Gedenken in Göttingen

Opfer sind nicht vergessen: Vor zehn Jahren starben Sprengstoffexperten bei einer Explosion

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Schweigend gedachten (von links) Uwe Lange, Thomas Bleicher, Michel Golibrzuch , Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler, Gerd Lewin und Andreas Gruber im Foyer der Sparkassen-Arena den drei vor zehn Jahren getöteten Experten.

Vor zehn Jahren kamen drei Sprengstoffexperten in Göttingen (Niedersachsen) bei einer Explosion ums Leben. Am Montag gedachte die Stadt der Toten.

Göttingen – Zehn Jahre nach der Explosion einer Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg auf dem Göttinger Schützenplatz haben Vertreter der Stadt, des Landesamts für Geoinformation und Landesvermessung Niedersachsen (LGLN), des Kampfmittelbeseitigungsdienstes (KBD) sowie der Zentrale Polizeidirektion Niedersachsen (ZPD) und der Polizeidirektion Göttingen am Montag mit einer Kranzniederlegung der drei seinerzeit ums Leben gekommenen KBD-Mitarbeiter gedacht.

Die wegen der anhaltenden Corona-Pandemie klein gehaltene Gedenkfeier fand an dem Ort statt, wo infolge der unerwarteten Detonation des Blindgängers drei Menschen starben und sechs weitere teils schwer verletzt wurden. Am Unglücksort steht heute die Sparkassen-Arena, in der eine Gedenktafel an das schreckliche Ereignis von vor zehn Jahren erinnert.

„Das tragische Unglück von Göttingen hat sich tief in das kollektive Gedächtnis des KBD in Niedersachsen eingegraben“, betonte Michel Golibrzuch, Präsident des Landesamts für Geoinformation und Landesvermessung Niedersachsen, zu dem der Kampfmittelbeseitigungsdienst gehört. „Wir werden die verstorbenen Kollegen nicht vergessen.“

An Golibrzuchs Seite stand Thomas Bleicher, damals wie heute Leiter des KBD. „Der 1. Juni 2010 wird für uns ein stets präsenter Schicksalsschlag bleiben, der uns auch heute bei jedem Einsatz begleitet“, sagte der erfahrene Kampfmittelbeseitiger und erinnerte nochmals an die Vorkommnisse von damals.

„An diesem Tag entschärften wir bereits in Oldenburg und Tettenborn bei Bad Sachsa erfolgreich zwei Kampfmittel“, erzählte er. Für die Abendstunden seien noch Bombenentschärfungen in Hannover und Göttingen vorgesehen gewesen, an denen zwei Teams parallel arbeiteten. „Als gegen 21.30 Uhr bei den Vorbereitungsarbeiten auf dem Schützenplatz der Bombenblindgänger ohne Fremdeinwirkung detonierte, wandelte sich ein zuvor sonniger Tag binnen Sekunden zum dunkelsten Tag in der über 70-jährigen Geschichte des KBD“, zeigte sich Bleicher noch immer betroffen.

Stilles Gedenken: Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (links) und Andreas Gruber, Geschäftsführer der Göttinger Sport und Freizeit GmbH, legten im Foyer der Sparkassen-Arena einen der beiden Kränze nieder.

„Die Gedenktafel hier im Foyer der Sparkassen-Arena führt uns jeden Tag die Gefahren vor Augen, denen der KBD überall und jederzeit ausgesetzt ist“, betonte Gerd Lewin, Vizepräsident der Polizeidirektion Göttingen. „Und sie erinnert uns schmerzlich an den Tod von drei Kollegen, die angetreten sind, um Göttingen ein Stück sicherer zu machen.“ Lewin würdigte in dem Zusammenhang auch noch einmal das große Engagement aller Einsatzkräfte (darunter viele Ehrenamtliche) im Zuge des Rettungseinsatzes. „Allen, die sich damals einsetzten und es heute immer noch tun, gilt unser großer Dank und ebensolcher Respekt.“

„Als die Nachricht von der verheerenden Bombenexplosion vor zehn Jahren den Behördensitz der Zentralen Polizeidirektion in Hannover erreichte, wurde aus der bis dahin gewohnten Routine erfolgreicher Einsätze plötzlich bitterer Ernst“, erinnerte sich Polizeivizepräsident Uwe Lange zurück. „Unglaube und tiefe Bestürzung waren unsere ersten Reaktionen. Wir standen regelrecht unter Schock.“ Was danach anlief, sei eine Welle des Mitgefühls und der Fürsorge gewesen, wie es die Angehörigen der ZPD noch nie erlebt hätten. „Wenn auch der KBD als Dienststelle nicht mehr zu uns gehört: Es sind und bleiben unsere Kollegen, derer wir heute mit einem Gefühl der Verbundenheit gedenken“, so Lange.

Ohne die große Anteilnahme und Unterstützung aus ganz Niedersachsen und weit darüber hinaus hätte es seiner Meinung nach bestimmt noch viel länger gedauert, „das Unfassbare“ zu verarbeiten. „Es ist uns allen wichtig, auch daran zu erinnern“, sagte Lange. 

Pistorius: Experten kamen bei ihrer Arbeit fürs Gemeinwohl ums Leben

Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD), der nicht persönlich an der Feier teilnahm, äußerte sich in einem Schreiben: „Vor genau zehn Jahren wurden die Gefahren, die von den Hinterlassenschaften des Zweiten Weltkriegs auch noch Jahrzehnte nach dessen Ende ausgeht, leider auf erschreckende Weise Realität“, schrieb Pistorius. Drei „ausgewiesene und gleichermaßen besonnene Experten“ des KBD seien bei ihrer wertvollen Arbeit für das Gemeinwohl ums Leben gekommen, sechs weitere wurden verletzt. „Meine und unsere Gedanken sind heute bei den Opfern dieses tragischen Unglücks von Göttingen und bei deren Angehörigen“, betont Pistorius in seinem Schreiben weiter. „Die heutige Erinnerung an ihren Tod macht uns allen klar, dass Kampfmittel nach wie vor eine große Bedrohung darstellen.“ Der KBD setze sich weiterhin tagtäglich unter hohem persönlichen Einsatz für die Entschärfung und Beseitigung ein. Pistorius: „Dafür danke ich den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sehr herzlich."

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