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„Dann wird schlimmeres passieren“: Ditib-Gemeinde in Göttingen erhält NSU-Drohbrief

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Von: Raphael Digiacomo, Bernd Schlegel

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Die Göttinger Ditib-Gemeinde erhält einen Drohbrief. Als Absender des Schreibens, welches Drohungen und ein Hakenkreuz aufweist, ist NSU 2.0 angegeben.

Göttingen – Ein Drohbrief mit vermutlich rechtsradikalem Hintergrund ist bei der türkisch-islamischen Gemeinde (DITIb) in Göttingen eingegangen. Als Absender unter dem Schreiben steht „NSU 2.0“ („Nationalsozialistischer Untergrund“).

Dahinter werden Rechtsextremisten vermutet. Wörtlich heißt es in dem Brief an die Göttinger Gemeinde: „Macht nur weiter so, und wir kommen wieder, dann wird schlimmeres passieren.“ Außerdem ist ein Hakenkreuz auf dem Schreiben zu sehen.

NSU 2.0: Ditib-Gemeinde in Göttingen erhält Drohbrief mit Hakenkreuz

Die Ditib-Moschee am Königsstieg in Göttingen: Der frühere Vorsitzende der Gemeinde hat einen Strafbefehl erhalten.
Die Ditib-Moschee am Königsstieg in Göttingen: Die Gemeinde hat einen Drohbrief der „NSU 2.0“ erhalten. (Archivfoto) © Bernd Schlegel

Der Vorstand der Ditib-Gemeinde hat den Vorgang am Mittwoch (09.11.2022) auf seiner Facebook-Seite öffentlich gemacht und den Staatsschutz der Polizei eingeschaltet, der die Beweise gesichert hat. „Leider wurde erneut unsere Moschee und die Muslime von rechtsradikalen, rassistischen Personen bedroht und beleidigt“, heißt es vom Gemeindevorstand.

„Als Verantwortliche der Moschee werden wir jegliche Schritte einleiten, um die Sicherheit der Moschee und der Besucher zu gewährleisten“, so der Ditib-Vorstand.

Vorstand der Göttinger Ditib-Gemeinde veröffentlicht NSU-Drohbrief auf Facebook

Inzwischen habe sich die türkische Genaralkonsulin aus Hannover, Gül Özge Kaya, über die Sachlage informiert und ihr Mitgefühl beurkundet. „Wir bedanken uns als Vorstand und auch im Namen der Gemeinde bei Frau Kaya für Ihre Solidarität“, heißt es von Seiten der Gemeinde.

Vor etwa zwei Monaten hatte es Hakenkreuz-Schmierereien an der Göttinger Moschee gegeben. Die verfassungsfeindlichen Symbole waren damals entfernt worden. Die Polizei hatte daraufhin ebenfalls ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Die Polizei Göttingen ermittelt nun und bittet um sachdienliche Hinweise unter Tel. 0551 / 491 21 15. (bsc)

NSU 2.0: Eine neue Generation von Neonazis

Mehr als 140 Morddrohungen mit der Unterschrift „NSU 2.0“ haben in Deutschland ansässige Rechtsextremisten seit Sommer 2018 per Brief, Fax, E-Mail oder SMS versandt.

Mit der Unterschrift spielen die Absender auf die rechtsterroristische Gruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) und deren rassistisch beziehungsweise politisch motivierte Morde an.

Die Absender bedrohten bisher hauptsächlich Adressaten und Institutionen in Deutschland und Österreich – vor allem Menschen im Fokus der Öffentlichkeit, die sich gegen Rassismus sowie Antisemitismus und für Flüchtlinge und Migranten engagieren.

Dabei handelt es sich in der Regel um Menschen in Politik, Kunst, Medien und Justiz, oftmals mit Migrationshintergrund. (rdg)

Verwandte Themen: Erst Ende September 2022 haben Rechtextremisten einen Brief mit Morddrohungen, Hakenkreuzsymbolen und einem unbekannten Pulver den Grünen in Göttingen geschickt. Der langjährige Vorsitzende der Göttinger Ditib-Gemeinde hat einen Strafbefehl wegen Hassbotschaften gegen Juden und Armenier in den sozialen Netzwerken erhalten.

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