Notquartier in ehemaliger Schule

Wohnraum für Studierende wird knapp: 2169 suchen eine Bleibe

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Notquartier für Studenten: Die ehemalige Voigtschule soll Studierenden auf Wohnungssuche eine kurzfristige Bleibe bieten. Anna Reuter und Jonas Richter von der AStA (von links) sind für die Göttinger Studenten in Gesprächen.

Göttingen. Knapp 30.000 junge Menschen studieren in Göttingen. Längst nicht alle haben eine Wohnung. Mehr noch: Der Wohnungsnotstand  nimmt zu. Und ein Ende ist nicht abzusehen.

Als kurzfristige Lösung bieten die Stadt und das Studentenwerk nun die Räume der leerstehenden ehemaligen Voigt-Schule an.

Das Quartier soll vom 1. Oktober, bis 27. November, offen für wohnungssuchende Studierende des Wintersemesters 2014/2015 sein. Allerdings stehen in der ehemaligen Voigtschule in der Bürgerstraße 15 nur bis zu zwölf Schlafplätze pro Raum bereit.

Die Klappliegen werden gestellt, Bettzeug und einen eigener Schlafsack müssen die Studenten mitbringen. Sanitäre Anlagen sind vorhanden. Im Schulhof stehen zwei Duschcontainer mit jeweils fünf Duschen. Die Übernachtung kostet pro Tag fünf Euro.

Jens Vinnen, Abteilungsleiter des Studentenwerkes, sagt: „Wir wollen die große Lücke schließen und Verbindlichkeit für die Studenten herstellen.“

Die Beteiligten hoffen, dass alle Suchenden schnell einen Wohnplatz finden und die Nachfrage nicht größer wird, als Schlafplatz vorhanden ist. „Wir hatten noch nie so früh eine so volle Warteliste“, verdeutlicht Detlef Johannson, Pressesprecher der Stadt, die dramatische Lage.

Kontakt:

Studentenwerk Göttingen, Servicebüro Studentisches Wohnen, Platz der Göttinger Sieben 4, Telefon 0551/395 135; E-Mail: wohnen@studentenwerk-goettingen.de.

„Wir befinden uns noch in langfristigen Gesprächen und suchen weiteren Wohnraum.“, sagen Anna Reuter und Jonas Richter vom AStA. Mehr als 4400 Plätze sind in den Wohnheimen des Studentenwerks Göttingen belegt. Von 3600Bewerben konnte etwa 1400 ein Dach über dem Kopf angeboten werden. Auf der Warteliste befinden sich aktuell noch etwa 2169 Studenten, die eine Bleibe suchen.

Erschwerend kommt hinzu: Die Mieten in Göttingen sind teuer und Wohnraum für erschwingliche Preise, die sich Studenten leisten können, ist knapp. Prof. Dr. Jörg Magull, Geschäftsführer des Studentenwerks Göttingen, sucht noch weitere Geldgeber und Menschen, die Studenten eine finanzierbare Wohnung zur Verfügung stellen. In der Nordstadt auf den „Lutherterassen“ sollen in Zukunft 200 weitere Unterkünfte entstehen. Außerdem sind 96 weitere Wohnheimplätze in der Theodor-Heuss-Straße bis Oktober 2015 geplant, was dort 50 Prozent mehr Wohnfläche als vorher ergibt.

Wer einen Schlafplatz im Notquartier anmieten möchte, muss sich an das Studentenwerk Göttingen wenden und die Zulassungsbescheinigung des Wintersemesters vorlegen. Öffnungszeiten sind immer montags bis freitags von 11 bis 18 Uhr.

Stellungnahmen von SPD und Linke

SPD: Nur ein Tropfen auf den heißen Stein

Die Göttinger SPD-Landtagsabgeordnete Gabriele Andretta und der Göttinger SPD-Stadtverband begrüßen die vorübergehenden Notunterkünfte für Studenten. Gleichzeitig weisen sie aber auch darauf hin, dass dies nur einen kleinen Beitrag zur Bekämpfung des enormen Mangels preiswerter Wohnungen für Studierende sein kann: Es müssen dringend dauerhafte Lösungen gefunden werden. Um die akute Not zu lindern, dürfe die Universität Göttingen die Maßnahmen nicht alleine dem Studierendenwerk überlassen, sondern müsse selbst aktiv werden, fordert der frisch gewählte SPD-Stadtverbandsvorsitzende Christoph Lehmann: „Auch die Universität selbst ist verpflichtet, eine ordentliche soziale Infrastruktur für ihre Studierenden zu gewährleisten. In der Voigt-Schule können gerade eben 81 Studierende untergebracht werden.“, sagt er. „Da ist die Universität dringend gefordert, auch in ihren eigenen Gebäuden nach geeigneten Notquartieren zu suchen.“ Die Universität könne dafür sorgen, dass die Unterbringung der Studierenden in der Notunterkunft zumindest kostenfrei möglich sei.

Linke: Lagerunterbringung ist keine Lösung

„Lagerunterbringung für Studierende in der ehemaligen Voigt-Schule bringt keine wirkliche Entlastung und dient in erster Linie dazu, der Öffentlichkeit zu vermitteln, dass Studentenwerk, Universität und Stadt gemeinsam das Problem des seit Jahren fehlenden bezahlbaren Wohnraums lösen wollen.“ Das sagt Die Linke zum Notquartier für Studierende. Die Unterbringung auf Feldbetten für fünf Euro die Nacht könne das Fehlen von etwa 2000 bezahlbaren Wohnungen in Göttingen nicht lösen, sagt Patrick Humke, Fraktionsvorsitzender der Linken im Rat der Stadt Göttingen. Seit Jahren seien die Probleme bekannt, und das Studentenwerk und die Universitätsstiftung hätten die Augen vor dem Problem verschlossen. Weiter sagt Franktionschef Humke: „Nun sollen vor allem die ärmsten Studierenden für fünf Euro pro Nacht ein Feldbett bekommen und dieses nur von 18 bis neun Uhr nutzen dürfen. Das ist ein Skandal.“ Stadt, Universitätsstiftung und auch das Land Niedersachsen hätten sich ihrer Verantwortung zu stellen und sollten damit beginnen, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, so die Forderung Humkes.

Von Marie-Therese Gewert

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