Korrespondent Peter Mlodoch hat genau hingeschaut und hingesehen

Notizen aus der Landeshauptstadt: Noch kein Anlass für Abschiedsworte

Peter Mlodoch, Korrespondent für die HNA in Hannover
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Peter Mlodoch, Korrespondent in Hannover

Unser Korrespondent in Hannover, Peter Mlodoch, hat genau hingeschaut und -gehört. Das Ergebnis seiner Bemühungen: Die Splitter der Woche aus der Landeshauptstadt.

Hannover/Göttingen – Für spontanen Nachhilfeunterricht in Staatsbürgerkunde ist Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) immer gut. Ob die Länderchefs und Länderchefinnen beim virtuellen Corona-Treffen denn auch die scheidende Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) angemessen gewürdigt hätten, wollte ein Journalist wissen. Schließlich dürfte die Videokonferenz am Dienstag ja die letzte vor der Bundestagswahl gewesen sein. Eine falsche Schlussfolgerung, erwiderte Weil. „Die Frage, wie lange Angela Merkel noch im Amt sein wird, hängt unter anderem davon ab, wann eine neue Bundesregierung ins Amt kommt“, erklärte der Jurist. „Und beim letzten Mal hat das ja ein halbes Jährchen gedauert.“ Dies könne durchaus jetzt wieder blühen, orakelte Weil. Also habe auch niemand in der Runde schon jetzt an einen Abschied für die Kanzlerin gedacht.

So viel Geheimniskrämerei von Innenminister Boris Pistorius (SPD) ist der FDP-Fraktion suspekt. Jeden Morgen verschickt das Innen-Ressort einen Lagebericht zur Corona-Lage an die Abgeordneten des Landtags. Allerdings ist dieses Schreiben immer mit dem Sperrvermerk „VS - Nur für den Dienstgebrauch“ versehen. Dabei unterrichte die Landesregierung doch seit Beginn der Pandemie vor der Presse und in öffentlich tagenden Ausschüssen regelmäßig über aktuelle Zahlen zu Inzidenzen, Impfstoffen und Klinikkapazitäten, wunderten sich die Liberalen Marco Genthe und Susanne Schütz. Sie stellten eine Parlamentsanfrage zum Sinn der Verschlusssache. Der Geheimhaltungsgrad beziehe sich auf alle Angaben zum Impfen, antwortete das Ministerium. Damit wolle man mögliche kriminelle Handlungen gegen die Impfzentren verhindern. Warum dann das Ressort von Sozialministerin Daniela Behrens (SPD) solche Infos trotzdem immer wieder verkünden darf, erklärte die Pistorius-Behörde nicht.

So kontert man Aberglauben aus. Es sei Freitag, der 13., leitete NDR-Fernsehfrau Martina Thorausch die Fragerunde der Landespressekonferenz ein. „Ich hoffe, die Staatskanzlei hat da keine schlechten Nachrichten mitgebracht.“ Keine Sorge, antwortete Vizeregierungssprecherin Kathrin Riggert ungerührt. „Ich habe keine schlechten Nachrichten dabei. Denn ich habe überhaupt keine Nachrichten dabei. Weder schlechte noch positive.“

Mit einem Hauch von Nostalgie geht die SPD-Bundestagsabgeordnete Yasmin Fahimi auf Stimmenfang für die Wahl am 26. September. In einem zweiseitigen, handgeschriebenen Brief bittet die Diplom-Chemikerin und frühere Generalsekretärin, die sich in Hannover-Stadt erneut um ein Direktmandat bewirbt, die „lieben Bürgerinnen und Bürger“ um ihre Kreuzchen bei der SPD. Natürlich ist das Schreiben im edlen Kuvert tausendfach vervielfältigt, neugierig macht es in Zeiten von E-Mails und Whatsapps trotzdem. Allerdings sollten Fahimis Wahlhelfer die Leselust der Bürger nicht überschätzen. In einem Mietshaus mit sechs Parteien sind Briefstapel mit 15 Exemplaren dann doch etwas übertrieben. (Peter Mlodoch)

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