194 Aufzüge in Niedersachsen

Ärger um kaputte Bahn-Aufzüge - Jeder Aufzug steht eine Woche pro Jahr still

Sorgenkind am Bahnhof Göttingen: Der Aufzug am Bahnsteig zu Gleis vier/fünf macht immer mal wieder schlapp. Eine Rampe gibt es hier nicht.
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Sorgenkind am Bahnhof Göttingen: Der Aufzug am Bahnsteig zu Gleis vier/fünf macht immer mal wieder schlapp. Eine Rampe gibt es hier nicht.

In Niedersachsen steht im Schnitt jeder der 194 Bahnhofsaufzüge rund eine Woche pro Jahr still. Besonders für Menschen mit Einschränkungen ein unüberbrückbares Hindernis.

Hannover/Göttingen – Erlebt hat es wohl schon fast jeder Zugreisende: Man steht mit viel Gepäck vor dem Aufzug zum Bahnsteig; doch der fährt nicht. Schlimmer noch sind kaputte Fahrstühle für Rollstuhlfahrer oder Familien mit Kinderwagen.

Rund eine Woche pro Jahr kein Betrieb

In Niedersachsen steht im Schnitt jeder der 194 Bahnhofsaufzüge rund eine Woche pro Jahr still. Das ergibt sich aus einer Antwort des Bundesverkehrsministeriums auf eine Anfrage des Grünen-Bundestagsabgeordneten Sven-Christian Kindler als Hannover.

Danach beziffert die Bahn-Tochter DB Station&Service AG die Verfügbarkeit ihrer 108 Aufzüge an kleineren Bahnhöfen in der kundenrelevanten Hauptzeit zwischen 6 und 22 Uhr für das Jahr 2019 zwar mit 97,6 Prozent. Aufs Gesamtjahr umgerechnet bedeutet dies aber fast neun Ausfalltage. 2018 waren es mit 97,2 Prozent sogar zehn Fehltage. Etwas besser sieht es bei den 86 Aufzügen in den Ballungsräumen auf. Hier betrug 2019 die Verfügbarkeit 98,5 Prozent, was durchschnittlich 5,5 Tage Stillstand ergab. 2018 erreichte die Verfügbarkeit 97,9 Prozent, das knapp acht Fehltagen entsprach.

Göttingen: Aufzug am Gleis 4/5 problematisch

In Südniedersachsen gibt es unter anderem Probleme am Bahnhof Göttingen. Dort macht immer mal wieder der Aufzug am Bahnsteig von Gleis vier/fünf schlapp. Das Problem: Dort gibt es nur Treppen und keine Rampe als Ausweichmöglichkeit. Regelmäßig verzweifeln dann Fahrgäste mit Handicap, weil sie nicht zum Zug kommen. Oftmals gibt es am Ende nur einen Ausweg: Der Zug muss auf ein anderes Gleis verlegt werden.

„Barrierefreiheit muss für Reisende in Niedersachsen durchgehend gewährleistet sein.“

„Kaputte Aufzüge machen vielen Menschen, die gerne die Bahn nutzen wollen, das Reisen schwer oder sogar unmöglich. Ausfallzeiten von mehr als einer Woche sind daher völlig inakzeptabel“, kritisiert Kindler im Gespräch mit unserer Zeitung. „Barrierefreiheit muss für Reisende in Niedersachsen durchgehend gewährleistet sein.“ Diese sei zwar nicht zum Nulltarif zu haben, zahle sich aber gerade für ältere Menschen, Familien mit Kinderwagen und Radfahrer aus. „Das ist eine Frage der Gerechtigkeit und Teilhabe aller Menschen.“

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) müsse daher mit seinem niedersächsischen Amtskollegen Bernd Althusmann (CDU) an einem Strang ziehen und deutlich mehr Geld in die Aufzüge der Bahnhöfe investieren.

Als einer der Hauptgründe nennt Bahn Vandalismus

Als einen der Hauptgründe für die Störungen nennt die Bahn Vandalismus. Ein Viertel aller Ausfälle bundesweit seien auf mutwillige Beschädigungen, etwa Verkleben der Knöpfe mit Kaugummi, oder auf unsachgemäße Behandlung zurückzuführen. „Das muss doch nicht sein“, appellierte eine Unternehmenssprecherin an die Verantwortung der Kunden gegenüber ihren mobilitätseingeschränkten Mitreisenden.

In 21 Prozent der Fälle sei Materialermüdung, also Verschleiß, die Ursache, gefolgt von Fehlalarmen (16 Prozent) und Fabrikationsfehlern (drei Prozent). Die Sprecherin verwies zudem auf die vier Mal im Jahr vorgeschriebenen Prüf- und Wartungsarbeiten. Zwar bemühe sich die Bahn, diese außerhalb der üblichen Reisezeiten durchzuführen; gleichwohl würden auch hierdurch die Ausfallstatistiken beeinträchtigt.

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