Blindgänger-Sprengung: in Göttingen

Noch immer Schäden von Splittern und Druckwelle nach Bombensprengung im Januar

Zwei Bombenkrater am südlichen Ende der Pfalz-Grona-Breite in der Göttinger Weststadt: In der Nähe der St. Godehard-Kirche (unten rechts) waren in der Nacht zum 31. Januar 2021 zwei Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg gesprengt worden. Die Schäden an Gebäuden waren auch im September noch nicht voll beseitigt.
+
Zwei Bombenkrater am südlichen Ende der Pfalz-Grona-Breite in der Göttinger Weststadt: In der Nähe der St. Godehard-Kirche (unten rechts) waren in der Nacht zum 31. Januar 2021 zwei Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg gesprengt worden. Die Schäden an Gebäuden waren auch im September noch nicht vollständig beseitigt.

Sachschäden in Höhe von einer halben Million Euro erlitten die katholische Gemeinde St. Godehard und der Caritasverband Südniedersachsen bei der Bombensprengung im Januar.

Göttingen - Die Stadt Göttingen hatte vier Fliegerbomben aus dem Zweiten Weltkrieg kontrolliert sprengen lassen. Über den Stand der noch nicht ganz beendeten Sanierungsarbeiten informierte sich Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD).

Gespickt mit Bombensplittern war das Dach des Pfarrheims nach der Sprengung, erinnerte sich Kirchenvorstand Karlheinz Ringel. Es musste komplett erneuert werden. Risse klafften im Mauerwerk. Im Gebäude-Inneren waren Lampengläser zerbrochen. Wasser, das die Druckwelle hatte abfangen sollen, strömte herein.

„Bei uns hob die Druckwelle das begrünte Dach kurz an und verursachte so ebenfalls einen Totalschaden“, sagte Caritas-Vorstandssprecher Ralf Regenhardt. Fensterglas ging zu Bruch. Der Sandkasten der Kita musste neu befüllt werden. Bei den Sprengungen ging zudem der Abwasserkanal auf 65 Meter Länge kaputt. Er wurde im April einschließlich der Hausanschlüsse erneuert. Auch andere Versorgungsleitungen waren zu ersetzen.

„Die Schäden der Gemeinde schlagen mit gut 400 000 Euro zu Buche, von denen die Versicherung 180 000 Euro trägt“, führte Dechant Wigbert Schwarze aus. Den Fehlbetrag trage das Bistum Hildesheim. Auf gut 100 000 Euro belaufen sich die Schäden bei der Caritas.

„Den Großteil trägt die Versicherung“, erklärte Caritas-Vorstand Holger Gatzenmeyer. Eigentlich sollte der Bund für solche Schäden aufkommen, fand der Oberbürgermeister. Aber es fehle ein entsprechendes Bundesgesetz.

Die Stadt hatte im September 2020 Kenntnis von den Blindgängern bekommen. Zwei der 500-Kilogramm-Bomben lagen unter der Einfahrt von Pfarrhaus und Caritas. Eine weitere Bombe befand sich hinter dem Caritas-Gebäude, eine am nahen Leine-Weg.

Zunächst einmal mussten Pumpen den hohen Grundwasserspiegel absenken. Bagger hoben sieben Meter tiefe Arbeitsschächte aus, die mit dicken Stahlplatten ausgekleidet wurden. Der letzte Meter Erdreich über den Bomben war mit der Hand freizulegen.

Arbeiter deckten die Schächte anschließend mit Balken ab und legten darauf jeweils zwei Säcke, die sie mit jeweils 24 000 Liter Wasser füllten. Um die Wucht der Sprengung zusätzlich abzufangen, kamen noch Strohballen und Kiessäcke dazu. Rund um die Schächte errichteten Beschäftigte zudem fast acht Meter hohe Mauern aus drei übereinander geschichteten Hochseecontainern.

Jeweils 22 000 Liter Wasser fassten die Kunststoffsäcke im Inneren. Vor der Sprengung mussten 8300 Menschen ihre Wohnungen verlassen. Bei der Entschärfungsaktion waren 1800 Menschen im Einsatz. Von einer „Mammutaktion“ sprach Michael Westphal vom städtischen Fachbereich Ordnung. (Michael Caspar)

Noch immer Schäden nach Blindgänger-Sprengung im Januar in Göttingens Weststadt: Ortstermin an der Pfalz-Grona-Breite mit – von links – Michael Westphal, Wigbert Schwarze, Holger Gatzenmeyer, Ralf Regenhardt, Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler und Karlheinz Ringe.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.