Alles geben gegen den Coronavirus:

OB Köhler: "Das Virus hat uns im Griff" - Göttingen macht Geld locker

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Pressekonferenz vor einigen Tagen mit Abstand: Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler und Sozialdezernentin Petra Broistedt machen in der Krise Geld locker.

Göttingen – Die Stadt Göttingen muss tief in die Tasche greifen, um die Corona-Krise und vor allem den Umgang mit ihr regeln zu können.

„Ich habe mich meinem Kämmerer Christian Schmetz zusammengesetzt und wir haben alles umgedreht, geschaut, wo Geld für nun vorrangige Dinge zu mobilisieren.“ Oberbürgermeister Rolf Georg Köhler sagt das am Sonntag im HNA-Gespräch mit ernstem Gesicht.

Die Lage ist ernst. Das weiß auch der sonst grundsätzlich gern optimistische Köhler. „Keiner weiß, wie lange das geht, keiner weiß mit welchen Folgen, keiner weiß, was es am Ende kosten wird.“

Schutzmasken gekauft

Was 49 000 Schutzmasken kosten, das weiß jetzt seine Kultur- und im Moment vor allem Sozialdezernentin mit Schwerpunkt Gesundheit, Petra Broistedt. Sie freut sich über die Beschaffung des im Moment so raren, wie teuren Gutes Schutzmasken: knapp eine halbe Million Euro kosten. Eine Summe und einen Posten, den weder Kämmerer Schmetz noch Oberbürgermeister Köhler je in den Haushaltsplan einkalkuliert hätten.

Einschnitt ins Leben

Das Coronavirus hat alles verändert, auch die Zahlenwerke. Besonders aber auch das städtische Leben. Keine Gruppentreffen mehr, wenige Kontakte und wenn indirekt – Dinge und Gewohnheiten, die auch der Kulturfreundin Petra Broistedt und erst recht Rolf-Georg Köhler schwerfallen, der gerne durch seine Stadt geht, im Cafè sitzt, Menschen trifft. „Das Virus hat uns im Griff“, sagt der OB. Aber Köhler und Broistedt, zwei der momentan vielen Krisenmanager in Stadt und Kreis, in den Verwaltungen, sie klagen nicht. „Es läuft ganz gut, aber jeden Tag tauchen neue Probleme, manchmal Kleinigkeiten auf, die gelöst werden müssen“, schildert Petra Broistedt. So auch dass die Polizei in Fällen häuslicher Gewalt plötzlich die Transporte der Menschen nicht mehr übernimmt.

Krisenstabsarbeit

„Sieben Treffen der Krisenstäbe gibt es in der Woche, sieben – jeden Tag“, sagt Köhler. „Viele machen einen guten Job, besonders Petra.“

Die so gelobte Broistedt wiederum lobt denn auch die Zusammenarbeit der Krisenstäbe von Stadt und Landkreis – obwohl es da durchaus auch mal hakt. Aber: Ein öffentlich ausgetragener Streit hilft aber in dieser Zeit, in diesen Tagen auf keinen Fall.

„Aber jetzt sieht man, was funktioniert, was nicht und man spürt, wer gut und wer nicht so gut ist“, sagt Köhler. Soll heißen: Wer im Stillen enorm wertvoll arbeitet und wer unbedingt wahrgenommen werden will, auch wenn das nicht nötig ist. Das sei auf allen Ebenen zu bemerken, ob im Kreis, Land oder im Bund. Auch dort zeige sich nun, wer und was in so einer Riesenkrise funktioniere oder nicht.

Alle müssen lernen

„Wir werden alle, und wir müssen alle daraus lernen.“ Auch, so Köhler, dass wir in Deutschland die Abhängigkeit von anderen Ländern und Märkten wie China abbauen. „In Göttingen gibt es noch ein produzierendes Pharmaunternehmen, NextPharma. Es müsste wieder mehr davon in Deutschland geben.“

Geste aus China

Riesig gefreut hat sich Göttingens Stadtoberhaupt über eine Geste aus der chinesischen Partnerstadt Qixia. „Sie haben gesagt: Teilt uns mit, was ihr benötigt, wir schicken, was wir können“, berichtet Köhler. Ob etwas ankomme oder nicht, das sei letztlich nicht so wichtig. „Die Geste ist es, die zählt und die wertvoll ist.“ Gesten sieht und spürt Köhler in seiner Stadt, in der er seit weit mehr als 50 Jahren lebt, momentan zuhauf. „Solidarität sei gefragt und es gibt sie häufig“, das macht dem Optimisten Köhler Hoffnung, aber auch Petra Broistedt, die daraus viel Kraft in anstrengenden Zeiten zieht, wie sie sagt. „Es passieren sehr viele schöne Dinge.“

Und dies in einer Zeit, in der die Negativmeldungen über steigenden Infektionszahlen und Todeszahlen – bei denen Göttingen nach Einschätzung von Köhler und Broistedt relativ gut dasteht – noch.

Beide, und nicht nur sie, werden aus der Corona-Krise trotz vie Lebenserfahrung viel lernen und ziehen.

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