Ideen und Erfindungen

Neues Buch: Genie und Irrtum in der Uni-Stadt

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Entdeckt, erdacht, erfunden: Das ist der Titel des Buches, das Katharina Trittel (links) und Teresa Nentwig vom Institut für Demokratieforschung der Uni vorstellen. Es geht um die „Erfinderstadt“ Göttingen.

Teresa Nentwig und Katharina Trittel vom Institut für Demokratieforschung haben das Buch „Entdeckt, erdacht, erfunden – 20 Göttinger Geschichten von Genie und Irrtum“ herausgegeben.

"Die Stadt, die Wissen schafft“: Der ein wenig abgedroschene Werbe-Slogan müsste eigentlich erweitert werden, um die Begriffe Erfindungen, Entdeckungen, Entwicklungen. Die sind nämlich zu hauf in Göttingen entstanden – und nicht nur im universitären Umfeld.

Das wird deutlich in einem Buch, das Teresa Nentwig und Katharina Trittel vom Institut für Demokratieforschung herausgegeben haben. „Entdeckt, erdacht, erfunden – 20 Göttinger Geschichten von Genie und Irrtum“, heißt der bei V&R erschienene, dritte Band in einer erfolgreichen Göttingen-Reihe.

Dass dort die Bihunsuppe erfunden, das Schülerlabor X-LAB entwickelt und die für die Menschen segensreiche, superschnelle Magnetresonanzthomographie (MRT) von Jens Frahm ersonnen wurde, das ist vielen bekannt. „Natürlich wollten wir diese großen Ideen und Erfindungen vorstellen“, sagt Trittel, „wir wollten aber auch unbekannte Erfindungen und die tragische Geschichten über die Menschen dahinter erzählen“.

Weitaus weniger bekannt ist der wunderbar windschlüpfrige „Schlörwagen“, ein beim DLR-Vorgänger Aerodynamische Versuchsanstalt 1939 gebautes Experimentalfahrzeug, oder der erste Blitzableiter durch den in der Region als Multi-Gelehrten bekannte Georg Christoph Lichtenberg.

Reines Kokain: erstmals aus Göttingen

Aber nicht nur Geräte stellen Trittel und Nentwig vor, sondern auch erstaunliche Produkte wie das Vitamin-D-Präparat und das Kokain. Ja, das reine Kokain, die heutige Droge der Schönen und Reichen, isolierte der 25-jährige Chemie-Doktorand Albert Niemann zuerst in Göttingen. Die Lesereise in die Erfindungsphase des Kokains ist so auch eine in die Zeit der aufstrebenden Chemie an der Georgia Augusta, die einige Nobelpreisträger hervorbringen sollte. Das Vitamin-D-Präparat entwickelte übrigens Adolf Windaus, der die Welt mit dem Sonnenvitamin versorgte.

Trittel und Nentwig haben selbst Storys beigesteuert, vor allem aber Aufträge an Studierende, Mitarbeiter und Gastautoren vergeben. „Eine tolle Sache, weil so viele an einem Projekt zusammenarbeiten und sich in Göttingen-Themen einarbeiten konnten – abseits von Seminararbeiten“, beschreibt Nentwig einen wertvollen Nebeneffekt.

Die Lieblingsgeschichten der Herausgeberinnen

Lieblingsgeschichten haben die Herausgeberinnen natürlich auch: Katharina Trittel schreibt über die „Erfindung einer krausen Sprache“, durch den Philosophen Karl Christian Friedrich Krause, der 1832 verarmt starb, aber versucht hatte, etwas Großes zu schaffen, eine eigene Sprache. „Er scheiterte in Göttingen und Deutschland“, sagt Trittel, „wird aber im Ausland teilweise als großer Denker gewürdigt“.

Sieben Jahre wirkte Krause an der Göttinger Uni. Dort arbeiteten und lehrten auch andere, mit zweifelhaften Einstellungen: So gilt der Philosoph Christoph Meiners als „Erfinder“ des Rassismus, an dem sich viele später orientierten. Wie auch Fritz Lenz, Neubegründer der deutschen Humangenetik an der Uni-Medizin. Er war einer der Vordenker der NS-Rassenlehrer.

„Erfindungen aber können mit Dramen zu tun haben“, erzählt Teresa Nentwig. Auch mit Katastrophen. So, als 1993 im Industriegebiet Grone eine Produktionshalle durch ein Feuer zerstört wurde, und mit ihr der Traum und die Göttinger Geschichte der essbaren Pommesschale aus der Waffelfabrik Wiebrecht. Der Unternehmer verlor alles.

Dass es auch um Göttinger Skandale geht, ist logisch, schließlich waren die schon Thema des sich gut verkaufenden Buches „Das gekränkte Gänseliesel.“

Lesung in Göttingen

Das Buch „Entdeckt, erdacht, erfunden – 20 Göttinger Geschichten von Genie und Irrtum“, wird vom Göttinger Verlag Vandenhoeck & Ruprecht (V&R) in einer Autorenlesung mit Katharina Trittel und Teresa Nentwig am Montag, 11. November, ab 18.30 Uhr in der Paulinerkirche vorgestellt. Der Eintritt zu der Lesung ist kostenlos.

„Entdeckt, erdacht, erfunden – 20 Göttinger Geschichten von Genie und Irrtum“, Vandenhoeck&Ruprecht, 264. S., 18 Euro.

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