Bürgerinitiative gegen Industriegebiet

Ortsrat lehnt Dragoneranger-Pläne ab: Teilerfolg für die Bürgerinitiative

Will ihrem Kind keinen „keinen Haufen Beton“ hinterlassen: Demonstrationsteilnehmerin Astrid Gieske.
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Will ihrem Kind keinen „keinen Haufen Beton“ hinterlassen: Demonstrationsteilnehmerin Astrid Gieske.

Der Ortsrat Weende hat sich einstimmig gegen die Auslegung eines Bebauungsplans ausgesprochen, der parallel zur Bundesstraße 3 ein 14,7 Hektar großes Industriegebiet vorsieht.

Göttingen – Der Beschluss bindet allerdings den Rat der Stadt nicht. „Acker statt Beton“ stand auf Plakaten. Und: „Erhaltet die Weender Leineaue“. Rund 250 Bürger, darunter zahlreiche Kinder mit Laternen, demonstrierten vor der Weender Festhalle. Dort tagte kurz darauf der Ortsrat.

„Wollen wir unseren Kindern einen Haufen Beton hinterlassen?“, fragte Teilnehmerin Astrid Gieske bei der Demo. Anstatt „Umweltschulden“ anzuhäufen, solle die Politik lieber helfen, „die Welt zu retten“, so die Neurowissenschaftlerin. „Mit der Ausweisung des Industriegebiets torpediert die Stadt ihre eigenen Klimaziele“, ergänzte BI-Sprecher Timo Weishaupt.

Viele junge Familien fürchten eine Entwertung des Naherholungsgebiets Leineaue, das sich von Weende aus fußläufig erreichen lässt. Die Verwaltungsvorlage sieht am Dragoneranger bis zu 15 Meter hohe Logistikhallen vor. Für Empörung bei Bürgern sorgt die geplante Verlagerung eines 38 Meter hohen Betonwerks aus Grone, das Erweiterungsbauten des benachbarten Laborzulieferers Sartorius weichen soll.

Das Betonwerk wäre nur 300 Meter Luftlinie von einem neuen Wohngebiet entfernt, das auf dem ehemaligen Huhtamaki-Gelände entsteht. Die Anwohner dort fürchten Lärm und Feinstaub. Ortsratsmitglied Hans Otto Arnold (CDU) regte als Kompromiss an, das Betonwerk nicht – wie von der Verwaltung vorgesehen – im nördlichen, sondern im südlichen Bereich des Dragonerangers zu bauen.

Sorgen bereiten den Bürgern die 1100 Fahrzeuge, die nach Berechnungen der Verwaltung künftig täglich das Industriegebiet ansteuern. Die Stadt hält den zusätzlichen Verkehr für verträglich, da sie das Industriegebiet über einen Kreisel direkt an den Autobahnzubringer, die Bundesstraße 27, anbinden will. Diese Straße führt allerdings durch Weende. „Sie ist bereits heute die lauteste Ecke der Stadt“, erklärte BI-Sprecher Weishaupt.

Weitere Kritikpunkte: Hochwertiges Ackerland geht verloren. Die Versorgung der Innenstadt mit kalter Luft aus der Leineaue verschlechtert sich. Es verbleibt ein 300 Meter breiter Luftstrom-Korridor, argumentiert die Verwaltung. Die Fläche selbst würde aber künftig keine Kaltluft mehr erzeugen, gab eine Bürgerin während der Ortsratssitzung zu bedenken.

Demo-Teilnehmer Dirk Claas Ulrich (Grüne) beklagte sich über die mangelnde Beteiligung der Bürger. Er forderte eine Bürgerbefragung. Ähnlich wie die von der Verwaltung geplante Schließung des Weender Freibads lasse sich auch das Industriegebiet Dragoneranger stoppen.

Die Bürgerinitiative will am Donnerstag, 19. November, um 15.30 Uhr am Neuen Rathaus, Hiroshimaplatz, vor Beginn der Bauausschusssitzung demonstrieren. (Von Michael Caspar)

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