Testosteron und andere Medikamente

Handel mit Doping-Mitteln: Pärchen weist Vorwürfe zurück

Göttingen. Eine junge Frau soll an ihrem Arbeitsplatz in einer Apotheke Anabolika im Wert von 130.000 Euro abgezweigt haben. Ihr Freund, so meint die Göttinger Staatsanwaltschaft, hat die Präparate an Bodybuilder verkauft.

Das Paar, das seit Donnerstag wegen illegaler Geschäfte mit Dopingmitteln im großen Stil in Göttingen vor Gericht steht, weist die Vorwürfe zurück. Laut Anklage hat die 25-jährige Frau als Mitarbeiterin einer Apotheke in 120 Fällen Hormon- und Wachstumspräparate bestellt, gestohlen und an ihren gleichaltrigen Freund weitergegeben. Der Mann soll die Präparate an Abnehmer in der Bodybuilder-Szene verkauft haben.

Aktualisiert um 16.07 Uhr

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Paar gewerbsmäßigen Diebstahl beziehungsweise Anstiftung dazu vor. Für den Mann komme zudem der Straftatbestand der gewerbsmäßigen Hehlerei in Betracht, sagte der Vorsitzende Richter des Schöffengerichts am Amtsgericht Göttingen. Die Angeklagten wiesen zum Prozessauftakt am Donnerstag alle Vorwürfe zurück. Der Mann räumte lediglich den Besitz von Dopingmitteln ein, die in seinem Auto sichergestellt worden waren.

Eine halbe Stunde benötigte die Staatsanwältin, um alle Anklagepunkte zu verlesen. Demnach hat die 25-Jährige im Sommer 2013 begonnen, zunächst kleinere Mengen des relativ preiswerten Hormons Testosteron für die Apotheke zu bestellen und dann zu stehlen. Später wurden die Mengen größer. Außerdem kamen extrem teure Wachstumshormone hinzu, wie sie von manchen Bodybuildern zum Muskelaufbau verwendet werden.

Von den mutmaßlichen Machenschaften seiner inzwischen entlassenen Mitarbeiterin habe er lange nichts bemerkt, sagte der Apotheker als Zeuge. Allerdings habe er sich über die wachsenden Fehlbeträge gewundert. Zunächst habe er Fehler in der Buchhaltung oder bei der Rezept-Abrechnung vermutet. Die Finanzen der Apotheke seien schließlich in eine derart „bedrohliche Schieflage“ geraten. Auf die Spur der Angeklagten kam der Apotheker erst, als eine neue Mitarbeiterin Unregelmäßigkeiten bei der Verbuchung von Hormon- und Wachstumspräparaten bemerkte.

Ein Polizist sagte als Zeuge, in den Wohnungen der Angeklagten und auf ihren Mobiltelefonen habe es „nichts Verdächtiges“ gegeben. Bei den Ermittlungen seien die Beamten aber das Backup eines Smartphones des Angeklagten gestoßen. Aus den Gesprächen könne man schließen, dass der Mann mit Anabolika handelte. Große Geldbewegungen auf seinem Konto hätten zudem nicht zum relativ geringen Einkommen des 25-Jährigen gepasst. Wie ein Bodybuilder sieht der Angeklagte selbst im übrigen nicht aus. Er wirkt zwar kräftig, hat aber – darauf wies sein Verteidiger hin - für einen 25-Jährigen einen bemerkenswert dicken Bauch. Ein Termin für die Urteilsverkündigung steht noch nicht fest.

Rubriklistenbild: © dpa

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