Göttingen: Oppenheimer soll nicht mehr geehrt werden

Gedenken: Vor 75 Jahren wurden die Atombomben über Japan abgeworfen

Blick auf den Atompilz über der japanischen Stadt Nagasaki am 9. August 1945.
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Blick auf den Atompilz über der japanischen Stadt Nagasaki am 9. August 1945.

Vor 75 Jahren zwang die USA Japan zur bedingungslosen Kapitulation. Göttingen mit dem Hiroshimaplatz gedenkt den Atombombenabwürfen von Hiroshima (6. August 1945) und Nagasaki (9. August 1945).

Göttingen – Neben Gedenkveranstaltungen in dieser Woche gibt es in Göttingen nun auch Kritik an einer Ehrung der Stadt für Robert Oppenheimer, dem „Vater der Atombombe“.

Göttingen: Drastische Wirkung

Die Stadt Göttingen soll nach Ansicht der Anti-Atom-Initiative AAI eine Ehrung für den Physiker und Atomforscher zurücknehmen. In einem Schreiben anlässlich des 75. Jahrestages des Atombombenabwurfs über Hiroshima an die Stadtratsfraktionen heißt es, Oppenheimer habe „die Bomben im Auftrag des US-amerikanischen Kriegsministeriums mit anderen Atomwissenschaftlern entwickelt.“ Er sei maßgeblich dafür verantwortlich, dass die Bomben über dicht besiedelten Städten abgeworfen wurden. „Er wollte eine möglichst drastische Wirkung erzielen – wollte das Ergebnis seiner Forschung erleben.“

Trotz des Todes zahlreicher Menschen und der langen Leiden Überlebender habe er die Abwürfe Zeit seines Lebens verteidigt, so die AAI. Vielen anderen Quellen zufolge wurde Oppenheimer nach dem Abwurf der ersten Bomben auf Japan zu einem Gegner von Nuklearwaffen. Die Stadtverwaltung hatte 2018 eine Tafel an Oppenheimers früherem Wohnhaus in Göttingen anbringen lassen.

Studium in Göttingen

Julius Robert Oppenheimer (1904-1967) wurde in New York als Sohn deutsch-jüdischer Eltern geboren. Nach einem Studium in den USA kam er 1926 nach Göttingen, wo er ein Jahr später bei Nobelpreisträger Max Born promovierte. Er wohnte nur wenige Meter vom heutigen Hiroshima-Platz entfernt, der an die Schrecken des Atomkrieges erinnert. 1942 übernahm der Physiker die wissenschaftliche Leitung des „Manhattan-Projektes“, in dem die Tätigkeiten der USA zum Bau einer Atombombe zusammengeführt wurden.

„Wir bitten die Vertreter der Stadt, die Ehrung dieses skrupellosen Wissenschaftlers zu überdenken, die Ehrentafel zu entfernen oder mit einer Zusatztafel zu versehen“, heißt es im Schreiben der Anti-Atom-Initiative. Auf der Zusatztafel solle über Oppenheimers Rolle beim Abwurf der todbringenden Bomben informiert werden.

Göttingen: Zwei Gedenken am 6.8.

Am Donnerstag, 6. August, erinnert Greenpeace Göttingen um 1.15 Uhr – der Zeitpunkt der Explosion der Atombombe über Hiroshima (8.15 Uhr Ortszeit) – an die Opfer. Auf dem Hiroshimaplatz werden etwa 100 Kerzen in Form eines Peace-Zeichens entzündet. Verbunden ist das Gedenken mit der Forderung nach einer atomwaffenfreien Welt. „Solche Gräueltaten wie in Hiroshima und Nagasaki dürfen nie wieder geschehen”, sagt Dr. Ulrike Hartig-Köhler von Greenpeace Göttingen. „Deutschland kann jetzt einen glaubwürdigen Beitrag für eine atomwaffenfreie Welt leisten, indem die Bundesregierung den Atomwaffenverbotsvertrag unterzeichnet.“

Zudem wird am Donnerstag Göttingens Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler um 13 Uhr am Fukushima-Gedenkstein vor dem Neuen Rathaus auf dem Hiroshima-Platz ein Blumengesteck niederlegen. 2019 hatte der OB den Städte-Appell des mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichneten Bündnisses ICAN zum Verbot von Atomwaffen unterzeichnet. Göttingen ist zudem Mitglied im Bündnis der Mayors for Peace, der Bürgermeister für den Frieden. Das Bündnis setzt sich für ein Leben frei von Atomwaffen ein.

Göttingen: Gedenken am 8.8.

Das Göttinger Friedensforum hat eine Gedenkveranstaltung vor dem Alten Rathaus am Samstag, 8. August, organisiert. Unter dem Titel „Hiroshima und Nagasaki mahnen. Was heißt das für uns heute?“ sind zwischen 12 und 14 Uhr fünf Redebeiträge zu hören. Es treten auf: Moderatorin Anne Schreiner vom Göttinger Friedensforum, Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler, Tobias Pflüger (MdB) von der Informationsstelle Militarismus, die Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs und Annette Ramaswamy für die Anti-Atom-Initiative Göttingen (AAI).  (Andreas Arens mit epd)

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