Ostern in den Kirchen

Die Ostermesse aus der Wundertüte

+
Ein Mann sitzt einsam im Hildesheimer Dom. Das Osterfest wird aufgrund der Corona-Pandemie in diesem Jahr deutlich anders aussehen als sonst – nicht nur in den Kirchen. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Was passiert in diesen kuriosen Oster-Zeiten? Wir haben uns umgeschaut und Außergewöhnliches entdeckt

Göttingen/Hannover –Kein langer Osterspaziergang mit Verwandten und Bekannten, keine Ostereier-Suche mit Kindern und Enkeln und kein Kurzurlaub am Wasser – das Osterfest 2020 hat für fast alle Menschen etwas Ungewohntes. Welche Besonderheiten bietet das Osterwochenende in Niedersachsen? Wir haben uns umgeschaut und sind auch auf ungewöhnliche Ideen gestoßen – etwa Tüten an einer Wäscheleine anstelle einer Ostermesse.

Ausflug in den Harz

Niedersachsen ist ein Touristenland. Nicht nur das Meer, auch der Harz lockt Urlauber vor allem für Kurztrips an. In den niedersächsischen Gebieten des Harzes sind Tagesausflüge unter strenger Beachtung der Kontaktauflagen – etwa der Zwei-Personen-Regel – grundsätzlich erlaubt. In Sachsen-Anhalt sind touristische Reisen und Ausflüge in das und in dem Bundesland jedoch untersagt – auch für Tagesausflügler aus Niedersachsen. „Das ist für uns eine eigenartige Situation“, sagt Carola Schmidt, Geschäftsführerin des Harzer Tourismusverbandes..

An der Nordseeküste

Die ostfriesischen Inseln haben seit einigen Wochen für Urlauber „dichtgemacht“. Der Zugang für Touristen über Wasser wie aus der Luft ist untersagt. Im Landkreis Aurich überprüft das Ordnungsamt, ob das auch eingehalten wird. Ebenso wie im Kreis Aurich ist im benachbarten Kreis Wittmund das Parken für Wohnmobile auf öffentlichen Flächen zwischen dem 9. und 14. April verboten – auch auf dem Festland. Auch hier kontrollieren Polizei und Ordnungsämter.

Osterfeuer

Generell sind die Osterfeuer in Niedersachsen abgesagt, sie dürfen aber zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden. Das wiederum sehen Naturschützer kritisch. Der Nabu Niedersachsen weist darauf hin, dass die Gefahr für Tiere wie Vögel oder Igel, die bis zum Sommer mit der Brut und Aufzucht ihres Nachwuchses beschäftigt sind, nur aufgeschoben sei. Auch der beliebte Osterräderlauf im benachbarten Lügde (NRW), bei dem mit Stroh präparierte brennende Holzräder ins Tal rollen, fällt aus. An einzelnen Orten werden aufgeschichtete Holzhaufen ohne Zuschauer und am Tage abgebrannt.

Besuchermagnet

Pfarrer Jörg Mosig hat früher am Ostersonntag das Zwerchfell seiner Gläubigen in Bremen strapaziert: Der Theologe erzählte einen Witz nach dem anderen – auf dem festen Fundament eines alten Kirchenbrauchs, nämlich des Osterlachens. In seiner neuen Gemeinde in Heiligendorf bei Wolfsburg muss das gemeinsame Lachen ausfallen. Dafür hat der 51-Jährige den „Gottesdienst aus der Wundertüte“ entwickelt. Zu Ostern hängt Mosig „Wundertüten“ an einer Wäscheleine an der Kirche auf. Jeder Beutel enthält Predigttexte, eine Osterkerze, Schokolade und Witze. Die kleinen Kerzen können die Menschen an einer draußen aufgestellten Osterkerze anzünden. „Wir lassen uns von der Krise nicht unterkriegen“, betont Mosig. Er rechnet damit, 300 bis 400 Tüten für die Ostermesse füllen zu müssen. Bei einem ersten Versuch am vergangenen Sonntag waren es rund 250 – der Gottesdienstbesuch sei noch nie so gut gewesen.

Ostermessen

Zum persönlichen Gebet und zum Verweilen sind viele Kirchen geöffnet, für öffentliche Gottesdienste allerdings geschlossen. Die Alternative: das Internet. „Wir werden Ostern feiern. Anders als sonst, aber miteinander verbunden als Gemeinschaft, die Auferstehung feiert“, sagte der evangelische Landesbischof von Hannover, Ralf Meister. Er feiert Online-Gottesdienst am Ostersonntag. Auch die katholischen Bischöfe Heiner Wilmer (Hildesheim), Franz-Josef Bode (Osnabrück) und Wilfried Theising (Vechta) lassen die Ostergottesdienste streamen. Der Gottesdienst aus Hildesheim mit Bischof Wilmer am Ostersonntag wird im Radio auf NDR Info und NDR 1 Niedersachsen übertragen.

Bischof hadert

Angesichts existenzieller Bedrohungen vieler Menschen durch die Corona-Pandemie hadert der hannoversche Landesbischof Ralf Meister: „Es sind Tage, an denen ich manchmal den Glauben an Gott verlieren könnte“, sagte der Theologe in einem Online--Gottesdienst am Karfreitag aus der leeren Marktkirche. Angesichts des Elends in Deutschland, in der Welt wolle er seine Klage, seinen Schmerz und seine Wut herausrufen: „Gott, wo bist du?“

Die Pandemie verändere das Denken, führte Meister aus. „Wir konzentrieren uns auf das, was uns wichtig ist. Und merken schnell, das ist nicht Toilettenpapier, das ist nicht unser Ansehen in der Gesellschaft oder bei Freunden, das ist nicht, was ich besitze.“  (tko/ana mit dpa/epd)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.