Pandemiefolgen für Schüler auffangen

Niedersachsen stockt auf: Mehr Geld für Kursleiter und Sozialarbeiter an Schulen

Unterstützung für Schulen: Das Land stellt zusätzlich 100 Millionen Euro bereit. Das Bild zeigt den Eingang zum Otto-Hahn-Gymnasium in Göttingen.
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Unterstützung für Schulen: Das Land stellt zusätzlich 100 Millionen Euro bereit. Das Bild zeigt den Eingang zum Otto-Hahn-Gymnasium in Göttingen. (Symbolbild)

Sprachcamps, Schwimmkurse, Sondertöpfe für die Schulen zur Lernförderung: Niedersachsens Landesregierung hat das Aufholprogramm für Kinder und Jugendliche auf den Weg gebracht.

Hannover/Göttingen – Zusätzlich zu den 122 Millionen Euro aus Bundesmitteln stellt das Land selbst 100 Millionen Euro aus dem Sondervermögen zu Bewältigung der Corona-Folgen bereit. „Das ist ein sehr umfangreiches, aber auch ein sehr notwendiges Programm“, sagt Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD).

20 Millionen Euro sollen dabei in den technischen Infektionsschutz fließen, namentlich in mobile Filteranlagen und automatische Lüftungssysteme für die Klassenzimmer. Dabei nimmt der Ressortchef, der bislang eher skeptisch gegenüber Luftreinigungsgeräten war, vor allem die Schuljahrgänge eins bis sechs ins Visier.

Die Schüler dort würden nämlich wegen ihres Alters „auf absehbare Zeit kein Impfangebot“ erhalten. Daher wolle man jetzt jeden der rund 25 000 Klassenräume mit Zu- und Abluftanlagen ausstatten. „Das ist aber kein Ersatz für ausreichendes Lüften“, stellte Tonne noch mal klar.

Gleichzeitig kündigte der Minister an, notfalls die Test-Intervalle für Schüler deutlich zu verkürzen, falls dies das Infektionsgeschehen mit der hochansteckenden Delta-Variante erfordere. „Darauf sind wir eingerichtet. Kein Schüler muss Angst vor dem nächsten Schuljahr haben.“

Derzeit müssen Schüler in Niedersachsen zwei Mal pro Woche zuhause einen Selbsttest durchführen. Dieses System habe sich bewährt, daher werde man es beibehalten, aber bei Bedarf auf tägliche Tests ausdehnen.

Ins Zentrum des Aufholprogramms stellt Niedersachsen eine bessere personelle Ausstattung der Schulen. Diese bekommen ein Sonderbudget von 70 Millionen Euro, aus dem sie Projekte und Programme zum erfolgreichen Lernen, aber auch zum Erwerb von Kompetenzen bei Bewegung, Sprache, Gesundheit, Ernährung und im sozial-emotionalen Bereich anbieten sollen. Mit dem Geld können die Schulen die benötigten Kursleiter anheuern, pensionierte Lehrkräfte etwa, Studierende oder Übungsleiter.

Daneben stellt das Land 25 Millionen Euro bereit, um an jeder der 3000 Schulen einen pädagogischen Mitarbeiter auf 450-Euro-Basis für Pausenaufsicht und Betreuung zu beschäftigen.

Weiteres Geld gibt es für 175 Schulsozialarbeiter. Die sollen künftig nicht nur Lehrkräfte im Unterricht unterstützen, sondern auch „aufsuchend“ tätig werden, also aktiv auf abgetauchte Schüler zugehen, um so deren verlorenen Kontakt zur Schule wiederherzstellen. Auch dieSchulpsychologie will die Regierung mit zusätzlichen Stellen stärken.

Unter dem Motto „Startklar in die Zukunft“ gehe es darum, jungen Menschen neues Zutrauen zu geben, wieder Kontakte zu ermöglichen und ohne Druck und Stress Verpasstes aufarbeiten zu können, so Sozialministerin Daniela Behrens (SPD). „Kinder und Jugendliche haben eine Hauptlast bei der Pandemiebekämpfung getragen. „Jetzt geben wir ihnen etwas zurück.“ Elf Punkte umfassen die außerschulischen Angebote – von finanzieller Förderung für Kinderfeste in Kommunen, über Kunst und Kultur bis zu Zuschüssen für Schwimmkurse und Sprachcamps. Für Familien in Notlagen steht ein Fonds über 150 000 Euro bereit.

„Das reicht doch überhaupt nicht aus“, kritisierte der Grünen-Abgeordnete Volker Bajus. Das Programm komme viel zu spät, meinte Fraktionschefin Julia Willie Hamburg. „Das ist fatal für Kinder und Jugendliche.“ Auch FDP-Bildungsexperte Björn Försterling kritisierte, dass im Bereich der pädagogischen Mitarbeiter, Schulsozialarbeiter und Schulpsychologen die Lücken seit Jahren bekannt.„Leider bleibt das Land weiter meilenweit davon entfernt, die Niedersächsische Bildungscloud mit den Lerninhalten der Kernfächer auszustatten. (Peter Mlodoch)

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