250.000 Rechenkerne

Neuer Supercomputer für Göttinger Wissenschaftler

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Neuer Supercomputer: Universitätspräsident Professor Ulrike Beisiegel, Staatssekretärin Sabine Johannsen und Thomas Theissen von der Firma Atos (von rechts) unterzeichnen im Aula-Gebäude der Uni Göttingen den Kaufvertrag.

Göttingen. Spitzenforscher in Norddeutschland können bald deutlich aufwendigere Simulationen und präzisere Modellrechnungen vornehmen. Möglich macht dies ein 30 Millionen Euro teurer Supercomputer, der ab Herbst installiert werden soll.

Standorte sind die Universität Göttingen und das Konrad-Zuse-Zentrum für Informationstechnik in Berlin. Am Mittwoch wurde in der Uni der Kaufvertrag für die Beschaffung des Rechensystems unterzeichnet.

Der neue Supercomputer ist eine gemeinsame Anschaffung des Norddeutschen Verbunds für Hoch- und Höchstleistungsrechnen (HLRN), in dem die sieben Bundesländer Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein vertreten sind. Das Land Niedersachsen beteiligt sich mit fünf Millionen Euro an den Kosten.

Der HLRN-IV ist das Nachfolgemodell des aktuellen Supercomputers HLRN-III, der in Berlin und Hannover installiert ist. Bei der Ausschreibung für den Computer der vierten Generation hatte sich erstmals Göttingen als Standort beworben und 2015 prompt den Zuschlag erhalten.

Ausschlaggebend waren wirtschaftliche Gründe. Hochleistungsrechner verbrauchen enorm viel Strom. Die Uni Göttingen verfüge über ein eigenes Heizkraftwerk und dezentrale Blockheizkraftwerke, sagte Uni-Vizepräsident Professor Norbert Lossau. Göttingen sei der energiegünstigste Standort, erklärte auch die Staatssekretärin im niedersächsischen Wissenschaftsministerium, Sabine Johannsen.

HLRN-IV hat eine Leistung von etwa 16 PetaFlop/s (ein Petaflop bedeutet eine Billiarde Rechenoperationen pro Sekunde). Mit einer Viertelmillion Rechenkernen ist er etwa sechsmal schneller als das bisherige System. Damit könnten Wissenschaftler künftig ihre Forschungen deutlich erweitern, sagte der stellvertretende Leiter der Gesellschaft für wissenschaftliche Datenverarbeitung in Göttingen (GWDG), Philipp Wieder.

Forscher nutzen solche Rechner für komplexe Modellrechnungen. Umwelt-, Klima- und Meeresforscher benötigen gigantische Rechenressourcen für ihre Simulationen, etwa zur Vorhersage von Wirbelstürmen oder zur Optimierung von Windenergieanlagen. Andere Anwendungsgebiete sind die Astrophysik, Bioinformatik, Ingenieurwissenschaften, Mathematik oder Teilchenphysik.

Die Komponenten sollen in der Fernmeldezentrale der Universität Göttingen untergebracht werden. Die beiden Betreiberzentren in Berlin und Göttingen werden über eine Glasfaserleitung verbunden. Die Betriebskosten, die von den Ländern getragen werden, liegen über fünf Jahre bei 20 Millionen Euro.

Installieren wird den Rechner die Firma Atos, die zu den international führenden Anbieter von Big Data und „High Performance Computing“ gehört.

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