Forschung der Uni Göttingen

Archäologischer „Sensationsfund“ in Niedersachsen verrät neue Erkenntnisse über Neandertaler

Niedersachsen: Die Einhornhöhle im Harz ist ein Schlüsselfundplatz für Archäologen. Wissenschaftler bezeichnen den neusten Fund der Universität Göttingen als „Sensation“. (Archivfoto)
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Niedersachsen: Die Einhornhöhle im Harz ist ein Schlüsselfundplatz für Archäologen. Wissenschaftler bezeichnen den neusten Fund der Universität Göttingen als „Sensation“. (Archivfoto)

Forscher der Uni Göttingen haben in der Einhornhöhle in Niedersachsen einen verzierten Tierknochen gefunden. Wissenschafter bezeichnen den Fund als „Sensation“.

Göttingen – Denkt man an den Neandertaler, denkt man häufig an ein eher primitives Wesen. Ein Fund der Universität Göttingen zeigt jedoch, dass die Verwandten des modernen Menschen weitaus kreativer waren, als man bisher vermutet hatte.

Der Fund, der von Wissenschaftler als „Sensation“ bezeichnet wird, ist ein unscheinbar wirkender Fußknochen, der ein winkelartiges Muster aus sechs Kerben zeigt. Zugeordnet wird der in einer Höhle in Niedersachsen entdeckte Knochen einem Riesenhirsch (Megaloceros giganteus).

Im Harz: Fund in Niedersachsen ist über 51.000 Jahre alt

Der Fund aus der sogenannten Einhornhöhle im Harz wird derzeit von einem Forschungsteam unter der Leitung der Universität Göttingen und des Niedersächsischen Landesamts für Denkmalpflege (NLD) analysiert. „Wir erkannten rasch, dass es sich nicht um Schlachtspuren, sondern eindeutig um eine Verzierung handeln muss“, erklärt Grabungsleiter Dirk Leder vom Landesamt.

Das Team habe die Entdeckung bereits mit Fußknochen heutiger Rinder verglichen. Analysen hätten darauf gezeigt, dass der Knochen zunächst erst gekocht werden müsse, um das Muster anschließend mit Steingeräten in etwa anderthalb Stunden in die aufgeweichte Knochenoberfläche zu schnitzen.

In Niedersachsen haben Forschende einen von einem Neandertaler verzierten Riesenhirsch-Knochen in der Einhornhöhle im Harz entdeckt. Der Fund gilt unter Archäologen als Sensation.

Mithilfe der sogenannten Radiokarbonmethode konnte für den verzierten Knochen ein Alter von mehr als 51.000 Jahren ermittelt werden, heißt es in einer Pressemitteilung der Universität Göttingen. Den Forschenden sei es damit erstmals gelungen, ein vom Neandertaler verziertes Objekt mit dieser Methode verlässlich zu datieren. Bislang waren nur einige Schmuckobjekte aus der Zeit der letzten Neandertaler in Frankreich bekannt. Diese etwa 40.000 Jahren alten Fundstücke werden von Wissenschaftlern jedoch als Nachahmungen angesehen, da sich zu dieser Zeit bereits der moderne Mensch in Teilen Europas ausgebreitet hatte.

Universität Göttingen: Fund in Niedersachsen eine bedeutende Entdeckung

„Das hohe Alter des Neufunds aus der Einhornhöhle zeigt nun, dass der Neandertaler bereits Jahrtausende vor der Ankunft des modernen Menschen in Europa in der Lage war, Muster auf Knochen selbstständig herzustellen und wohl auch mit Symbolen zu kommunizieren“, sagt Thomas Terberger vom NLD. Dies spreche „für eine eigenständige Entwicklung der kreativen Schaffenskraft des Neandertalers“. Der Fund aus Niedersachsen sei eine der bedeutendsten Entdeckungen aus der Zeit des Neandertalers in Mitteleuropa.

Seit 2019 nahmen die Forschenden neue Ausgrabungen an der Einhornhöhle im Landkreis Göttingen vor. Dabei habe man im zusammengestürzten Eingangsbereich der Höhle gut erhaltene Kulturschichten aus der Neandertalerzeit untersuchen können.

Bereits im Mittelalter seien dort eiszeitliche Tierknochen gefunden worden, die die Entdecker damals für Einhornknochen und medizinisch wertvoll gehalten haben sollen. Daher auch der Name der im Harz befindlichen Höhle. Erste Untersuchungen und archäologische Ausgrabungen werden in dem Bereich der Höhle schon seit 1985 durchgeführt. (Nail Akkoyun)

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