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Menschenrechtler üben harte Kritik an Olympia: „Ein Spielball chinesischer Interessen“

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Von: Thomas Kopietz

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Ein Bild der Abschlussfeier der Olympischen Spiele in Peking, China.
Das waren sie: Die olympischen, sehr umstrittenen Winterspiele 2022. Die Olympische Flamme in einer übergroßen Schneeflocke ist erloschen. © Michael Kappler/dpa

Die Olympischen Winterspiele in Peking waren aus Sicht von Göttinger Menschenrechtlern ein „Spielball chinesischer Interessen“.

Göttingen – China habe das Internationale Olympische Komitee (IOC) „an den olympischen Ringen durch die Manege gezogen“, sagte Jasna Causevic von der Gesellschaft für bedrohte Völker am Freitag (18.02.2022) in Göttingen.

Die Kommunistische Partei Chinas (KPC) habe „den maximalen Propaganda-Profit herausschlagen“ können, während IOC-Präsident Thomas Bach sich vor den Augen der Weltöffentlichkeit völlig diskreditiert habe. Die Spiele gingen am Sonntag (20.02.2022) zu Ende.

„Das Kartell des Schweigens, unter anderem über den Völkermord an der uigurischen Bevölkerung und die Unterdrückung in Tibet, hat zusammengehalten“, kritisierte Causevic. IOC, KPC und Sponsoren hätten gemeinsam dafür gesorgt, dass die Befürchtungen zahlreicher Menschenrechtsorganisationen wahr geworden seien.

Einigen kritischen Medienberichten zum Trotz sei das Trugbild einer harmlosen Veranstaltung in einer harmlosen Diktatur aufrechterhalten worden.

Das Schweigekartell müsse nun aufgebrochen werden, verlangte Hanno Schedler, Referent für Genozid-Prävention bei der in Göttingen ansässigen Menschenrechtsorganisation.

Die Olympischen Spiele müssten sich in einer veränderten politischen Welt neu erfinden – auch gegen den Widerstand des IOC. „Eine neue olympische Bewegung muss den Athleten mehr Mitspracherecht und mehr Freiraum für politische Meinungsäußerungen lassen. Menschenrechtsverletzungen sollten Sportfunktionäre und Politiker deutlich ansprechen, nicht nur hinter verschlossenen Türen“, so Schedler.

Mittlerweile haben auch Sportler Kritik sowie Medienschaffende Kritik geübt, es gibt Kommentare in Tageszeitungen und den berichterstattenden Fernsehsendern, besonders den öffentlich-rechtlichen Sendern.

In einem Interview mit unserer Zeitung wurde der Uigure und mittlerweile deutsche Staatsbürger Tahir Qahiri, der an der Universität Göttingen forscht, deutlich: Er sprach von einer „Kultur der Angst“ in China. Er sagte auch, dass das IOC China eine große Bühne vor der restlichen Welt biete.

Zur Rolle des deutschen IOC-Präsidenten Thomas Bach sagte Qahiri: „Er erscheint wie ein Untergebener von XI, wenn er sich zur Begrüßung verbeugt.“ Qahiri konstatiert aber auch: „In stetig mehr Ländern wird Kritik an China geäußert.“

Und: Die Sportler müssten nicht unbedingt reden. Einfallsreichtum sei gefordert, wie ihn ein türkischer Skispringer zeigte, der seine Ski mit einem Aufkleber der uigurischen Fahne in die Kameras hielt.

Dennoch, so Qahiri habe China sein Ziel erreicht, mit diesen olympischen Spielen Macht und Stärke zu zeigen. (Thomas Kopietz mit epd)

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