Am finanziellen Abgrund

Nur die Eigeninitiative rettet Soloselbständige in der Kulturszene

Der CDU-Bundestagsabgeordneter Fritz Güntzler besuchte Tanzlehrerin Judith Kara (links) in ihrer Tanzsdchule in Göttingen, um sich über die Situation von Soloselbstständigen in der Kultutrszene zu informieren.
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Der CDU-Bundestagsabgeordneter Fritz Güntzler besuchte Tanzlehrerin Judith Kara (links) in ihrer Tanzsdchule in Göttingen, um sich über die Situation von Soloselbstständigen in der Kultutrszene zu informieren.

Künstler, Kreative und Solo-Selbstständige zählen zu den größten Verlierern der Corona-Pandemie, da viele von ihnen von jetzt auf gleich mit hundertprozentigen Umsatzeinbußen zurechtkommen mussten.

Göttingen – Dass man mit viel Eigeninitiative auch mit einem blauen Auge davonkommen konnte, zeigt das Beispiel von Judith Kara, Choreographin und Inhaberin der Ballettschule Art la danse.

„Genau wie viele andere hat mich Corona vom einen auf den anderen Tag getroffen und ich musste den Betrieb komplett einstellen“, berichtet Kara. Nicht nur, dass sie ihre etwa 250 Ballettschüler nicht mehr unterrichten durfte. „Auch die Ensemble-Produktion zum 100-jährigen Jubiläum der Händel-Festspiele sowie viele Veranstaltungen, an denen wir beteiligt gewesen wären, wurden coronabedingt abgesagt“, so die 45-Jährige.

Kulturschaffende am finanziellen Abgrund: innovative Möglichkeiten

Obwohl die finanziellen Ausfälle sie hart trafen – zumal die Mietkosten für die Unterrichtsräume in der Geiststraße nur gestundet, nicht aber erlassen wurden –, entwickelte Judith Kara mit ihrem Team für die Zeit des Lockdowns innovative Möglichkeiten, um ihre Schüler sowohl mental als auch sportlich zu unterstützen.

„Regelmäßige Informationen und viele Videos inklusive Trainingsplänen für alle Jahrgangsstufen und Leistungsklassen via You-Tube waren sicher eine gelungene Überbrückungslösung“, sagt sie.

Kulturschaffende am finanziellen Abgrund: große Solidarität

Durch die Soforthilfe des Landes konnte sie Ausfallzeit zumindest teilweise finanziell überbrücken. „Außerdem hat mir der Rotary-Club sehr geholfen, indem er Patenschaften für zahlreiche Schüler übernommen hat“, lobt Kara die Solidarität der Menschen, die ihr während der vergangenen Monate entgegengebracht wurde und die ihr „sehr gut getan hat“.

Das alles habe dazu geführt, dass sie die laufenden Kosten auch während des Lockdowns decken konnte – und sogar noch ein wenig für sich hatte. „Deshalb werde ich die Soforthilfe, die ich von der N-Bank bekam, auch wieder zurückzahlen“, sagt Kara.

Kulturschaffende am finanziellen Abgrund: zweites Leben als Rettung

Obwohl sie seit dem 25. Mai wieder in der Alten Fechthalle unterrichten darf – unter Einhaltung der Abstands- und Hygienebestimmungen und nur in kleineren Gruppen –, ist längst noch nicht alles beim Alten. „Viele Eltern können wegen der unsicheren Lage zurzeit die Beiträge nicht bezahlen“, berichtete Kara dem CDU-Bundestagsabgeordneten Fritz Güntzler, der ihr im Rahmen seiner traditionellen Sommertour einen Besuch abstattete, um sich über die Lage und die damit verbundenen Probleme zu informieren. Zwar lasse sie die Kinder der betroffenen Eltern trotzdem kommen und am Unterricht teilnehmen, das Geld fehle aber einfach.

„Dass es für mich überhaupt einigermaßen weiterläuft, liegt daran, dass ich als Choreographin und Ballettlehrerin zwei Leben habe“, sagt Judith Kara. „Das hat mich bis jetzt gerettet, als reine Choreographin wäre ich jetzt am Ende.“ Viele ihrer Kolleginnen, die dieses Glück nicht hätten, würden jetzt von ihrem Ersparten leben oder am finanziellen Abgrund stehen. „Wir müssen aufpassen, dass uns nicht die gesamte Kulturszene wegbricht“, ist sich auch Güntzler des Ernstes der Lage bewusst. Bleibt zu hoffen, dass sich die Lage bald normalisiert und das kulturelle Leben wieder Fahrt aufnimmt.

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