Forschungsprojekt von Uni Göttingen und BUND

Nordhessische Wildkatzen tappten in Luchs-Falle und werden nun erforscht

Vorsicht Foto-Falle: Göttinger Forscher und Naturschützer aus Nordhessen stellen Fotofallen zur Beobachtung für Wildkatzen in Nordhessischen Wäldern auf. Hier Lynne Werner vom BUND Hessen. Foto: nh

Göttingen. Durch Nordhessen streifen wieder Luchse. Die Wälder sind auch die angestammte Heimat der Europäischen Wildkatze. Ihr Vorkommen soll nun erforscht werden.

Das geschieht in einem gemeinsamen Projekt der Universität Göttingen und des hessischen Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND).

Die Erforschung der Wildkatzen-Population geschieht fast zwangsläufig, denn immer wieder tappten die scheuen Tiere in den Fokus der automatischen Kameras – Fotofallen –, die die Wissenschaftler zur Beobachtung der Luchse seit Herbst 2014 aufgestellt hatten. Die Zahl der fotografierten Wildkatzen sei erstaunlich hoch gewesen, sagt Dr. Markus Port vom Institut für Zoologie und Anthropologie der Uni Göttingen.

Die Kameras werden deshalb von Juli bis einschließlich Oktober in einem speziell auf die Erfassung der Wildkatze zugeschnittenen Untersuchungsdesign zur Bestandserfassung eingesetzt.

Methoden aus der Luchsbeobachtung

Auch die Methodik erfinden die Wissenschaftler nicht neu, sondern übernehmen sie von der Luchsbeobachtung. „Ähnlich wie Luchse können auch Wildkatzen anhand ihrer Fellmuster individuell voneinander unterschieden werden“, erklärt Lynne Werner vom BUND, die die Untersuchung maßgeblich betreut.

In die Foto-Falle getappt: Diese Wildkatze mit Kind wurde im Juni von einer Fotofalle abgelichtet, die eigentlich zur Luchsbeobachtung in Nordhessen dient. Foto: pug/nh

„Wenn wir die Tiere unterscheiden können, können wir sie zählen und so ihren Bestand schätzen,“ ergänzt Werner. Anders als Luchse waren Wildkatzen in Deutschland nie ausgestorben. Doch viele Jahre mussten sie in der Roten Liste für Deutschland als „vom Aussterben bedrohte Tierart“ geführt werden. Heute gilt der Bestand der Wildkatze in Deutschland noch immer als gefährdet. Effektive Schutzmaßnahmen haben in den vergangenen Jahren dazu geführt, dass sich die scheuen Waldbewohner neue Lebensräume erschließen.

Naturschutz auf den Waldflächen im Blick

Über eine gesunde Wildkatzen-Population in Nordhessen freut sich Jan Stetter, Leiter des HessenForst-Forstamts Melsungen, auf dessen Fläche die Untersuchung stattfindet. „Auf allen Waldflächen, die wir betreuen, haben wir auch den Naturschutz im Blick. Dadurch entstehen viele Lebensräume und Biotope, die es ohne zielgerichtete Waldpflege so nicht geben würde“, sagt Stetter. Dass sich die Wildkatze wohlfühle, zeige, dass der integrative Naturschutz funktioniere und bedrohte Tierarten schützen könne.

Die Wildkatzen-Studie wird durch die Heinz-Sielmann-Stiftung mit Sitz in Herbigshagen bei Duderstadt sowie das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie finanziell unterstützt.

Der BUND setzt sich schon seit vielen Jahren erfolgreich für den Schutz der Wildkatze ein. Mit seinem „Rettungsnetz Wildkatze“ will er bestehende Wildkatzen-Lebensräume durch die Pflanzung grüner Korridore miteinander zu vernetzen. (pug/tko)

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