Sammlung mit 179 Textdateien und 400 Bildern

Neues Internetangebot zum Dritten Reich: Widerstand in Göttingen

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Widerstand: Die kommunistischen Familien Oehme, Meyer und Hartmann bei einer illegalen Feier des 1. Mai 1933 auf den Deppoldshäuser Wiesen. 

Göttingen. Den Widerstand in Göttingen zur Zeit der Nationalsozialisten veranschaulichen und über diejenigen informieren, die sich aufgelehnt haben - das ermöglicht die neue Internetseite „Widerstand in Göttingen“ des Göttinger Stadtarchivs.

In mühevoller Kleinarbeit ist nach mehr als zwei Jahren Arbeit eine Seite entstanden, die nicht nur den Begriff Widerstand definiert und Gruppen sowie Einzelpersonen zeigt, die sich gegen Nazis aufgelehnt haben. Es werden ebenso die Auswirkungen des Widerstands wie die Haftbedingungen beleuchtet.

Lücke geschlossen

„Wir haben damit eine Erkenntnislücke geschlossen“, sagte Kulturdezernentin Dagmar Schlapeit-Beck bei der Vorstellung der neuen Seite. Es sei schwierig gewesen, so viele Informationen zusammenzutragen, da der Widerstand in Göttingen bisher noch nicht erforscht gewesen sei.

Deshalb hat sich der Historiker Rainer Driever bei seiner Arbeit nicht nur in Göttingen nach Informationen gesucht: „Ich war auch in Berlin und Bonn in Archiven unterwegs.“ Um ein möglichst umfangreiches Bild über den Göttinger Widerstand zeichnen zu können, habe der Historiker nach Einzelschicksalen gesucht.

So konnte er nicht nur Beispiele für Widerstandskämpfer aus Göttingen finden, sondern auch aus den Regionen Hann.Münden, Einbeck und Northeim. „Die politische Lage war in Göttingen verhältnismäßig ruhig“, sagte Driever. Der Widerstand in Göttingen sei ein „sich zeigen“ gewesen. „Die Menschen wollten eher deutlich machen, dass sie noch da sind.“ Die Reichweite ihrer Mittel wie Flugblätter sei deshalb gering gewesen.

Seite enthält 400 Bilder

Widerstand: Die kommunistischen Familien Oehme, Meyer und Hartmann bei einer illegalen Feier des 1. Mai 1933 auf den Deppoldshäuser Wiesen. 

Dennoch konnte Driever fünf Organisationen untersuchen und etwa 83 Einzelpersonen darstellen, die aktiv Widerstand geleistet haben. So ist eine Internetseite mit 179 Textdateien und etwa 400 Bildern entstanden. Zusatzinformationen sind als PDF-Datei abrufbar und in den Text eingebettet.

„Wir sind aber auch an der privaten Überlieferung von Widerstands-Strukturen interessiert“, sagte Driever. Denn nach 70 Jahren sei der Widerstand gegen die Nazis so weit entfernt, dass die Beteiligten selbst nicht mehr leben.

Um den Menschen zu gedenken, die sich gegen die NS-Diktatur auflehnten, ist ein Gedenkstein vor der Stadtbibliothek geplant. Dieser soll mit einem sogenannten QR-Code versehen werden, damit Interessierte mit ihrem Smartphone direkt zur Internetseite weitergeleitet werden können, erklärt Schlapeit-Beck. 

www.stadtarchiv.goettingen.de/widerstand

Autor bittet um weitere Informationen

Wer weitere Informationen zu auf Fotos abgebildeten Akteuren oder Widerstandskämpfern aus Göttingen hat, kann sich bei Rainer Driever melden. Auch Dokumenten- und Bildmaterial wird nach wie vor für die Vervollständigung gesucht. 

• Kontakt: Rainer Driever, E-Mail: widerstand-goettingen@gmx.de

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