Fragen nach neuer Koalition im Rat

Oberbürgermeister-Stichwahl in Göttingen: Broistedt trotzt dem Fragel-Angriff

Die Sieger der SPD Göttingen: Dr. Andreas Philippi (Bundestag), Petra Broistedt (Oberbürgermeisterin), Marcel Riethig (Landrat).
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Die großen Sieger der SPD: von links freuen sich am Wahlabend Dr. Andreas Philippi (Bundestag), Petra Broistedt (Oberbürgermeisterin) und Marcel Riethig (Landrat). 

Eine wichtige Frage für viele Göttinger war am Wahlsonntag bereits geklärt: Ja, die Uni-Stadt wird erstmals in ihrer Geschichte eine Oberbürgermeisterin bekommen, eine Frau an der Spitze der Verwaltung.

Göttingen – Überglücklich sagte die, die es sein wird, Petra Broistedt (SPD) gleich nach Ergebnisbekanntgabe: „Nach 1000 Jahren Stadtgeschichte eine Frau an der Spitze – und das bin ich!“

Ihr gehe es blendend, „ich habe es geschafft“.

Im harten, aber fairen Wettstreit um den Posten hat sich dann die Sozialdemokratin und Dezernentin Petra Broistedt gegen die Geschäftsführerin der Energieagentur Doreen Fragel (parteilos für Grüne) durchgesetzt. Knapp 3100, bei 52183 gültigen Stimmen, gaben den Ausschlag. Viele Anhänger der Grünen und Fragel selbst hatten sich einen knapperen Ausgang erhofft, waren nach beeindruckenden Auftritten Fragels bei öffentlichen Veranstaltungen und dem gelungenen Wahlkampf-Finale mit Robert Habeck mit Sieghoffnungen in den Sonntag gegangen – zumal die ohnehin in Göttingen starken Grünen am 12. September herausragend abgeschnitten hatten.

Die Stammwählerschaft stützte Doreen Fragel auch in der Stichwahl. 47,04 Prozent sind ein herausragendes Ergebnis für sie, die zwar in der Stadt nicht ohne Bekanntheitsgrad ist, aber eine politische Newcomerin. Kein Wunder also, dass nicht nur Grüne ihr Abschneiden und ihren Auftritt als Kandidatin lobten. Auch Petra Broistedt konnte sich bis kurz vor Ende der Auszählung nicht sicher sein, ob es reichen würde.

„Ich war nicht ganz so nervös wie vor zwei Wochen. Diesmal lag ich den ganzen Abend über vorne, das tat gut“, sagte die glückliche Gewinnerin am Sonntagabend kurz nach Bekanntgabe des Endergebnisses. Schmunzelnd fügte sie hinzu: „Ermutigend war das allererste Ergebnis eine Wahlbezirks, nämlich Esebeck. Dort kam ich auf 80 Prozent.“ Scherzen, Lachen – das ging der künftigen Oberbürgermeisterin am späten Abend schon leichter ab als in den Wochen zuvor. Man habe hart gekämpft, sagte Broistedt, mit einem großen SPD-Team.

Was die Mehrheitsverhältnisse im künftigen Rat der Stadt angeht, ließ Broistedt vor versammelter Mannschaft am SPD-Haus aufhorchen: „Wir sind mit den Grünen nicht verheiratet.“ Im Gespräch mit unserer Zeitung sagte sie: „Ich will nichts vorwegnehmen. Die SPD ist aber nicht mehr die stärkste Kraft, stellt jedoch die Oberbürgermeisterin.“ Und man wolle sozialdemokratische Politik umsetzen. „Wir brauchen dafür verlässliche Partner.“ Folglich werde man mit den Fraktionen konstruktiv sprechen.“ Eine Ansage also an die Adresse der Grünen. „Es hat mich doch sehr irritiert, dass die Absprachen in Sachen Parkhäuser und Albaniplatz vor der Wahl nicht mehr galten“, so die 57-Jährige. Kündigt sich also eine neue Koalition nach gut zwei Jahrzehnten Rot-Grün-Kooperation an? Fritz Güntzler (CDU) deutete an, dass es konstruktive, inhaltlich gute Vorgespräche mit der SPD gegeben habe. Zudem ist ja auch ein Dezernat neu zu vergeben. Jenes von Broistedt, dass sie noch fünf Wochen bekleiden wird. „Vielleicht mache ich auch noch eine Woche Urlaub.“ Danach will sie vom ersten Tag an „da sein und die Themen angehen, die ich versprochen habe: gute Bildung sofort, 5000 neue Wohnungen bis 2030, sozial gerechter Klimaschutz, Arbeitplätze sowie Kultur- sowie Freizeitmöglichkeiten.“

Kein Trübsalblasen war bei den Grünen am Jungen Theater angesagt: Doreen Fragel erzielte ein starkes Ergebnis in der Stichwahl zur Oberbürgermeisterin. Für den Wahlsieg reichte es nicht ganz.

Für Marcel Riethig freute sich Broistedt sehr. Er sei der richtige Mann als Landrat. „Marcel und ich werden eine neue starke Achse zwischen Stadt und Landkreis Göttingen bilden“, kündigte sie auch dort neue Zeiten an. (Thomas Kopietz).Von Thomas Kopietz

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