Unterstützung vom Land

Neues Projekt: Krankenhäuser setzen sich gemeinsam für Demenzpatienten ein

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Förderung durch die Ministerin: Niedersachsens Sozial- und Gesundheitsministerin Carola Reimann (Dritte von links) überreichte die Projektförderung an die Vertreter der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Göttinger Uni-Medizin . 

Göttingen/Hannover – Damit demenzkranke Menschen in der Fläche besser versorgt werden können, bekommen regionale Krankenhäuser Unterstützung von der Göttinger Universitätsmedizin (UMG).

Gefördert wird das Modellprojekt vom Land mit 207 000 Euro für die Dauer von 14 Monaten. In Niedersachsen sind mehr als 150 000 Menschen über 65 Jahre von Demenz betroffen.

Konkret bedeutet das: Ab 2020 werden UMG-Experten aus der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie einen fachärztlich-gerontopsychiatrischen Konsiliardienst für Demenzkranke in Krankenhäusern der Landkreise Göttingen, Northeim und Goslar leisten, die keine eigene Neurologie oder Psychiatrie-Abteilung haben. Die wohnortnahe Versorgung wird somit verbessert. Noch steht nicht fest, mit welchen Kliniken die Kooperation laufen wird.

Das UMG-Konzept hat in einem Wettbewerb des niedersächsischen Gesundheitsministeriums den Zuschlag erhalten. Insgesamt wurden neun Projekte aus 23 ausgewählt. „Wir freuen uns sehr darüber und hoffen, dass unser Angebot auf Interesse in den Krankenhäusern der Region stößt“, sagt Dr. Katrin Radenbach, Oberärztin im gerontopsychiatrischen Bereich der UMG-Psychiatrie und Psychotherapie.

Die Göttinger Mediziner werden in die Partner-Krankenhäuser gehen und ebenfalls Video-Sprechstunden für die Patienten anbieten. So wolle man den Demenzkranken individuelle Hilfe anbieten, die auch unter Angst, Unruhe, Aggressivität, Schlafstörungen und insbesondere Verwirrtheitszuständen leiten.„Im Konsiliardienst empfehlen wir dazu auf die jeweilige Person bezogene diagnostische und therapeutische Maßnahmen zur Behandlung“, sagt Katrin Radenbach. Man wolle auch bezüglich der weitergehender Diagnostik Unterstützung leisten. Dazu gehöre die Empfehlung von therapeutischen und soziotherapeutischen Hilfe.

Eine in der Gerontopsychiatrie erfahrene Pflegekraft soll zudem die Pflegekräfte vor Ort in den Krankenhäusern beraten – auch in Fragen wie: Welche Kommunikationsmöglichkeiten gibt es? Und wie lässt sich eine Krankenhausumgebung so gestalten, dass sie den besonderen Bedürfnissen dieser Patienten entgegenkommt?

Ziel sei es, oft auftretende Komplikationen bei der stationären Behandlung von Demenzkranken im Zusammenhang mit Arzneimitteltherapie zu verringern und Nebenwirkungen von Arzneimitteln zu vermeiden“, schildert UMG-Oberarzt Dr. Björn Schott. Damit die Arbeit über den geförderten Projektzeitraum hinaus wirken kann, sollen die Mitarbeiter in den Region-Kliniken von den UMG-Ärzten, Psychologen und Pflegern in den Grundlagen der Versorgung von Demenzkranken weitergebildet werden. Grundlage dafür ist ein Fortbildungs-Curriculum.

Hinzu kommt eine Begleitforschung, vor allem zum aktuellen Bedarf an konsiliarisch-gerontopsychiatrischer Versorgung in Krankenhäusern. So wird untersucht, wie sich das Modellprojekt auf die Versorgung Demenzkranker auswirkt. Zudem im Blick der Forschung: Die „Polypharmazie“, die gleichzeitige Gabe mehrerer Arzneimittel und ihre wechselseitige Beeinflussung. 

Hintergrund: Demenz und Konsiliardienst

Ein Konsiliardienst ist ein Angebot zur Beurteilung und Mitbetreuung von Patienten, die in anderen Abteilungen derselben Klinik oder in anderen Krankenhäusern behandelt werden. Dieser Konsiliardienst kann von den Ärzten der anderen Abteilung bzw. Klinik für deren Patienten angefordert werden. Demenz: Die Erkrankung Demenz beschreibt die Einbußen an kognitiven, emotionalen und sozialen Fähigkeiten, die zu einer Beeinträchtigung sozialer und beruflicher Funktionen führen. Vor allem betroffen sind das Kurzzeitgedächtnis, das Denkvermögen, die Sprache und die Motorik, aber auch die Persönlichkeitsstruktur. Einige Ursachen sind heute bekannt, bei vielen Formen gibt es noch keine eindeutigen Erkenntnisse zur Entstehung. Einige wenige Formen von Demenz sind reversibel, bei einigen anderen Formen sind in begrenztem Umfang therapeutische Interventionen möglich, die aber nur die Verläufe verzögern. Die häufigste Form einer Demenz ist die Alzheimer-Krankheit.

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