Am Rand des politischen Alltags

Notizen aus Hannover: Nette Anrufe nach dem Cyber-Angriff

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Peter Mlodoch: Unser Korrespondent in Hannover

Unser Korrespondent Peter Mlodoch aus Hannover hat in dieser Woche wieder die Themen am Rande des politischen Alltags in der Landeshauptstadt aufgeschnappt.

Diesen Leitsatz hatten sich Niedersachsens SPD und ihr Landesversitzender, Ministerpräsident Stephan Weil, bestimmt nicht für ihre Jahresanfangsklausur in Springe vorgestellt. „Wähler zu gewinnen, ist nützlich und notwendig; Sozialdemokraten zu erziehen, ist nützlicher und notwendiger“, prangte als Spruch neben der Eingangstür zum Restaurantbereich der Heimvolkshochschule, wo die Genossen tagten. 

Das Zitat stammt von Victor Adler (1858 bis 1918), dem Begründer der österreichischen Sozialdemokratie. SPD-Chef Weil musste darüber zwar schmunzeln, beherzigt hat er das Motto aber offenbar nichts. Von strengen Erziehungsmaßnahmen des großen Vorsitzenden drang jedenfalls nichts nach draußen.

Bei aller berechtigter Wut und Sorge über den Hacker-Angriff auf Politiker- und Prominentendaten gab es auch erfreulichere Momente. Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) erhielt auf seinem Handy den Anruf eines Unbekannten. Schimpfkanonaden oder gar Drohungen erfolgten allerdings nicht. „Ich wollte nur wissen, ob Ihre Nummer wirklich stimmt und sich dort tatsächlich der Wirtschaftsminister meldet“, erklärte der junge Mann, der sich brav namentlich und als 19-jähriger Student aus Salzgitter vorstellte. Daraus entwickelte sich prompt eine angeregte Unterhaltung mit Althusmann. Zwei weitere Anrufer hatten ähnliche Anliegen „Das waren nette Gespräche“, meinte der Minister. Dennoch dürfe man den Cyber-Angriff natürlich nicht verharmlosen.

Mit einem pfiffigen und zur Branche perfekt passenden Werbegeschenk warteten die Arbeitgeberverbände der niedersächsischen Metall- und Elektroindustrie auf. „Im Falle eines Verbots von Plastikstrohhalmen durch die EU haben wir innovative Lösungen parat“, erklärte Verbandsprecher Christian Budde und präsentierte ein Päckchen mit vier wiederverwendbaren Trinkhalmen aus hochwertigem Edelstahl samt zugehöriger Reinigungsbürste aus Wolle. Das garantiere „gesunden und umweltfreundlichen Genuss für Groß und Klein“, verspricht die – selbstverständlich plastikfreie – Packung aus Pappe. Und auch das Design der Metallhalme mit geriffelter Grifffläche kommt ansprechend daher. Öko kann also auch richtig chic sein.

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