Staatsanwältin attackiert

Organspende-Skandal: Verteidiger fordern Freispruch

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Verteidiger Ulf Haumann, Verteidiger Dr. Jürgen Hoppe, Angeklagter Fr. Aiman O. und Verteidiger Prof. Dr. Steffen Stern (von links ).

Göttingen. Die drei Verteitiger des im Transplantationsskandal angeklagten 47-jährigen Chirurgen Dr. Aiman O. haben am Mittwoch vor dem Landgericht auf Freispruch plädiert.

Strafrechtler Prof. Dr. Steffen Stern rechnete auch mit dem Plädoyer der Oberstaatsanwältin Hildegard Wolff ab und forderte am Ende seiner Rede eine Entschädigung für den angeklagtne Mediziner. Die mit dem Verfahren beauftragte Staatsanwaltschaft Braunschweig hatte in ihrem Plädoyer durch Wolff eine Freiheitsstrafe von acht Jahren und ein Berufsverbot für den Arzt beantragt.

Aktualisiert um 16.25 Uhr

Der ehemalige Oberarzt der Uni-Klinik ist ihrer Meinung nach schuldig. Er habe durch Manipulationen von Daten und resultierenden Verschiebungen auf der Eurotransplant-Warteliste wissentlich den Tod von wartenden, anonymen Patienten in Kauf genommen sowie durch nicht notwendige Lebertransplantationen bei drei Menschen eine vorsätzliche Körperverletzung mit Todesfolge zu verantworten. Verteidiger Stern bezeichnete die Forderung der Staatsanwaltschaft als unberechtigt in allen 14 Fällen.

Er warf Wolff vor, unwahre Argumente genannt, Spielregeln verletzt, ein Tribunal abgehalten und eine öffentliche Brandrede gehalten zu haben. Wolff habe einen persönlichen Angriff gegen seinen Mandanten gefahren, anstatt „Unschuldige vor Bloßstellungen zu schützen“. Zudem habe sie Alkoholkranke diskriminiert. Die von der Bundesärztekammer in ihrer Richtlinie zur Organtransplantation geforderte sechsmonatige Alkohol-Abstinenz vor einer Lebertransplantation ist für die Verteidigung grundsätzlich nicht akzeptabel – aus ethischen Gründen. Alkoholismus sei eine Krankheit, die Betroffenen seien nicht weniger wert als andere Menschen. Ähnlich hatte Steffen Stern zum Prozessauftakt im August 2013 argumentiert.

Die Verteidigung betonte, dass das Strafrecht im Falle der Manipulationsfälle nicht greife. Das Regelwerk, die Richtlinie zur Organtransplantation, aber sei ein Fake, ein Hütchenspiel. Es gewährleiste keine Verteilungsgerechtigkeit bei Organen. Stern forderte eine gesetzlich legitimierte Regelung. Juristen und Patientenvereinigungen seien längst dafür. Verteidiger Dr. Jürgen Hoppe widersprach allen Vorwürfen bezüglich der Körperverletzungen mit Todesfolge. Die Lebertransplantationen bei den drei später verstorbenen Patienten seien gerechtfertigt gewesen, alle seien vorher auch über mögliche Folgen informiert worden, und es habe keine Behandlungsfehler gegeben, auch nicht bei dem Patienten T., deren Angehörige als Nebenkläger auftreten. Ihnen gegenüber sprach der Angeklagte sein Bedauern über den späteren Tod aus. In dem Fall habe er nicht mehr helfen dürfen. Er schloss mit den Worten: „Ich bin unschuldig.“

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