Neues Verkehrskonzept: EcoBus fährt die Dörfer an

Botschafter für EcoBus: Forscher des Göttinger Max-Planck-Institutes für Dynamik und Selbstorganisation im Kreise der Kooperationspartner aus der Region. Foto: Peter Goldmann/MPIDS/nh

Göttingen. In vielen Orten in Südniedersachsen fährt nur noch selten ein Bus. Göttinger Forscher entwickeln mit EcoBus derzeit ein System, damit Nahverkehr zu bezahlbaren Preisen angeboten werden kann - dazu Fragen und Antworten.

Warum wird EcoBus aus der Taufe gehoben? 

Gerade auf dem Land in Südniedersachsen ist die Anbindung im öffentlichen Personennahverkehr schlecht. Mit EcoBus soll zukünftig der Transport von Tür zu Tür mit den Reisezeitpunkten nach Kundenwunsch angeboten werden - und das zu bezahlbaren Preisen.

Was steckt hinter dem Begriff EcoBus?

Durchschnittlich sitzen nur 1,6 Personen in einem Fahrzeug. Mit dem Projekt soll die Auslastung auf durchschnittlich vier Personen in Kleinbussen gesteigert werden. Das spart Kraftstoff und sorgt für weniger Verkehr auf der Straße - ein Sparprogramm (eco) für den Nahverkehr.

Wie muss man sich das Angebot ganz praktisch vorstellen? 

Per Anruf, Computer oder Smartphone kann man seinen Fahrtwunsch an eine Zentrale melden. Ein Computerprogramm bündelt die Anfragen zu optimalen Fahrtrouten - ohne festen Fahrplan. Dann bekommt der Kunde ein Angebot für eine Fahrt.

Wer sitzt bei den Fahrten am Steuer? 

In das Projekt sollen vorhandene Verkehrsunternehmen, zum Beispiel Bus- und Taxifirmen, eingebunden werden. Sie sollen die Fahrten übernehmen. Dazu gab es bereits erste Gespräche. EcoBus ist dabei keine Konkurrenz, sondern eine Ergänzung zum bisherigen Angebot. In der Regel werden Kleintransporter mit bis zu neun Sitzen unterwegs sein.

?Was wird der Service genau kosten? 

Das steht noch nicht fest. Ziel ist es, Taxi-Komfort zum Preis eines Linienfahrscheins anzubieten.

Wer ist der Macher des Projekt? 

Das Göttinger Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation treibt das Projekt in Südniedersachsen voran. Dort werden Ideen entwickelt, um gemeinsame Fahrten zu optimieren. Vier Wissenschaftler arbeiten derzeit an der Realisierung.

Wann soll EcoBus in der Region starten? 

Das Projekt soll schon im kommenden Jahr für eine Pilotphase an den Start gehen. Im Jahr darauf könnte dann bereits der Regelbetrieb beginnen.

Wie sieht es mit der Anschubfinanzierung aus? 

Unterstützung bei dem Projekt soll aus dem Südniedersachsenplan der Landesregierung kommen. Das Göttinger Projektbüro ist eng in die Vorbereitung eingebunden.

Was sagen die Städte und Gemeinden dazu? 

Die Gespräche mit den Rathauschefs begannen Ende 2014. Zahlreiche Bürgermeister haben in dieser Woche eine Kooperationsvereinbarung mit dem Göttinger Max-Planck-Institut unterzeichnet. Einer der Initiatoren und Botschafter ist der Dasseler Bürgermeister Gerhard Melching: „Mit EcoBus können unsere Bürger in den Regionen wohnen, in denen sie sich zu Hause fühlen.“ (bsc) DREI FRAGEN

Kontakt: Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation, Am Faßberg 17, 37077 Göttingen, Tel. 05 51/5 17 60, E-Mail: info@ds.mpg.de www.ds.mpg.de

Kooperationspartner aus der Region

Folgende Städte und Gemeinden sind beim Projekt EcoBus mit an Bord. Sie unterzeichneten die Kooperationsvereinbarung.

Aus dem Landkreis Northeim: Stadt Uslar, Flecken Bodenfelde, Flecken Nörten-Hardenberg, Stadt Hardegsen, Gemeinde Katlenburg-Lindau, Stadt Moringen, Stadt Northeim,Gemeinde Kalefeld, Stadt Bad Gandersheim, Stadt Einbeck, Stadt Dassel sowie Landkreis Northeim.

Aus dem Lankreis Göttingen: Stadt Göttingen, Stadt Duderstadt, Flecken Bovenden.

Weiter mit dabei sind die Stadt Osterode am Harz, die Gemeinde Liebenburg, die Samtgemeinde Lutter am Barenberge, die Samtgemeinde Bodenwerder-Polle und die Stadt Herzberg.

Außerdem gehören die Göttinger Verkehrsbetriebe (GöVB) und der Regionalverband Südniedersachsen zu den Projektpartnern bei EcoBus.

Drei Fragen an Kalefelds Bürgermeister Jens Meyer

Die Gemeinde Kalefeld ist beim Projekt EcoBus, das für Mobilität im ländlichen Raum sorgen soll, dabei - dazu befragte die HNA Kalefelds Bürgermeister Jens Meyer (53).

Warum wird die Gemeinde Kalefeld Botschafter für das Projekt? 

Jens Meyer: Hier in der Gemeinde rufen die Einwohner nach Transportmöglichkeiten in die Mittel- und Oberzentren. Northeim und Göttingen sind von Kalefeld nur schwer zu erreichen.

Was erhofft sich die Gemeinde von EcoBus?

Meyer: Wir gehen davon aus, dass es dadurch ein ständiges Angebot gibt, um die Strecken bedienen zu können. Ziel ist es, dass Schüler, Berufstätige und Senioren mehr Fahrtmöglichkeiten als bisher haben.

Wie wollen Sie die Altämter zum Mitmachen bewegen? 

Meyer: Wir müssen ganz viel Werbung für das Projekt machen, um die Bürger darauf aufmerksam zu machen. Mein Ziel ist es, dass das Pilotprojekt im Landkreis Northeim stattfindet. Dann können sich die Einwohner direkt überzeugen.

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