Theater machen mobil

Online-Petition: Kampf gegen Kulturwüste in Niedersachsen

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Mehr Unterstützung vom Land Niedersachsen? Mitarbeiter des Deutschen Theaters in Göttingen beteiligen sich an einer Online-Petition.

Theatereinrichtungen in Niedersachsen wollen mehr Geld vom Land. Derzeit läuft eine Online-Petition  „Rette dein Theater – keine Kulturwüste in Niedersachsen“.

Hannover. Die Worte des zuständigen Wissenschaftsministers klingen erhaben. Theater und Museen seien ein wichtiger „Standortfaktor“, betont Niedersachsens Ressortchef Björn Thümler (CDU): „Kleine Kultureinrichtungen tragen durch ihr vielfältiges Angebot insbesondere im ländlichen Raum entscheidend zur Attraktivität ihrer jeweiligen Region bei.“ 

Am nächsten Montag startet der Minister in Lingen eine Reihe von Regionalkonferenzen unter dem Motto „Landkult(o)ur – Wandel begleiten“. Die Probleme der Zukunft – Digitalisierung und Demographe – stehen dort auf dem Programm.

Doch Thümler hat in Sachen Kultur erst einmal mit einem eigenen, ganz handfesten Problem zu kämpfen: Die kommunalen Bühnen fordern mehr Geld. In der Online-Petition „Rette dein Theater – keine Kulturwüste in Niedersachsen“ erinnern Schauspieler und Regisseure vom Deutschen Theater Göttingen gemeinsam mit den Kollegen in Lüneburg, Osnabrück, Celle, Hildesheim und Wilhelmshaven den Kulturminister an die tollen Verheißungen im Koalitionsvertrag von SPD und CDU. 

Der Landesverband der freien Theater hat sich ebenso angeschlossen wie das Göttinger Symphonie Orchester, der Deutsche Orchesterverband und die Schauspielschule Hannover. Längst hat die Aktion die Marke von 10.000 Unterschriften überschritten, mehr als das Doppelte des erforderlichen Quorums von 5000. 

Am 24. Oktober wollen die Initiatoren im Rahmen einer Kundgebung vor dem Landtag die Petition an die Fraktionsvorsitzenden überreichen. „Für einige Häuser geht es um die Existenz“, warnt Intendant Ralf Waldschmidt vom Theater Osnabrück. Die Göttinger Regisseurin Antje Thoms sieht vereinbarte Schulkooperationen und Spielclubs für Kinder und Jugendliche bedroht. „Dabei sind doch gerade solche Projekte sehr wichtig.“

Vor einem Jahr hatte Rot-Schwarz mehr Förderung versprochen: „Das Investitionsprogramm für kleine und mittlere Kultureinrichtungen und Museen soll erhöht werden“, heißt es unmissverständlich im Koalitionsvertrag. Einen jährlichen Mehrbedarf von neun Millionen Euro haben die betroffenen Häuser errechnet; in den bisherigen Gesprächen haben sich Ministerium und Kommunale Theater zumindest auf zusätzlich sechs Millionen Euro geeinigt.

Kein Euro im Entwurf

Aber im Haushaltsentwurf 2019 ist dafür kein einziger Euro zu finden. Ebenso wie bei den versprochenen Digitalprofessuren und höheren Zuschüssen für die Universität Vechta konnte sich Thümler trotz sprudelnder Steuereinnahmen nicht gegen seinen CDU-Parteifreund und Finanzminister Reinhold Hilbers durchsetzen.

Da sei den „finanziellen Rahmenbedingungen“ geschuldet, erklärt das Kulturressort kleinlaut.

Unterstützung für zwei Göttinger Einrichtungen vom Land

Die sechs Kommunaltheater in Niedersachsen erhalten derzeit vom Ministerium insgesamt 23,7 Millionen Euro an jährlichen Zuschüssen, davon bekommt das Deutsche Theater Göttingen 2,7 Millionen Euro.

Die Uni-Stadt steuert 3,6 Millionen Euro bei, der Landkreis 1,8 Millionen Euro. An das Göttinger Symphonie Orchester fließen aus Hannover 1,5 Millionen Euro; von der Stadt gibt es 1,5 Millionen Euro, vom Kreis knapp 700 000 Euro. Zum Vergleich: An das Staatstheater Hannover zahlt das Land pro Jahr 61,5 Millionen Euro; an das Staatstheater Braunschweig überweist es 21,4 Millionen Euro, an das Staatstheater Oldenburg 18,4 Millionen Euro an Förderung.

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