Forscher will sich am Nachmittag äußern

Nobelpreis: Sektkorken knallten im Max-Planck-Institut

Ein Schlückchen auf den Nobelpreis: Stefan W. Hell genehmigte sich bei einer kleinen Feier mit seinen Mitarbeitern ein Glas Sekt. Foto: dpa

Göttingen. Im Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie knallten am Mittwoch die Sektkorken. Mitarbeiter und Kollegen feierten den frischgebackenen Chemie-Nobelpreisträger Professor Stefan W. Hell. Spontan gab es auf dem Flur im Institutsgebäude einen Sektempfang.

Der Nobelpreisträger gab sich dabei ganz bescheiden. Der 51-Jährige hatte kurz vor der Verkündung in Stockholm per Telefon von dem Titel erfahren. Alle Mitarbeiter verfolgten am Bildschirm die Übertragung aus Stockholm und jubelten natürlich.

Natürlich hatte sich die Nachricht vom Nobelpreis in Windeseile auf dem Campusgelände herumgesprochen. Mit Sondereinblendungen auf den Großbildschirmen auf dem gesamten Gelände gratulierte die Max-Planck-Gesellschaft dem neuen Nobelpreisträger.

Die Forschungen von Professor Stefan Hell haben die Lichtmikroskopie revolutioniert. Zellen können dadurch mit größerer Detailschärfe untersucht werden.

Glückwünsche

Unterdessen sind die ersten Reaktionen und Glückwünsche bei dem Nobelpreisträger eingetroffen: „Stefan Hell ist ein absoluter Ausnahmewissenschaftler“, erklärt Professor Otmar D. Wiestler, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Krebsforschungszentrums. Die Niedersächsische Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajic (Bündnis 90/Die Grünen) sagte in einer ersten Reaktion: „Ich habe mich riesig gefreut und gratuliere Prof. Hell ganz herzlich. Das ist ein außerordentlicher Erfolg für Prof. Hell, für Niedersachsen und die Universität Göttingen“, sagte die Ministerin. „Dieser Nobelpreis ist absolut verdient, wir haben lange drauf gewartet. Dass der Preis an einen Forscher aus Göttingen geht, zeigt, dass wir in der Forschung stark aufgestellt sind.“

Chemie-Nobelpreis für Stefan Hell

Chemie-Nobelpreis für Göttinger Forscher Stefan Hell

Ähnlich äußerte sich der Bundestagsabgeordnete Fritz Güntzler (CDU): „Prof. Stefan Hell hat auf dem Gebiet der Entwicklung der super-auflösenden Fluoreszenzmikroskopie herausragende Forschungsleistungen erbracht. Die heutige Mitteilung, dass er für seine lang-jährige Arbeit auf diesem Gebiet mit dem Nobelpreis für Chemie aus-gezeichnet wird, ist eine großartige Nachricht. Ich gratuliere ihm und auch seinem Team hierzu von ganzem Herzen.“

Der Göttinger Bundestagsabgeordnete und SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann schreibt: „Ich gratuliere Stefan Hell ganz herzlich. Er ist schon seit einigen Jahren Favorit für den Nobelpreis. Seine bahnbrechenden Forschungsergebnisse in der Lichtmikroskopie haben in der Wissenschaft weltweit großes Aufsehen erregt. Ich freue mich riesig für ihn, dass es in diesem Jahr geklappt hat.“

Bundesforschungsministerin Johanna Wanka sagte: „Ich freue mich sehr mit Herrn Hell, dessen bahnbrechende Forschung ich aus meiner Zeit in Niedersachsen gut kenne, und gratuliere ihm ganz herzlich zum Chemie-Nobelpreis. Nicht nur für die Chemie in Deutschland ist das ein Glückstag. Sein Nobelpreis setzt ein Ausrufezeichen, dass die deutsche Wissenschaft Weltspitze ist.“

Aktualisiert um 19.40 Uhr

Der Präsident der Göttinger Akademie der Wissenschaften, Prof. Stefan Tangermann, gratulierte Stefan Hell herzlich zu dem „großartigen Erfolg“. Zugleich verwies er darauf, dass nun drei Nobelpreisträger in der Göttinger Akademie mitwirkten: Neben Stefan Hell seien auch schon Manfred Eigen und Erwin Neher mit dieser herausragenden Ehrung gewürdigt worden.

Große Freude herrscht auch bei Göttingens Oberbürgermeister Wolfgang Meyer, der Hell in der vergangenen Woche für den Gewinn des Kavli-Preises mit einem Empfang geehrt hatte. Nur wenige Tage später, so Meyer in seiner Glückwunschadresse, werde der bereits vielfach ausgezeichnete Hell erneut für seine herausragende wissenschaftliche Arbeit geehrt. Die ganze Stadt freue sich mit ihm und sei stolz auf seine Leistungen, die nun auch durch diese ganz besondere Preisverleihung gewürdigt würden.

SPD-Landtagsabgeordnete Gabriele Andretta sagte: „Das ist die verdiente Würdigung eines Forschers, dessen wissenschaftliche Qualität in der unmittelbaren Nachfolge von Manfred Eigen und Erwin Neher steht – seinen Vorgängern am Göttinger Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie, das nun schon drei Nobelpreisträger hervorgebracht hat.“ (bsc)

Auch ohne Nobelpreis eine wichtige Entdeckung

Locker, gelöst – auch im harten Interview-Marathon – zeigte sich Nobel-Preisträger Stefan Hell am Mittwochnachmittag bei der offiziellen Pressekonferenz. Die hatte MPI-Pressesprecherin Dr. Carmen Rotte mit Mitarbeitern in aller Eile – innerhalb von nur drei Stunden organisiert. „Wir waren heute überhaupt nicht darauf vorbereitet“, schilderte Rotte.

Grund: Am Dienstag waren die Physik-Nobelpreisträger bekanntgegeben worden. Und da hatte man den Physiker Hell eher auf der Rechnung. „Das kam unerwartet“, sagten denn auch Hell und Rotte unisono. „Ich dachte an einen Scherz, als am Telefon die Nachricht kam, sie haben mit zwei amerikanischen Kollegen den Chemie-Nobelpreis gewonnen.“ Allerdings habe er diese Sensationsbotschaft zunächst eine halbe Stunde lang nicht weitergeben dürfen, schilderte Hell, der den Übermittler der Nachricht, Staffan Normark vom Nobelpreiskommittee persönlich kennt. Normark fügte noch hinzu, dass er Hell noch eine E-Mail schicken wollte, quasi zur Bestätigung der Richtigkeit der guten Nachricht. „Die Nachricht kam aber zunächst nicht“, schmunzelte Hell.

Dichthalten konnte Stefan Hell dann aber doch nicht, er rief seine Frau Anna im nahen Uni-Klinikum an, die gleich vorbeikam und mit anstoßen konnte. Denn nach Ablauf der „Gnaden-Frist“ hatte der Direktor einem Post-Doc-Mitarbeiter gesagt: „Kaufen Sie bitte ein paar Flaschen Champagner.“ Der junge Mann habe das mit großen Augen zur Kenntnis genommen. „Ihm war sofort klar, was das bedeutet.“ Es bedeutet, dass das Göttinger Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie nun schon nach dritten Nobelpreisträger hervorgebracht hat. Und zum ersten Mal einen Wissenschaftler, der in einem Jahr den hochangesehenen Kavli-Preis (750.000 Euro) und den Nobel-Preis (875.000 Euro) erhalten hat. Mit „seinem“ Nobelpreis hatte Stefan Hell jedenfalls nicht gerechnet, weil die Konkurrenz „viel zu hart ist“. Die Messlatte liege im Sinne von Alfred Nobel auch sehr hoch. „Es wird immer die Entdeckung ausgezeichnet, die im abgelaufenen Jahr für die Menschheit am wichtigsten war. Das ist aber immer eine Ermessensfrage. Man weiß nie genau, was das Nobelpreiskommittee als das Wichtigste erachtet. Wir wussten aber, dass es wichtig ist! Deshalb haben wir mit Spaß und Elan so daran gearbeitet. Es wäre auch ohne Nobelpreis wichtig gewesen.“ Für den Preisträger, Verwandte, Freunde und Mitarbeiter wird es ein langer Abend. „Wir feiern“, kündigte Stefan Hell an. Im Foyer jedenfalls ging das schon am Nachmittag los. Hunderte Mitarbeiter des MPI sorgten für eine freudige Stimmung – und es gab auch Sekt. Die Forschungsarbeit ruhte am 14.30 Uhr. Das darf sein: Wer weiß, wann der nächste Nobelpreis dort gefeiert werden kann. Auch wenn das MPI für biophysikalische Chemie in Göttingen eine Preisträger-Schmiede ist. (tko)

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