Nierenkranken die Dialyse ersparen

Direktor der Universitäts-Medizin Göttingen hat neue Behandlungen im Blick

Ein Herr mittleren Alters steht in Schutzanzug in einem Korridor und lächelt, dahinter den Rücken zudrehende Personen.
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Prof. Dr. Michael Zeisberg: Er ist seit September vergangenen Jahres neuer Direktor der Klinik für Nephrologie und Rheumatologie an der Uni-Medizin.

Michael Zeisberg ist Direktor für die Fachgebiete Nephrologie und Rheumatologie sowie der internistischen Intensivmedizin an der UMG. Er möchte Nierenkranken die Dialyse ersparen.

Göttingen – Zeit zum Einarbeiten hatte Michael Zeisberg bereits: Der Professor leitet seit 1. September 2020 als Direktor die Klinik für Nephrologie und Rheumatologie der Universtitätsmedizin Göttingen.

Zeisberg folgte auf Prof. Gerhard Anton Müller, der bereits Ende März 2020 nach 27 Jahren an der UMG in den Ruhestand gegangen war.

Intensiveres frühes Behandeln von Nierenerkrankungen

Zeisberg will vor allem die frühe Behandlung von Nierenerkrankungen intensivieren, auch, um in manchen Fällen Langzeitbehandlungen wie die Dialyse überflüssig zu machen.

Michael Zeisberg kam nach seiner Arbeit unter anderem in Boston an der Harvard Medical Scholl 2010 nach Göttingen zurück, wo er auch schon studiert und seinen Facharzt gemacht hatte.

Seit 2017 war er bereits geschäftsführender Chefarzt und Vertreter des Direktors in der UMG-Klinik für Nephrologie und Rheumatologie. Nun verantwortet er dort das gesamte Spektrum dieser Fachgebiete sowie die internistische Intensivmedizin.

Funktionsverlust der Niere soll nicht mehr zu Dialyse führen

Und Zeisberg möchte auch seine Schwerpunkte aus Forschung und Klinischen Erfahrungen stärker in den Fachkliniken einbauen. Nach eigener Aussage habe mit seinem Dienstantritt eine „umfangreiche Neuaufstellung der Klinik begonnen“. Mit dem Ziel auch neue Diagnose- und Therapieverfahren zu implementieren.

Es gehe ihm letztlich auch darum, „die bisherige Sichtweise der chronischen Nierenschwäche“ zu verändern. Diese galt lange als unumkehrbare Erkrankung – mit der Perspektive dauerhaft die Dialyse als lebenserhaltende und dauerhafte Behandlung zu benötigen.

„In der Klinik und Forschung arbeiten wir daran, dass eine Nierenerkrankung oder der Funktionsverlust der Niere nicht zu einer Dialysepflicht führt.“ Jetzt sei der Zeitpunkt gekommen, um neue Therapien einzuführen und wissenschaftlich weiterzuentwickeln.

UMG-Sprecher: Zeisberg steht für vernetztes Arbeiten

Es sind diese Aussagen Zeisbergs, die vielen Betroffenen – auch in einem frühen Stadium – Hoffnung machen.

Für den Uni-Professor geht es auch darum, das Fachgebiet der Nephrologie besser dem regionalen Bedarf anzupassen. Die Klinik für Nephrologie und Rheumatologie an der UMG soll so „zu einem international sichtbaren Standort“ werden.

Dass mit dem neuen Direktor ein Schub für die Behandlung von Nieren- und Rheumaerkrankungen vonstatten gehen wird, davon ist UMG-Vorstandssprecher Prof. Wolfgang Brück überzeugt. Zudem stehe Zeisberg auch für ein venetztes, fachgebietsübergreifendes Arbeiten, wie es an der UMG mit vielen Kliniken praktiziert wird.

Folgen von Nierenfunktionsstörungen auf Organe im Blick

Brück stellt auch Zeisbergs „internationale Expertise in der nephrologischen Forschung und die langjährige klinische Erfahrung“ als dessen Stärken heraus.

Wissenschaftlich möchte der neue Direktor auch die Auswirkungen von Nierenfunktionsstörungen auf andere Organe wie Herz und Gehirn untersuchen. Die Nephrologie sieht der 1971 in Hamburg geborene Mediziner deshalb als „Brückenfach“, das mit vielen anderen Medizinbereichen verknüpft ist.

Privat verbringt Michael Zeisberg gerne Zeit mit seiner Familie, also Frau und vier Kindern. Hobbymäßig ist er gern beim Joggen unterwegs – und am Herd beim Kochen. (Thomas Kopietz)

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