Fahrt bis nach Göttingen

Notdienst für Kinder im Altkreis Osterode könnte wegfallen

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Kinderarzt: Wenn Mädchen und Jungen aus Altkreis Osterode am Wochenende, nachts oder an Feiertagen schnelle Hilfe benötigen, könnte es ab 2018 Probleme geben.

Göttingen/Osterode. Im Altkreis Osterode könnte 2017 der Kinderärztliche Notdienst wegfallen. Dann müssten Eltern mit ihren kranken Kindern im Notfall bis nach Göttingen fahren.

Osterodes parteiloser Bürgermeister Klaus Becker und betroffene Eltern wollen ihre Bemühungen verstärken, den kinderärztlichen Bereitschaftsdienst im Altkreis Osterode zu erhalten. Das ist das Ergebnis eines Gesprächs zu den geplanten Veränderungen beim kinderärztlichen Bereitschaftsdienst am Dienstag im Osteroder Rathaus.

Becker hatte dazu Harald Jeschonnek, Geschäftsführer der Göttinger Geschäftsstelle der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN), Elternvertreter aus Osteroder Kindergärten und Grundschulen sowie die Kinderärzte Martin und Christian Webel eingeladen. Dabei gab es überraschende Erkenntnisse.

Jeschonnek erläuterte den Hintergrund der Jahreswechsel 2017/18 geplanten Änderung. Er hob zunächst hervor, dass es keinerlei Zusammenhang mit der Fusion der Landkreise Göttingen und Osterode gebe. Handlungsbedarf gebe es schon seit Jahren. Die KVN sei „von politischen Entscheidungen wie der Fusion“ unabhängig, insoweit sei die zeitliche Nähe zwischen Fusion und der geplanten Verlagerung des Bereitschaftsdienstes nach Göttingen eher zufällig. Die KVN habe den gesetzlichen Auftrag, die kassenärztliche Versorgung einschließlich des Bereitschaftsdienstes auf Dauer sicherzustellen. Dies werde bei der geringer werdenden Zahl niedergelassener Kinderärzte im ländlichen Bereich zunehmend schwieriger, nicht nur in Südniedersachsen. „Ärzte sind ein knappes Gut“, sagte Jeschonnek: „Es müssen erst mal Ärzte gefunden werden, die sich im ländlichen Bereich niederlassen wollen.“

Einer der Gründe für die Zurückhaltung sei der Bereitschaftsdienst, der es erschwere, Familie und Beruf in Einklang zu bringen. Nach Angaben eines Osteroder Kindermediziners sind für einen Notdienst zu wenig Kinderärzte vor Ort.

Fahrt nach Göttingen? 

Für Osterodes Bürgermeister Becker muss es Ziel sein, auch außerhalb der ärztlichen Sprechzeiten eine angemessene Versorgung erkrankter Kinder vorzunehmen. Eine 45-minütige Fahrt ins 40 Kilometer entfernte Göttingen mit einem fiebrigen oder vor Schmerzen schreienden Kind stellt laut Becker eine schwierige Ausnahmesituation für die Eltern dar.

Osterodes Bürgermeister Becker will sich in den kommenden Monaten für einen wohnortnahen Notdienst für Kinder einsetzen.

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