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Frank Uhlhorn über den neuen Kirchenkreis Göttingen-Münden: „Wir werden kleiner und lebendiger“

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Von: Bernd Schlegel

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Gäste werden bei Göttingens Superintendent Dr. Frank Uhlhorn freundlich von Tibet-Terrier Erwin begrüßt.
Gäste werden bei Göttingens Superintendent Dr. Frank Uhlhorn freundlich von Tibet-Terrier Erwin begrüßt. © Bernd Schlegel

Zum Jahreswechsel wurde neue Kirchenkreis Göttingen-Münden offiziell gegründet. Wir sprachen darüber mit Superintendent Dr. Frank Uhlhorn.

Göttingen – Dr. Frank Uhlhorn ist einer von zwei Superintendenten des neuen Kirchenkreises Göttingen-Münden, der mit Beginn des neuen Jahres offiziell aus der Taufe gehoben wurde. Im Interview äußert sich der 56-Jährige zur künftigen Arbeit der evangelisch-lutherischen Kirche.

Wie wird die Gründung des Kirchenkreises Göttingen-Münden gefeiert?

Wir wollten zwei Feiern machen – im Januar und September 2023. Am Samstag, 21. Januar, soll es um 16 Uhr einen Gottesdienst in St. Johannis in Göttingen eben – in der kalten Kirche, da wir auf das aufwendige Heizen verzichten wollen. Ein großes Fest soll voraussichtlich im Spätsommer geben, wahrscheinlich am Samstag, 16. September, im Kloster Bursfelde.

Wie soll die Arbeit innerhalb des neuen Kirchenkreises verteilt werden?

Der neue Kirchenkreis wird in sieben Regionen unterteilt sein. Es sind die Bereiche: Münden-Obergericht, Münden-Untergericht mit Friedland und Rosdorf sowie Adelebsen und Nörten-Hardenberg. Sie werden von Superintendent Thomas Henning betreut. Wenn er im Sommer in den Ruhestand geht, wird es einen Nachfolger geben. Für die übrigen Bereiche, also Göttingen-West, Göttingen-Süd, Göttingen-Innenstadt sowie Gemeinden zwischen Weende und Radolfshausen werde ich zuständig sein. Durch die Größe werden die Wege innerhalb des Kirchenkreises deutlich weiter als bislang.

Gibt es eine Neuwahl der Synode?

Zunächst nicht. Beide Synode werden zusammengeführt und arbeiten in einer Übergangszeit in einem gemeinsamen Gremium zusammen. Erst im 2024 soll es eine Neuwahl geben, damit der Übergang reibungslos erfolgen kann.

War die Fusion der Kirchenkreise alternativlos?

Ja, wir sind Kirche in der Welt. Wir haben Ländereien, Personal und verschiedenste Einrichtungen von der Kita bis zum Altersheim. All das muss verwaltet und bewirtschaftet werden. Das ist einer größeren Einheit leichter möglich. Auch wir müssen unsere Kräfte bündeln. Und wir müssen jetzt damit anfangen, damit keine Altlasten für kommende Generationen entstehen.

Welche Nachteile gibt es?

Ähnlich wie in anderen Kirchenkreisen wird es eine strengere Budgetierung für die Gemeinden geben. Vor Ort kann entschieden werden, wo Prioritäten gesetzt werden sollen. Ein Beispiel: Bislang erhielt die Göttinger Johannis-Gemeinde für Gottesdienste im Winter Sonderzuschüsse fürs Heizen. Das einmalige Aufheizen dieser Kirche kostet aber 600 Euro. Diese Sonderunterstützung wird es zukünftig nicht mehr geben. Wer über das Budget hinaus etwas anbieten will, muss selbst für die Finanzierung sorgen.

Auch auf Gemeindeebene gibt es derzeit zahlreiche Fusionsbemühungen. Wie kommt das bei den Kirchenmitgliedern an?

Viele haben Verständnis für die Entwicklung, weil sie aus demografischen und wirtschaftlichen Überlegungen heraus notwendig ist. Für andere ist es ein Abschied von alten Traditionen. Deshalb gibt es auch Kritik.

Was bedeutet das für die Zukunft der kirchlichen Gebäude?

Über kurz oder lang müssen wir darüber nachdenken, die Zahl von 80 Kirchen zu reduzieren. Es wird Schließungen geben. Ich weiß, dass das in vielen Gemeinden Ängste hervorruft. Gleichzeitig wird es Diskussionen über neue Nutzungsmöglichkeiten geben.

Wie wird der Prozess bei den Kirchengebäuden ablaufen?

Wir geben uns für diesen Prozess, der 2022 begonnen hat, voraussichtlich fünf Jahre. Alle Gotteshäuser wurden dafür in die Kategorien Bestands- beziehungsweisen Prüfkirchen unterteilt.

Was bedeutet das?

Eine Bestandskirche bekommt weiterhin Zuschüsse vom Kirchenkreis, damit sie den Gemeinden dauerhaft zur Verfügung steht. Anders sieht es bei Prüfkirchen aus. Sie werden auf den baulichen Zustand und ihre aktuelle Nutzungsfrequenz überprüft. Sollte das Ergebnis negativ ausfallen, dann muss über Alternativen nachgedacht werden.

Wie können diese aussehen?

Da gibt es ganz verschiedene Möglichkeiten: Umnutzung als neues Dorfgemeinschaftshaus bzw. Treffpunkt im Ort, Verkauf oder die Weitergabe des Gebäudes an einen Trägerverein oder eine Stiftung. Vielleicht hat jemand aber noch ganz andere Ideen.

Wie hat sich die stärkere Einbindung von ehrenamtlichen Mitarbeitern in die Leitungstätigkeiten von Gemeinden entwickelt?

Viele begrüßen, dass vor Ort Ehrenamtliche Aufgaben von Pastoren übernehmen. Ein Beispiel dafür ist Michael Grabbe, stellvertretender Leiter des Kirchenkreisamtes. Er ist in mehreren Dörfern in der Gemeinde Friedland als Prädikant tätig und darf trauen, taufen und beerdigen. Ich hoffe, dass er bald den Titel „Pastor im Ehrenamt“ tragen darf.

Welche Rolle spielt die evangelische Kirche bei der Integration von Geflüchteten – unter anderem aus der Ukraine?

Wir spielen eine wichtige und gute Rolle. Vielen Gemeinden engagieren sich Angeboten und konkreten Hilfen. Ein Beispiel: Im Göttinger Stadtteil Herberhausen wurde eine ehemalige Pfarrwohnung so umgebaut, dass dort eine Familie aus Ukraine wohnen. Das Migrationszentrum des Kirchenkreises hat 2022 enormes geleitet und gerade nach Beginn des Krieges Türen geöffnet und umfangreiche Beratung angeboten. Dabei hilft, dass es im Migrationszentrum Mitarbeiter gibt, die die Sprachbarrieren überwinden können.

In diesem Jahr wurde das Forum Kirche offiziell eröffnet. Welchen Schub hat das für die kirchliche Arbeit ergeben?

Besonders intern gab es durch die Bündelung der Kräfte einen positiven Schub in der Arbeit. Es ist ein Mehrwert, wenn alle Beratungsangebote unter einem Dach vereint sind. Viele wissen bislang noch nicht, dass das Forum Kirche das neue Gesicht der evangelischen Kirche in der Uni-Stadt ist. Daran müssen wir arbeiten.

Wie wird der neue Kirchenkreis Göttingen-Münden in fünf Jahren aussehen?

Die evangelische Kirche wird kleiner, aber lebendiger werden. Unsere Chance ist, dass sich unsere Mitglieder stärker als bislang selbst einbringen können. (Bernd Schlegel)

Zur Person: Dr. Frank Uhlhorn

Dr. Frank Uhlhorn (56) ist seit einem Jahr Superintendent in Göttingen. Er ist in Hannover geboren und aufgewachsen. Uhlhorn war Pastor in zwei Dörfern im Landkreis Nienburg und in der Stadt Osnabrück. Er hat seit vielen Jahren Lehraufträge an den Unis in Rostock und in Osnabrück. Uhlhorn ist verheiratet und hat vier Kinder. (bsc)

Hintergrund: 73 Gemeinden mit fast 86.000 Mitgliedern

Der neue Kirchenkreis Göttingen-Münden umfasst 73 Gemeinde mit fast 86 000 Mitgliedern und gehört damit zu den größten in der Landeskirche Hannovers. Er reicht von Staufenberg im Süden bis Nörten-Hardenberg im Norden. Zum neuen Kirchenkreis gehören zahlreiche Einrichtungen, zum Beispiel im Bereich der Diakonie. Die Verwaltung liegt schon länger beim Kirchenkreisamt Göttingen-Münden. Weitere Infos gibt es hier. (bsc)

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