Forschungen im Süden Siziliens: Opferfeiern mit Trinkgelagen

Geomagnetik: Mit spezieller Technik suchen die Forscher systematisch nach verdeckten antiken Strukturen unter der Erdoberfläche. Foto: Uni Göttingen/nh

Göttingen. Archäologen, Historiker und Geografen der Universität Göttingen erforschen im Süden Siziliens das Umland der historischen Stadt Kamarina. Gegründet wurde die Stadt im Jahr 599 vor Christus von Griechen aus Syrakus.

Im fünften Jahrhundert vor Christus wurde das fruchtbare Umland in rechtwinklige, vier Hektar große Parzellen aufgeteilt und den Bewohnern der Stadt zur Nutzung zugeteilt. Allerdings hatte diese Landverteilung nur wenige Generationen Bestand. Denn schon im 3. Jahrhundert vor Christus entstanden hier in römischer Zeit kleine ländliche Produktionszentren.

Bauernhöfe und Heiligtümer

Neben den Bauernhöfen stießen die Wissenschaftler auch auf antike Begräbnisstätten und vor allem Heiligtümer. „Wir haben große Mengen von schwarzgefirnisster Feinkeramik gefunden, gleichzeitig aber nur relativ wenige Dachziegeln“, sagt der Göttinger Archäologe und Projektleiter Prof. Dr. Johannes Bergemann. „Dies deutet darauf hin, dass es Opferfeiern mit Trinkgelagen gegeben haben muss, für die viel Geschirr notwendig war. Gleichzeitig existierte dafür aber nur ein kleiner Sakralbau. An einer Stelle haben wir vielleicht das Fragment einer Kultstatue entdeckt.“

An der Erdoberfläche sammelten die Forscher historische Artefakte und vermaßen sichtbare Mauern. Um die Veränderung der historischen Landschaft zu untersuchen, nutzten sie Satellitenaufnahmen. Mit spezieller Technik können die Wissenschaftler sogar unter der Erde suchen. Mit Messungen der elektrischen Spannung an der Erdoberfläche ist es möglich, verdeckte antike Strukturen zu kartieren – ohne darüber liegende jüngere Funde zu zerstören. Zu eigenen Überraschung stießen die Göttinger Forscher in Kamarina dabei auf zahlreiche Funde korinthischer Keramik des 6. Jahrhunderts vor Christus, also aus der ersten Phase nach Gründung der Stadt. Außerdem fanden sie Reste aus der vorgriechischen prähistorischen Zeit und identifizierten spätere römische Siedlungsplätze.

„Mit der Kombination unserer Methoden können wir die Geschichte des Umlandes von Kamarina über mehrere Jahrtausende nachzeichnen“, erläutert Bergemann. „Die griechische Präsenz scheint sich auf das kleinteilig gegliederte Umland der Stadt konzentriert zu haben, während in der römischen Zeit die großen Flächen des Hinterlandes systematisch für die Landwirtschaft erschlossen wurden.“

Die Region in Südsizilien erforschen die Wissenschaftler des Archäologischen Instituts (Prof. Bergemann), des Instituts für Ur- und Frühgeschichte (Dr. Jens Schneeweiss) und des Geographischen Instituts (Dr. Stefan Erasmi) bereits seit 2012. Die Arbeit wird im Jahr 2015 fortgeführt. (zsh/nh)

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.