Unterstützung für Firmen und Privatleute

Neuer Verein für Südniedersachsen: Hilfe gegen Cyberangriffe

Konkrete Hilfe: Der „Verein für Cybersicherheit für Niedersachsen“ bietet Unterstützung im Kampf gegen Gefahren im Computerbereich an.
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Konkrete Hilfe: Der „Verein für Cybersicherheit für Niedersachsen“ bietet Unterstützung im Kampf gegen Gefahren im Computerbereich an.

Praktisch jeder kann inzwischen Opfer von Cyberkriminellen werden. Der „Verein für Cybersicherheit für Niedersachsen“ aus Göttingen will Firmen und Privatleute unterstützen, damit die Täter mit ihren digitalen Straftaten weniger Chancen haben. 

Göttingen – Obwohl ständig Menschen und Firmen in der Region betroffen sind, bleiben viele Straftaten unbekannt, weil sie der Polizei nicht gemeldet werden. Firmen wollen so ihre Kunden nicht verschrecken, wenn die Fälle öffentlich werden. Daher ist das Dunkelfeld bei diesen Delikten besonders groß.

Dabei kann der Verein helfen und den Fall anonymisiert an die Polizei weiterleiten. „Wir sind keine Konkurrenz, sondern Partner der Polizei“, stellt Vorsitzender Uwe Lührig klar.

Der Verein hat sich konkrete Hilfe für Privatleute und Firmen in Sachen Cybersicherheit auf die Fahnen geschrieben. So soll es regelmäßig Informationen für die Mitglieder über aktuelle Bedrohungen geben. Auch Seminare und Veranstaltungen sind geplant. Ziel ist es, Beschäftigte und Führungspersonal für das Thema Computersicherheit zu sensibilisieren. „Wir wollen die Verkehrswacht im Bereich der Computersicherheit sein“, sagt Lührig, früherer Präsident der Polizeidirektion Göttingen, über die Vereinsidee. „Wir geben mit unserem Verein Informationen zum Thema vorbeugende Maßnahmen zum Schutz vor Cyberangriffen und zu Fragen der Cybersicherheit an unsere Mitglieder weiter.“

Gerade die Corona-Krise hat laut Lührig zu einem Boom bei den Angriffen geführt, weil viele Mitarbeiter zu Hause arbeiten und die Datenverbindungen zwischen dem Homeoffice und den Zentralrechnern in Betrieben angegriffen werden. Laut Lührig sind nicht nur große Unternehmen von Cyber-Attacken betroffen. Mittlerweile haben sich die Täter auch auf kleinere Firmen, Rechtsanwaltskanzleien, Arztpraxen und Handwerksbetriebe spezialisiert, denn sie haben in der Regel keine größere IT-Abteilung. „Die Folgen für Betriebe können existenzgefährdend sein“, sagt Rainer Hald, Chef der Sparkasse Göttingen, die den Verein unterstützt. (Bernd Schlegel)

Mehr als 5000 Online-Straftaten in der Region

In Südniedersachsen wurden bei der Polizei im vergangenen Jahr 5027 Straftaten angezeigt, bei denen das Internet als „Tatmittel“ genutzt wurde. Laut Polizeidirektion Göttingen ist das ein Plus von 12,2 Prozent im Vergleich zu 2019. Dabei entstand ein Schaden von 3,4 Millionen Euro. Die Polizei ist den Tätern auf der Spur: Die Aufklärungsquote lag bei knapp 86 Prozent. Trotz vermeintlicher Anonymität sind Täter also nicht vor Entdeckung sicher. (bsc)

USB-Stick als Gefahrenquelle

Der „Verein für Cybersicherheit für Niedersachsen“ aus Göttingen hat sich die praktische Hilfe für Firmen und Privatleute im Bereich der Computersicherheit auf die Fahnen geschrieben. Bei der Vorstellung des Vereins wurde auf einige Gefahren hingewiesen.

Zu den Protagonisten des Vereins gehört unter anderem Heiko Keilholz, Geschäftsführer des HKS Sicherheitsdienstes aus Hardegsen. Er war vor einiger Zeit auf einer Dienstreise in China. Am dortigen Flughafen erhielt er einen USB-Stick als Geschenk. Hinterher stellte sich heraus, dass darauf Ausspäh-Programme abgelegt waren. Auf den Sticks kann aber auch andere Schadsoftware (zum Beispiel Computerviren) gespeichert sein. Deshalb gab es den Rat, bei fremden USB-Sticks, die um Beispiel auf Messen verschenkt werden oder einfach im Büro „herumliegen“, absolute Vorsicht walten zu lassen. Sonst kann es anschließend große Probleme geben. Weitere Infos gibt es hier.

Als beliebtes Einfallstor werden von Cyber-Kriminellen verseuchte Dokumente des bekannten Textverarbeitungsprogramms „Word“ genutzt. Deshalb gab es den Rat, den Absender eines solchen Dokuments direkt zu kontaktieren und eine solche Dateien nicht leichtfertig zu öffnen. Um Textdokumente zu verschicken, könne stattdessen auch auf das PDF-Format gesetzt werden. Weitere Infos kann man hier abrufen.

Experten unter den Mitgliedern des Göttinger Vereins für Cybersicherheit raten außerdem dazu, im Homeoffice unbedingt auf eine gesicherte Verbindung durch VPN (Virtual Private Network) zu setzen. Weiterhin sollten immer die Updates, zum Beispiel für Anti-Viren-Programme, Betriebssystem und die installierten Programm-Pakete, eingespielt werden.

Eine weitere Gefahr, die in vielen Büros lauert, sind Computer, die während Pausen nicht gesperrt werden und damit für jeden zugänglich sind. Ein Tipp: Mit dem gleichzeitigen Drücken der Windows-Taste und der L-Taste ist das Sperren von Windows-Rechnern im Handumdrehen erledigt. Weitere Infos gibt es hier.

Welche Ausmaße die Bedrohungen inzwischen angenommen haben, zeigt auch ein Blick auf folgende Zahl: Nach einer Erhebung des Bundesverbandes Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) entsteht der deutschen Wirtschaft durch Diebstahl, Spionage und Sabotage ein jährlicher Schaden von etwa 220 Milliarden Euro. Fast neun von zehn Firmen wurden schon Opfer von Angriffen.

Weitere Tipps zum Thema Cyber-Kriminalität und -Sicherheit hat das Landeskriminalamt hier veröffentlicht.

Neue Mitglieder sind willkommen

Damit die Arbeit des „Vereins für Cybersicherheit für Niedersachsen“ zum Erfolg wird, ist der Verein auf neue Mitglieder sowie Unterstützung angewiesen, da die Beiträge eher gering sind. Die Mitgliedschaft kostet für Firmen 120 Euro im Jahr für Privatpersonen 60 Euro. Da sich der Verein noch in der Startphase befindet, kann man am besten über die E-Mail-Adresse info@vcs-ev.de Kontakt aufnehmen. Demnächst wird es eine Homepage geben. bsc

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