Kommentar zur Oberbürgermeisterwahl in Göttingen: "Ringen um grüne Stimmen"

Göttingen. In Göttingen gibt es eine Stichwahl zwischen Rolf-Georg Köhler (SPD) und Dr. Martin Rudolph (parteilos, für CDU). Köhler hat einen klaren Vorsprung, aber einen gefährlichen Konkurrenten. Ein Kommentar von HNA-Redakteur Thomas Kopietz:

Die Göttinger dürfen noch einmal wählen. Und sie sollten es am 15. Juni auch tun. Denn es ist ein Fehler, zu denken, die Sache sei bei einem Vorsprung von mehr als 4000 Stimmen für Rolf-Georg Köhler und gegen Martin Rudolph gelaufen: Das Ding ist für Köhler noch längst nicht durch.

Denn die knapp 30 Prozent sind für Martin Rudolph ein respektables Ergebnis, auch, weil er bis zu seinem Wahlkampf in der Göttinger Politik ein weitgehend unbeschriebenes Blatt war.

Seine politische Ungebundenheit scheint ihm neben den CDU-Stimmen auch die der FDP-Anhänger beschert zu haben. Martin Rudolph ist in der zweiten, dreiwöchigen Wahlkampfphase ein absolut ernstzunehmender Gegner für Rolf-Georg Köhler, denn der IHK-Geschäftsführer hat offensichtlich Spaß am Wahlkampf gefunden und Blut geleckt.

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Seine Unbefangenheit will er nun – unterstützt von den CDU-Größen um Fritz Güntzler – nutzen, um die Stimmen der anderen, gescheiterten Kandidaten abzufischen. In den nun anlaufenden Verhandlungen mit den Grünen aber dürfte Köhler im Vorteil sein. Er hat schließlich schon mit den Grünen um Ulrich Holefleisch zusammengearbeitet.

Und dann ist da noch Siegfried Lieske. Der holte als Kandidat für die Grünen am Sonntag starke 21,71 Prozent – und damit mehr als der jetzige Umweltminister Stefan Wenzel als Kandidat der Grünen bei der vorherigen OB-Wahl. Lieske wird sich für die Grünen auch in die Verhandlungsgespräche mit Köhler und Rudolph einschalten.

Das könnte Folgen haben, denn die Stelle des Dezernenten im Rathaus ist aus den Verhandlungen von Grünen und SPD bei der letzten Wahl für die Grünen entsprungen. Die Wahlempfehlung der Grünen für den SPD-Kandidaten Köhler wäre schlussendlich logisch. Ausruhen kann sich Köhler jedenfalls auf diesen durchaus guten Voraussetzungen nicht.

Denn die SPD war es, die bei der Oberbürgermeister-Wahl 1999 für ihren klar favorisierten Kandidaten Hermann Schierwater den Sieg fahrlässig verschenkte. Die Genossen waren sich zu sicher, schalteten im Gefühl des sicheren Sieges zu früh einen Gang zurück. Jürgen Danielowski (CDU) gewann.

Damals gingen nur 27,8 Prozent zur Stichwahl an die Urnen. Verständlich deshalb, wenn Köhler zunächst einmal seine Wähler aus dem ersten Wahlgang wieder mobilisieren will. Darüberhinaus heißt es für beide Kandidaten noch einmal: Vollgas und Klinken putzen. Denn in einigen Wahlbezirken Göttingens war die Wahlbeteiligung schwach. Dort schlummert Potenzial im Verborgenen – nicht nur bei den Grünen-Wählern.

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