Professur in Kalifornien

Nobelpreisträger in Göttingen: Auf der Spur der Synapsen

Vortrag in Göttingen: Medizin-Nobelpreisträger Prof. Dr. Thomas Südhof präsentierte die Ergebnisse seiner Forschungen. Foto: Brüßler

Göttingen. Prof. Dr. Thomas Südhof besuchte seine Geburts- und Studienstadt Göttingen. Er hielt einen Vortrag über seine Forschungsergebnisse.

Für die hatte er 2013 den Nobelpreis für Medizin erhalten. Viele Nobelpreisträger haben eine Verbindung zu Göttingen, wenige sind aber auch dort geboren. Auf Medizin-Nobelpreisträger Prof. Dr. Thomas C. Südhof von der Stanford University in Kalifornien trifft beides zu. 1955 in Göttingen geboren und in Hannover aufgewachsen kam er von 1977 bis 1982 zurück, um in Göttingen Medizin zu studieren und zu promovieren. Heute hat er in Kalifornien eine Professur für Molekulare und Zelluläre Physiologie, Psychiatrie und Neurologie inne.

Südhof selbst dankte und gab als erstes die freien Plätze in der ersten Reihe für die vielen Studenten frei, die in dem überfüllten Saal auf den Treppen Platz genommen hatten. Im schwarzen Sakko und Hose mit legerem roten Shirt, tritt Südhof nicht hinter das bereitgestellte Pult, sondern spricht anderthalb Stunden ruhig und überlegt über seine Forschung, steigt sofort tief ins Thema ein, dreht sich vom Publikum weg versinkt in seiner Präsentation.

Sein Vortrag richtet sich an ein Fachpublikum: Südhof spricht über die Informationsübertragung zwischen Nervenzellen im Gehirn durch die Ausschüttung chemischer Botenstoffe an spezielle Kontaktstellen, die Synapsen. Eine Bedeutung haben dabei die synaptischen Zelladhäsionsmolekülen, die Neurexine, und ihre Rolle bei der Verschaltung von Nervenzellnetzwerken im Gehirn. Für die Entschlüsselung der Mechanismen der Botenstoffausschüttung an den Synapsen bekam Südhof den Nobelpreis.

Aufmerksames Publikum

Hin und wieder sorgt er mit Sätzen wie „Ich traue der Literatur immer“ oder „ich bin auch fast fertig“ für Lacher und bedankt sich am Ende herzlich für die Geduld und das Interesse. Das Publikum, bestehend aus Wissenschaftlern und Studenten aus dem medizinischen und naturwissenschaftlichen Bereich, verhält sich wie in einer Vorlesung: Es lauscht still, schreibt mit, stellt am Ende vereinzelt Fachfragen an den Dozenten, ohne Ehrfurcht, mehr respektvoll. Südhof gibt sich nahbar, das wird besonders deutlich, als er am Ende alle Mitglieder seines Teams namentlich nennt und betont, dass ohne Sie diese Fortschritte nicht möglich gewesen wären.

Nils Brose, Instituts-Direktor und Südhof-Freund, freut sich über die 300 Interessierten: „Ich habe mich sehr über den Besucherandrang gefreut. Wir haben uns ganz bewusst entschieden, die Veranstaltung hier zu machen wegen der alten Verbindung von Tom Südhof und nicht in der Aula.“ (zli)

Instituts-Direktor: Wissenschaftler sind bisschen wie Kommissare

Nils Brose, Direktor der Abteilung Molekulare Neurobiologie am Max Planck Institut für Experimentelle Medizin hatte „Tom“, wie er Prof. Südhof nennt, zum ersten Mal 1987 als junger Doktorand getroffen.

Danach arbeitete Brose mit ihm zusammen. Der Instituts-Direktor war es, der Südhof für einer Vortrag in Göttingen gewinnen konnte. Südhof hatte von 1995 bis 1998 Broses Posten als Direktor des Max Planck Instituts inne.

„Wissenschaftler sind ein bisschen wie Kommissare“, sagte Brose, „Tom ist für mich eine Mischung aus dem analytischen Wallander, dem grüblerischen Columbo und dem rebellischen Kommissar Schimanski.“ (zli)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.