20 Minuten Zugabe

Olaf Schubert in der Stadthalle: Der Retter im Hamsterkäfig

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Wunderbarer Pullunder: Olaf Schubert und sein Markenzeichen. Der Comedian trat in der Göttinger Stadthalle auf.

Göttingen. Olaf Schubert ist eine Kunstfigur, eine, der man das aber kaum abnimmt, denn der Mann mit dem Karo-Pullunder ist authentisch, das wurde am Donnerstagabend in der gut besetzten Stadthalle deutlich.

Stefan und Jochen: Die „Nebendarsteller“ stehen erst einmal allein auf der Bühne, spielen etwas Jazz und kündigen den Hauptdarsteller unter anderem als „Retter in der Finsternis“ oder „nach dem Papst als zweiwichtigsten Mitarbeiter der Menschheit“ an. Und dann erscheint er und beginnt mit seinem typisch langgezogenen „Soooo“.

Schubert charakterisiert die Stadthalle als „Hamsterkäfig innen“, und „außen als Hallenbad von innen“. Seine Bandbreite an Themen, die er anreißt, ist unüberschaubar. Schubert lässt scheinbar nichts aus, ob Energiewende: „Wenn man die Sonne weiter so ausbeutet, ist sie alle, und uns bleibt nur noch der Mond“ oder gesunde Ernährung, die er den Zuhörern mit dem Lied „Apfel“ näherbringen möchte.

Natürlich im Angebot ist der Post- und Bahnstreik: „Sprachrohr der, die nichts zu sagen haben“. Die Bundeswehr mit ihren Pannen, Angela Merkel, die er als „hässliches Entlein früher“ und nun als „Nutz-Schwan“ bezeichnet, die NSA („NSU, ähhh NSA ähhh NS, jedes Büro ist vera(ä)ppelt“), die Steuersünder und hier lässt er sich speziell über Uli Hoeneß aus. „Die 28 Millionen Euro sind mir schnuppe! Aber worüber ich mich aufrege, ist, dass der Hoeneß 700.000 Euro an Solidaritätszuschlag unterschlagen hat.“

Zwischendurch streut Schubert Lieder wie „Ehrlichkeit“ zum Nachdenken ein, bei denen Jochen, mit dem er häufig Zwiegespräche führt, ihn auf der Gitarre und Stefan ihn mit der Bassgitarre oder auf der Trompete gekonnt begleiten.

Den zweiten Teil nach der Pause kündigt der Sachse Schubert als „Zweiten Programmabstrich“ an. Da bekommt dann auch die „Bohnenstange“ Heidi Klumm ihr Fett weg. „Das sind Formate bei den Privaten, wo sich der Augapfel freiwillig kompostiert.“

Das durchaus witzige Niveau kann Schubert aber in diesem zweiten Teil nicht mehr halten, seine Gags verflachen mehr und mehr, gleiten zeitweise ins Niveaulose ab. So fordert er gleichen Lohn bei gleicher Arbeit auch für Frauen. „Eine Frau soll so viel verdienen – wie eine Frau“ oder „Wenn man den Garten düngen will, genügt es nicht, durch den Zaun zu furzen“. Auch lässt er sich über „Erektionsstörungen“ aus, bezieht dabei Jochen ein. Wenig witzig.

Das durchweg amüsierte Publikum fordert gleichwohl eine Zugabe. Schubert lässt sich nicht lumpen, packt immerhin noch 20 Minuten drauf.

Von Walter Gleitze

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