"Kleiner Mann - was nun?" im Jungen Theater

Neuinszenierung: Wahre Liebe in politisch schwierigen Zeiten

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Probensituation: Regisseur Grünberg (rechts) spricht mit Jacqueline Sophie Mendel (Lämmchen) und Andreas Krüger (Pinneberg) über die Szene.

Göttingen. „Kleiner Mann - was nun?“ heißt es ab Samstag, 20. Oktober im Jungen Theater. Peter Christoph Grünberg inszeniert die Parabel von Hans Fallada, die 1932 kurz vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten herauskam. Thema ist, wie ein junges Paar die Liebe leben kann ohne mitzulaufen.

Das Stück erzählt vom Buchhalter Pinneberg und seiner Freundin „Lämmchen“. Als sie erfahren, dass „Lämmchen“ schwanger ist, heiraten sie kurzentschlossen. Doch Pinneberg wird unerwartet entlassen. Im Deutschland der Weltwirtschaftskrise muss er auf Stellensuche gehen. Immer wieder muss er um Arbeit und das Paar um seine Liebe kämpfen.

Das Junge Theater bezieht bei seiner Arbeit Passagen aus der Originalfassung mit ein, die erst vor drei Jahren an die Öffentlichkeit kam. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten hatte Fallada den Roman so verändert, dass er in den Geschäften bleiben konnte.

Regiearbeit

Es ist nicht die erste Regiearbeit des Schauspielers Peter Christoph Grünberg am Jungen Theater. Der 30-Jährige, der dort seit 2015 festes Ensemblemitglied ist, hat hier bereits „Die Geschichte vom Löwen, der nicht schreiben konnte“ und das Schauspiel über die Chansonsängerin „Barbara. Gegen das Vergessen“ inszeniert. Mit der aktuellen Inszenierung verabschiedet er sich zum Ohnsorg-Theater.

Was für ihn Abschied wird, ist für andere ein Neustart. Die Neuen im Ensemble können sich beweisen: Jacqueline Sophie Mendel spielt das Lämmchen, Andreas Krüger hat die Rolle von Pinneberg übernommen.

Mit Grünberg hat sich das Junge Theater für die Stückfassung von Michael Thalheimer und Sibylle Baschung 2013 am Schauspiel Frankfurt entschieden. Die Rahmenhandlung, die bei Thalheimer von einem 15-köpfiger Chor übernommen wurde, gestalten am Jungen Theater Katharina Brehl, Agnes Giese und Jan Reinartz.

Um das Publikum eng einzubinden, wurde das Raumkonzept geändert. Die Zuschauer umschließen die Bühne von drei Seiten. Nur zum Markt hin hat die Bühne eine Rückwand. Um die zeitliche Bindung aufzuheben, spielen die Akteure in Arbeitskleidung: „Die Schauspieler erarbeiten die Inszenierung“, beschreibt Dramaturg Christian Vilmar.

„Vieles ist übertragbar in die heutige Zeit“, umfasst Regisseur Grünberg begeistert. Inmitten von Arbeitslosigkeit und Wohnungsnot versuchten Lämmchen und Pinneberg, ihre Liebe zu bewahren, „ohne krumme Geschäfte zu machen. Es macht unglaublichen Spaß, diese Geschichte zu erzählen“, sagt der 30 Jahre junge Regisseur, der im vergangenen Jahr geheiratet hat.

Autobiografisches Werk

Fallada habe mit „Kleiner Mann - was nun?“ einen sehr autobiografisches Werk geschrieben, das man auch als Liebeserklärung an seine damalige Frau erklären könne, ergänzt Vilmar. Wie Grünberg sieht er viele Parallelen von der Zeit vor 1933 zu heute: „Auch heute kann keiner sagen, wo es hingeht.“

Die Premiere „Kleiner Mann – was nun?“ steht im Jungen Theater am Samstag, 20. Oktober, um 20 Uhr auf dem Spielplan. Karten gibt es unter Telefon 0551/495015 oder unter der E-Mail-Adresse kasse@junges-theater.de

Weitere Infos gibt es hier.

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