Modernstes Rechenzentrum in Niedersachsen

Neues Gebäude in Göttingen für Superrechner wie „Emmy“

Großrechenzentrum für den Forschungs- und Hochschulstandort Göttingen am Burckhardtweg auf dem Nordcampus. Teil eins ist fertig.
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Großrechenzentrum für den Forschungs- und Hochschulstandort Göttingen am Burckhardtweg auf dem Nordcampus. Teil eins ist fertig.

Für eines der modernsten Großrechenzentren in Niedersachsen steht bald in Göttingen ein neues Gebäude zur Verfügung.

Göttingen – Waren die Technik-Quantensprünge einst Taschenrechner wie „TI 59“ oder PC-Dinos wie der „C 64“, sind es heute Mega-Rechner, die mit weiteren verschaltet werden können und millionenteure Gebäude benötigen. So in Göttingen: Dort ist der erste Teil, der Maschinenraum, des modernsten Großrechenzentrums in Niedersachsen fast fertig – 38,7 Millionen Euro wurden in drei Jahren verbaut.

Zwar wird an Büros und dem Einbau superschneller Rechner noch gewerkelt, aber der Schlüssel für ein in dieser Form einmaliges Gemeinschaftsprojekt am Campus Göttinge n schon mal übergeben.

„Wir investieren hier in die Zukunft. Es entsteht eine fundamental wichtige Infrastruktur für die Universität, die Max-Planck-Institute, die Uni-Medizin am Campus Göttingen“, beschreibt Uni-Präsident Metin Tolan die Bedeutung des äußerlich nüchtern daherkommenden Gebäudekomplexes am Burckhardtweg.

Neues Großrechenzentrum für den Forschungs- und Hochschulstandort Göttingen am Burckhardtweg auf dem Nordcampus. Der erste Bauabschnitt des Gebäudes ist für 38,5 Millionen Euro fertiggestellt worden.

Die Uni legte auf den Punkt zur Schlüsselübergabe eine Broschüre vor, die ihre Digitalisierungs-Strategie skizziert. Titel: „Konsequent digital“ – notwendige Ansage in einer Zeit, da die Corona-Pandemie die digitale Entwicklung, deren Rasanz, aber auch Rückständigkeiten offengelegt hat – und die Anforderungen, die in Lehre, Medizin und vor allem Forschung herrschen. Dort fallen enorme Datenmengen an, die es zu verarbeiten gelte, wie Forscher Christian Giesinger (MPI für biophysikalische Chemie) betont. Metin Tolan ergänzt, dass das heute für alle wissenschaftlichen Disziplinen gilt, „auch für die Geisteswissenschaften.“ Daten zu verwalten, zu bearbeiten und zu nutzen, das sei eine der vordringlichsten Aufgaben, auch um konkurrenzfähig, besser noch, führend zu sein. Diese Bewertung war am Mittwoch mehrfach zu hören – anlässlich der Schlüsselübergabe von Uni-Gebäudemanagement-Chef Rainer Bolli an Hausherren, Ramin Yahyapour, Geschäftsführer der GWDG, dem Campus-IT-Zentrum.

Das neue Mega-Rechenzentrum verbessert nicht nur das Datenmanagement, sondern verschafft der Uni-Stadt auch Renommee: Göttingen ist Standort im Verbund Nationales Hochleistungsrechnen (NHR). Das bedeutet auch: Es fließt viel Fördergeld in die Uni-Stadt – etwa 72 Millionen Euro über zehn Jahre. 20 Millionen Euro davon kommen vom Ministerium für Wissenschaft und Kultur. Damit steht Göttingen auf einer Stufe mit Berlin. Beide Standorte arbeiten bei den Hochleistungscomputersystemen zusammen. Das Geld fließt in Investitionen, Betriebs- und Personalkosten, zudem in die Weiterbildung der Nutzer. Ramin Yahyapour sagt, dass all das es erlaube, „rechnergestützte Forschung auf höchstem Niveau insbesondere in den Schwerpunkten Lebenswissenschaften, Klimaforschung, Chemie und Ingenieurwissenschaften weiter auszubauen.“ Mittlerweile ist in den Verbund am Göttingen-Campus auch das ortsansässige Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) eingestiegen. Auch dort werden riesige Datenmengen gesammelt und berechnet.

Schlüsselübergabe von Uni-Gebäudemanagement-Chef Rainer Bolli (rechts) an den neuen Hausherrn, Prof. Ramin Yahyapour.

Seit 2020 sind auch die Superrechner der vierten Generation Lise (Berlin) und Emmy (Göttingen) im NHR-Verbund in Betrieb. Emmy, benannt nach der Mathematikerin Emmy Noether, wird im neuen Rechenzentrum einziehen. Zur Grundsteinlegung im Mai 2018 hatte Stephan Herminghaus vom MPI für Dynamik und Selbstorganisation ein treffliches Bild gezeichnet: Vor 30 Jahren seien die Rechner noch „Nahrungsergänzungsmittel für die Forscher gewesen, heute ist es das Trinkwasser.“ TI 59 und C 64 lassen grüßen. (Thomas Kopietz)

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