Otte-Kinast auf Sommertour im Landkreis Göttingen

Für die Ministerin ging es um die Wurst

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Handwerkliches Geschick: Landwirtschaftsministerin Barabara Otte-Kinast beim Wurstpressen in Duderstadt.

Politiker sind auf Sommerreise: Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast tourte durch den Landkreis und schaute auch bei der Wurstherstellung im Eichsfeld zu.

Beim ersten Press-Versuch platzt gleich die Pelle: „Das ist gar nicht so einfach“, stöhnt Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) lächelnd. „Das passiert uns Profis auch manchmal“, tröstet Schlachtermeister Justin Borchardt aus Duderstadt den Gast aus Hannover. Der nächste Anlauf sitzt: Otte-Kinast füllt einen geklebten Schweinedarm mit rund 1,5 Kilogramm frischem Mett eines am Morgen geschlachteten Schweins und verplombt die Enden. Jetzt ist die Wurst fertig für den Trockenboden, wo sie in neun bis zwölf Monaten zur „Eichsfelder Kälberblase“ heranreifen soll.

„Das passt. Sie können sofort bei mir anfangen“, lobt der junge Schlachter die Ministerin, die vor ihrem Amtsantritt 2017 noch kräftig auf ihrem familiären Milchvieh- und Ackerbaubetrieb in Bad Münder angepackt hatte. Am Mittwoch besuchte Otte-Kinast den Familienbetrieb der Borchardts im Untereichsfeld. Und dieser ist offensichtlich so richtig nach dem Geschmack der Ressortchefin, die im Agrarland Niedersachsen den schwierigen Spagat zwischen industrieller Massenfertigung, Tierwohl, auskömmlichen Erträgen für die Bauern und Ansprüchen kritischer Verbraucher meistern möchte.

Andreas und Konstanze Borchardt haben vor 25 Jahren auf ihrem Bauernhof am Stadtrand von Duderstadt eine Verkaufsstelle für eigene und zunächst auch fremde Agrarprodukte eröffnet – einer von mittlerweile 200 Hofläden in Niedersachsen. Inzwischen legen der Landwirt und die gelernte Bürokauffrau auf die volle Kontrolle der Erzeugerkette wert, nachdem ihnen mal ein Lieferant Eier aus Nordrhein-Westfalen als regional untergejubelt hatte.

„Wir übernehmen für jedes unserer Produkte die Verantwortung“, sagt Konstanze Borchardt mit voller Inbrunst. Da passt es, dass Sohn Justin als Schlachtermeister die Wursttheke füllt und sein Bruder Jeremias Landwirt lernt.

Ihre Tiere hält die Familie seit vergangenem Sommer auf einer Anhöhe der Roten Warte – weit draußen und artgerecht: Hühner, Gänse und Enten laufen frei auf einem riesigen Feld herum. Die 320 Schweine und Ferkel tummeln sich auf Stroh in einem großzügigen Stall mit viel Auslauf und offenen Seitenwänden. Bis zu 720 Tiere würden normalerweise in so einen Bau gepackt, berichtet die Chefin. Sie aber freue sich lieber über glückliche Schweine. „Wir wollen nicht Bio werden, wir wollen ehrliche Lebensmittel herstellen.“

Die Verbraucher scheinen dies zu honorieren. Trotz teurer Preise habe man keine Absatzsatzprobleme, erzählen die Borchardts stolz. Die Ministerin, die selbst immer wieder Klasse statt Masse propagiert, hört dies nur zu gern.

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