Bislang wurden an die hundert Zeugen gehört

Organspende-Prozess in Göttingen: Urteil soll im Mai kommen

Der Eingang zum Göttinger Landgericht: Hier soll Anfang Mai das Urteil verkündet werden. Foto: Schlegel

Göttingen. Voraussichtlich am 5. Mai soll am Göttinger Landgericht das Urteil im Strafprozess um den sogenannten Transplantationsskandal verkündet werden. Das wurde jetzt bekannt.

Seit 20 Monaten muss sich der frühere Leiter der Transplantationschirurgie am Göttinger Universitätsklinikum vor dem Landgericht Göttingen verantworten. Jetzt neigt sich der Prozess dem Ende zu: Voraussichtlich am 29. April will das Gericht die Beweisaufnahme schließen.

Anschließend würden dann die Staatsanwaltschaft und die Nebenklage ihre Plädoyers halten. Das hat der Vorsitzende Richter Ralf Günther am Montag angekündigt. Sollte es bei dem Zeitplan bleiben, würden zwei Tage später die Plädoyers der Verteidigung folgen. Das Urteil soll schließlich am ersten Dienstag im Mai folgen.

Dem Göttinger Verfahren kommt eine Pilotfunktion zu. Erstmals musste sich ein Mediziner, der mutmaßlich in den Transplantationsskandal verwickelt ist, strafrechtlich verantworten. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig hat den 47-jährigen Chirurgen wegen versuchten Totschlages in elf Fällen und vorsätzlicher Körperverletzung mit Todesfolge in drei Fällen angeklagt. Sie wirft ihm vor, durch die Manipulation von Daten Patienten zu einer Spenderleber verholfen zu haben, die nach den Vergaberegeln von Eurotransplant keinen Anspruch auf ein Organ gehabt hätten. Außerdem soll er drei Patienten eine Leber eingepflanzt haben, obwohl eine Transplantation medizinisch nicht angezeigt gewesen sei. Die Patienten waren später an Komplikationen verstorben.

Seit Prozessbeginn im August 2013 hat das Gericht ein Mammutprogramm absolviert und an die hundert Zeugen sowie zahlreiche Sachverständige gehört.

Zuletzt hatte die Kammer noch über mehrere Beweisanträge zu entscheiden. Unter anderem hatte die Staatsanwaltschaft beantragt, zu zwei angeklagten Fällen ein weiteres Sachverständigen-Gutachten einzuholen. Sie begründete dies damit, dass bei der Begutachtung dieser Fälle die bislang befragten drei Sachverständigen zu unterschiedlichen Ergebnissen gekommen seien. Das Gericht sei nicht sachkundig genug, um allein auf dieser Basis der sich im Kernbereich widersprechenden sachverständigen Gutachten die Fälle bewerten zu können. Zudem habe die Kammer ihre Aufklärungsmöglichkeiten nicht ausgeschöpft.

Das Gericht lehnte sowohl die Anträge der Staatsanwaltschaft als auch einen Antrag der Verteidigung ab. Sollten die Verfahrensbeteiligten keine weiteren Anregungen und Anträge mehr vorbringen, wäre aus Sicht der Kammer damit die Beweisaufnahme abgeschlossen. (pid)

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