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Neues Stück des Boat-People-Projekt Göttingen: Zuschauer werden zu Spielern

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Von: Ute Lawrenz

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Zuschauer werden zu Spielern: Ein Mann spielt im Casino und freut sich.
Neues Stück des Boat-People-Projekt Göttingen: Es geht ums Spielen. Jeder Besucher bekommt vorweg ein neues Leben und wird zum Zocker – mit allen Gefühlsausbrüchen im Casino. © Ute Lawrenz

Über Geld spricht man (nicht)“ hat das Boat-People-Project sein neues Programm unter der künstlerischen Leitung von Sonja Elena Schroeder mit Texten von Luise Rist genannt.

Göttingen – Dem Finanzmarkt unerbittlich ausgeliefert, treten Großverdiener und Otto-Normalverbraucher im Werkraum an und versuchen, ihre Schäflein ins Trockene zu bringen. Die entscheidende Frage: Wer wird gewinnen?

Zunächst bekommen die Besucher ein neues Leben. Jeder kann an einem Garderobenständer die passende Ausstattung dafür wählen. Ich bin der Langzeitstudent Luther. Gott nicht Geld spielt für mich die wichtigste Rolle. Da passen Weste und Nört-Brille.

Mein Partner ist der Fitnesstrainer Tiger. Werden wir auf dem Jahrmarkt der Finanzen bestehen? (Ausstattung und Bühnenbau: Sandra Kawka, Pia Vallilengua Meyer)

Im „Theater-Game“ des Boat People Projekts werden die Zuschauer zu Spielern

Auf den ersten Blick fängt alles gut an: In dem bunten Treiben mit verschiedenen Buden lande ich dort, wo ich lerne, wenig Steuern zu zahlen. Wer nichts hat, kann auch nichts geben, lautet die einleuchtende Maxime.

Ich parke mein Geld dort, wo niemand dran kann. Plötzlich Alarm: Mancher zahle keine Steuern. An einem Schießstand werden alle zur Kasse gebeten und müssen mal für Bildung, mal für Infrastruktur schießen.

In der Bitcoin-Buddelecke treten die Spieler zu zweit an. Einer muss Kopfrechnen, der andere gräbt im Sand nach „Bitcoins“. Wie überall auf dem Markt versucht der Standbetreiber auch hier aus Kleinigkeiten Geld zu schlagen.

Für einen „Voll“ – das ist die Währung des Abends – kann der „Goldgräber“ eine kleine Schaufel mit integrierter Harke erstehen. Wer es nicht schafft, dort sein Budget aufzubessern, kann sich an der Börse versuchen und mit Aktien aus der Waffenindustrie – momentan sehr vielversprechend - oder für den Bereich Natur und Klimaschutz handeln.

„Theater-Game“ des Boat People Projekts: Vom Casino zum Jahrmarkt

Im Casino geht es zu wie im richtigen Leben. Einer setzt alle Jetons auf die Farbe Rot. Der Croupier ruft als Ergebnis „Schwarz“ aus. An einem anderen Stand gilt es, Schätze zu angeln. Wer die Habseligkeiten eines Influencers ergattert, darf sich über eine vielfache Punktzahl freuen.

Blinde Raffgier - im wahrsten Sinne des Wortes - gilt es auf dem Jahrmarkt der Finanzen zu beweisen. Aus einem See voller Kuscheltiere müssen möglichst viele am Ufer landen. Doch wer sich dieser Aufgabe stellt, darf dies nur mit Handicaps tun. Die Beute erhält man nicht in „Volls“ - mit einem Kuscheltier geht es in die Wechselstube.

„Theater-Game“ des Boat People Projekts: Ein lustiger Abend

Trotz manchen Rückschlags ist mein Team heute Abend auf der Gewinner-Seite. Neben der Freude über den Sieg beschäftigt uns die Frage, wieviel Wahrheit dieses unterhaltsame Spiel auf den Ernst des Lebens haben könnte.

Interessant und lustig fand eine Gruppe aus drei Frauen den Abend. Die Währung hätten sie nicht gerettet, glauben sie nach den 70 Minuten, in denen sie sich mit der Finanzwelt herumgeschlagen haben. Dass Einhörner nicht immer Glück bedeuten, sei ihnen aber auf jeden Fall klar geworden.

Weitere Vorstellungen im Werkraum, Stresemannstraße 24c, am 17. und 18. Juni um 19.30 Uhr, 19. Juni um 15 und 19.30 Uhr – weitere Termine: boatpeopleprojekt.de (Ute Lawrenz)

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