Am Rand des politischen Alltags

Notizen aus der Landeshauptstadt: Thümler repariert sein Fass ohne Boden

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Erhielt ein "Fass ohne Boden": Niedersachsens Wissenschaftsminister Björn Thümler (CDU).

Hannover. Unser Korrespondent Peter Mlodoch aus Hannover hat in dieser Woche wieder die Themen am Rande des politischen Alltags in der Landeshauptstadt aufgeschnappt.

Genussvoll rieb sich Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusman n (CDU) auf der Regierungsbank des Landtags die Hände. Die weithin sichtbare Freude hatte aber nichts mit einer gewonnenen Abstimmung oder einer gelungenen Rede zu tun. „Frau Havliza hat mich geschmiert“, berichtete der Vizeregierungschef grinsend. Korruption allerdings liegt Althusmann Sitznachbarin, CDU-Justizministerin Barbara Havliza, schon von ihrer Funktion her fern. Die Auflösung schickte ihr Kollege per Foto: Dieses zeigte ein Probe-Tüblein Mandel-Handcreme.

Diese Idee könnte mehrere Probleme gleichzeitig lösen. Die Marienburg, deren Kauf durch die Klosterkammer wegen eines Vater-Sohn-Konflikts zwischen Prinz Ernst August Senior und Prinz Ernst August Junior vorerst geplatzt ist, könne man doch zum Asylheim für den Adel umfunktionieren, schlug FDP-Fraktionsvize Björn Försterling vor. Und zwar rechtzeitig vor dem Brexit für das gesamte englische Königshaus. „Wir sind mit den Welfen nicht mehr zufrieden und möchten uns jetzt für den anderen Teil der Familie entscheiden“, meinte der Liberale mit Blick auf die verwandtschaftlichen Bande zwischen den Häusern Hannover und Windsor. So könne Niedersachsen von echtem royalen Glanz profitieren. Und SPD-Ministerpräsident Stephan Weil, ein bekennender Tee-Trinker, könne einmal pro Woche mit der Queen Tea-Time zelebrieren.

In den Sitzungen des Landtags besteht für die Abgeordneten eigentlich Anwesenheitspflicht. Langweilige Debatten kann man durchaus aber auch für sinnvolle Nebenbeschäftigungen nutzen. So rückte SPD-Parlamentarierin Sabine Tippelt aus Holzminden mit einem Stapel Weihnachtskarten in den Plenarsaal, unterschrieb diese während der Reden und tütete sie ein. Und das war beileibe kein Genossen-Privileg: Am nächsten Tag hatten Parlamentsvizepräsidentin Meta Janssen-Kucz (Grüne) aus Leer und die Vertriebenen-Beauftragte Editha Westmann (CDU) aus der Wedemark die gleiche Idee. Einen wirklich abgelenkten Eindruck machten die Drei allerdings nicht. Frauen, so heißt es ja, könnten mehrere Dinge gleichzeitig.

Für das teure Engagement des Landes beim defizitären Schöninger Speere-Museum Paläon im Landkreis Helmstedt wurde dem zuständigen Wissenschaftsminister Björn Thümler (CDU) eine zweifelhafte Ehre zuteil. Steuerzahlerbund-Chef Bernhard Zentgraf überreichte dem Ressortchef ein symbolisches „Fass ohne Boden“. Das bei der Eröffnung einst gegebene Versprechen, die Steinzeit-Show sei ohne staatliche Zuschüsse möglich, sei „wie eine Seifenblase zerplatzt“, rügte die Organisation. Thümler konterte ganz praktisch. Rein „zufällig“ hatte er einen halbwegs passenden Pappboden dabei und „reparierte“ das Fass kurzerhand. In seinem Büro will der Minister es trotzdem nicht haben. Das 35 Zentimeter hohe Behältnis schmückt nun bis auf Weiteres die Pressestelle seines Hauses.

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