist eine kleine Perle - und wir wollen sie zu einer Perlenkette zusammenführen, die dann eine entsprechende Außenwirkung hat.“

Regionales Qualitätssiegel soll jetzt aufgebaut werden 

Seit sechs Wochen besteht der Erzeugerverband Südniedersachsen.

Ein Qualitätsausschuss soll nach regionalen und qualitativen Aspekten die Kriterien entwickeln, nach denen die Erzeuger und Produkte geprüft werden. Parallel soll ein regionales Siegel aufgebaut werden, an dem der Kunde verlässlich die Herkunft, Verarbeitung und Qualität der Produkte erkennt. Die bisherigen, bewährten Vermarktungswege der Erzeuger - ob Wochenmarktstand oder Hofladen - wolle man nicht antasten, erst in einem späteren Schritt könnten auf der Vermarktungsebene etwa gemeinsame Marktstände oder Regionalläden hinzukommen.

Im November sollen die ersten 15 bis 20 Betriebe zertifiziert werden - und an Weihnachten könnten dann die ersten Produkte mit dem Südniedersachsen-Siegel unterm Tannenbaum liegen.

Der Erzeugerverband ist offen für weitere regionale Produzenten, die sich Qualität und Transparenz auf die Fahnen geschrieben haben und die Vorteile der gemeinsamen Vermarktung nutzen wollen. Der Verband freut sich ebenfalls über Kontakte zu Weiterverarbeitern, Gastronomie, Dienstleistern und Förderern. In der Startphase soll der Aufbau einer Geschäftsstelle sowie die Zertifizierung der ersten Betriebe über Fördergeld finanziert werden. (phl)

Kontakt: Erzeugerverband Südniedersachsen, Vorsitzender Siegfried Kappey, Tel. 05561/971673, E-Mail: kappey@einbeckersenf.de

Von Christian Mühlhausen

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