Alles ist in der Diskussion: Schulöffnung, Abschlussprüfungen, Impfungen

Öffnen Schulen wieder für alle?

Ein Schulkind in Österreich zeigt einen negativen Antigen-Schnelltest
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Könnte Helfen: Ein Schulkind in Österreich zeigt einen negativen Antigen-Schnelltest.

Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) möchte die Schulen für alle Schüler wieder öffnen. Eine Entscheidung hat er bis Mitte der Woche angekündigt.

Hannover/Göttingen – Doch wird es zur Öffnung kommen? Verbände und Lehrer hegen Zweifel. Sie befürchten, dass das Ping-Pong-Spiel Öffnung/Schließung weitergehen könnte, denn die Infektionszahlen steigen wieder, trotz Lockdown. In den Schulen aber will den Schülern ein weiteres Hin- und Her nicht zumuten.

Impfungen

Die Ausbreitung von Corona-Mutanten sorgt also für weitere Verunsicherung an den Schulen, bei Eltern und Kindern. Zudem sorgen sich Lehrerinnen und Lehrer sowie Erzieheringen um ihre Gesundheit. Das Gesundheitsministerium bringt nun eine neue Impf-Priorisierung ins Spiel: „Alle Öffnungsszenarien sehen völlig zurecht eine hohe Priorität für den Bildungsbereich vor. Da ist es nur folgerichtig, auch die Lehrerinnen und Lehrer sowie Erzieherinnen und Erzieher mit einer höheren Priorität als bisher zu impfen“, sagt Gesundheitsministerin Carola Reimann (SPD).

Mit anderen Ländern will sich Niedersachsen beim Bund für eine Änderung der Impfverordnung einsetzen. Auch niedergelassene Ärzte und anderes medizinisches Personal mit Patientenkontakt sollen früher an der Reihe sein, auch wenn die Betroffenen jünger als 65 Jahre sind und somit zur zweiten Priorisierungsgruppe gehören. Bei der Impfreihenfolge wurden drei große Gruppen festgelegt. Erzieher und Lehrer sind in Gruppe drei gelistet, wären wohl erst in Monaten an der Reihe. Für den Verband der Schulleiter ist das ein Unding, aufgrund des Infektionsrisikos müssten Lehrkräfte eher dran sein.

Auch seien Schulen immer noch nicht ausreichend vor dem Virus geschützt. „Wir haben immer nur Tippelschritte. Es fehlt der große Wurf“, kritisiert der Geschäftsführer des Verbandes und Schulleiter einer Gesamtschule, Rene Mounajed. „Zunächst sollte das Personal an Grund- und Förderschulen geimpft werden, dann alle anderen.“ Auch Schnelltests an Schulen werden von Verbänden zunehmend gefordert, in anderen Staaten gibt es sie flächendeckend.

Stärker in die Diskussion geraten auch die Abitur- und Abschlussprüfungen in der Sekundarstufe I. Kultusminister Tonne will sie durchziehen, ein Abi auf Basis von Durchschnittsnoten kommt für ihn (noch) nicht in Frage. Doch die kritischen Stimmen mehren sich. „Warum keine Abiturbenotung aus den Ergebnissen der vier Semester?“ Diese Suggestivfrage der Gymnasiallehrerin aus Göttingen teilt auch der Schulleiterverband, der auch freiwillige Prüfungsersatzleistungen für machbar hält.

Keine Prüfungen?

Aus gesundheitlichen Aspekten könnten die Prüfungen in Präsenz eine Gefahr für die Schüler sein, so Mounajed, der eine Absage fordert. Die Hygienekonzepte reichten nicht aus, um eine sichere Prüfung zu gewährleisten. „Es sind Massen, die ins Haus kommen müssen. Wir täten gut daran, diese Dinge zu überprüfen.“ Der Vorwurf geht an die Landesregierung: Wer die Pandemie ernst nehme, müsse auf alle nicht notwendigen Veranstaltungen verzichten. Auch konstatieren die Verbände eine anhaltend hohe Belastung der Lehrkräfte – bedingt auch durch Wechsel von Präsenz- und Online-Unterricht, Notbetreuung. Hinzu kämen ein gewachsener Organisationsaufwand und die Tatsache, dass die Schüler im Home-Unterricht häufiger nicht erreichbar sind, eine Verpflichtung zur Nutzung der Kamera gibt es nicht. Auch hätten psychologische Probleme bei Schülern und Lehrern definitiv zugenommen. Lehrer konstatieren zudem, dass sie gerade die Problemschüler häufig nicht mehr optimal fördern können. „Wir sind unzufrieden mit der Politik“, sagt Mounajed. Es müsse sich schnell etwas ändern.

Laura Pooth

Geld für Schutz

Die Bildungsgewerkschaft GEW in Person der Vorsitzenden Laura Pooth macht seit Monaten Druck, weist auf die Mängel vor Corona hin, die sich nun wie unter einem Brennglas verstärkt haben. Pooth verlangt massive Investitionen in Schutzmaßnahmen, Personal und Infrastruktur in der Bildungslandschaft von der Kita bis zur Hochschule. Die Bedrohung durch Viren sei nicht vorbei. So hatte Laura Pooth kürzlich eine Verzehnfachung der Investitionen für die Schutzausstattung gefordert. Auch sie ist unzufrieden mit der Landespolitik, die es ein Jahr lang versäumt habe, die Schulen pandemiefest zu machen. Lehrerin Pooth ist eindeutig für den Präsenzunterricht und Kinderbetreuung in Kitas – aber nur unter sicheren Bedingungen, sie sie betont. Doch wann und was ist sicher? Eine Frage, über die auch Grant Hendrik Tonne im Dauer-Grübel-Modus weilt. (Thomas Kopietz mit Ini/epd)

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