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Explosion der Gebühren: Parken in Göttingen könnte teuer werden

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Von: Bernd Schlegel

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Die Kosten für das Parken in Göttingen könnten künftig explodieren. Der Stadtrat soll die drastischen Anhebungen noch vor Weihnachten beschließen.

Göttingen – Wer sein Auto in Göttingen auf öffentlichen Parkflächen abstellen will, muss dafür voraussichtlich ab 1. Februar kommenden Jahres deutlich tiefer als bislang in die Tasche greifen. Noch vor Weihnachten soll der Stadtrat die zum Teil drastischen Gebührenanhebungen beschließen.

Die Planungen der Verwaltung sehen vor, die Gebühren für öffentliche Parkplätze in der Parkzone I (Innenstadt und Bahnhofsbereich) von bislang von 1,50 Euro auf künftig 2,70 Euro pro Stunde zu erhöhen – eine Anhebung um satte 80 Prozent. In der Parkzone II (innenstadtnahe Bereiche östlich und südlich der City) soll die Gebühr von derzeit 70 Cent auf künftig 1,10 Euro je Stunde ansteigen – ein Plus von 57 Prozent.

Parken in Göttingen: Es droht eine Explosion der Gebühren

Der Albaniplatz in Göttingen: Wenn es nach den Plänen der Stadtverwaltung geht, soll die Parkgebühr dort von aktuell 1,50 Euro auf künftig 2,70 Euro je Stunde steigen.
Der Albaniplatz in Göttingen: Wenn es nach den Plänen der Stadtverwaltung geht, soll die Parkgebühr dort von aktuell 1,50 Euro auf künftig 2,70 Euro je Stunde steigen. © Bernd Schlegel

Abschließend soll der Rat in seiner Sitzung am 16. Dezember über die künftigen Gebühren entscheiden. Zuvor werden sich der Mobilitätsausschuss am 29. November und der Finanzausschuss am 5. Dezember damit befassen.

Die Stadt begründet die „Gebührenanpassung“ unter anderem mit einer neuen Regelung der Europäischen Union, nach der ein Teil der städtischen Parkgebühren künftig mit 19 Prozent Umsatzsteuer belegt werden müsse.

Gebührenanpassung erfolgt nach EU-Regelung

„Zusätzlich orientieren sich die neuen Gebühren an der Höhe des Ticketpreises für eine Einzelfahrt des Nahverkehrs, die im Göttinger Stadtgebiet derzeit bei 2,40 Euro liegt, sowie an den Parkgebühren in den Parkhäusern der Stadt und an den Gebühren in anderen deutschen Städten“, heißt es aus dem Neuen Rathaus.

Für E-Autos soll das Parken in der Stadt weiterhin kostenlos bleiben; das Angebot soll bis Ende 2024 verlängert werden.

211 Euro statt 30,70 Euro jährlich: Gebühren für Anwohner-Parkausweise in Göttingen explodieren

Noch drastischer sollen nach den städtischen Plänen die Gebühren für Anwohner-Parkausweise in die Höhe schnellen. Der „Bewohnerparkausweis“ kostet aktuell 30,70 Euro pro Jahr. Ab 1. Februar kommenden Jahres will die Stadt 211 Euro jährlich für einen solchen Ausweis verlangen – eine Erhöhung um 587 Prozent.

Jeder Parkplatz kostet die Kommune Geld: Im Durchschnitt jährliche Kosten in Höhe von 211 Euro für Instandsetzung, Überwachung und Verwaltung.

Oberbürgermeisterin Petra Broistedt

„Der öffentliche Raum ist ein wertvolles Gut, von dem alle Bürgerinnen und Bürger in gleichem Maße profitieren sollten. Jeder Parkplatz kostet die Kommune Geld. In Göttingen entstehen pro Parkplatz im Durchschnitt jährliche Kosten in Höhe von 211 Euro für Instandsetzung, Überwachung und Verwaltung. Die neuen Parkgebühren sollen diese Kosten auch entsprechend abbilden“, sagt Oberbürgermeisterin Petra Broistedt (SPD).

Die Gebührenerhöhungen sollen laut Verwaltung außerdem dazu beitragen, das Parken in Göttingen „auf vorhandene private Stellflächen und in die oftmals nicht ausgelasteten Parkhäuser“ zu verlagern und somit den öffentlichen Raum zu entlasten.

Freiwerdende Flächen sollen mehr Radparkplätze möglich machen

„Unser Ziel ist es, mehr Menschen zum Umstieg auf umweltfreundliche Verkehrsmittel zu bewegen, indem sie zu Fuß gehen oder mit dem Rad oder Bus fahren. Damit schaffen wir auch mehr Platz und Aufenthaltsqualität für Verkehrsteilnehmende, die nicht mit dem Auto fahren“, sagt Dinah Epperlein, Leiterin des Referats für Nachhaltige Stadtentwicklung in Göttingen.

Unser Ziel ist es, mehr Menschen zum Umstieg auf umweltfreundliche Verkehrsmittel zu bewegen, indem sie zu Fuß gehen oder mit dem Rad oder Bus fahren.

Dinah Epperlein

Freiwerdende Flächen sollen nach ihrer Darstellung zukünftig für mehr Radparkplätze, für Flächenentsiegelungen im Rahmen der Klimaanpassung oder für neue Spielflächen genutzt werden.

Problem: Viel Verkehr in der Oststadt durch Suche nach Parkplatz

Die Verwaltung erreichen zudem Beschwerden von Anwohnern des Ostviertels über den „bestehenden Parkdruck“, den Parksuchverkehr sowie Beeinträchtigungen für die Fußgänger durch zugeparkte Gehwege und Knotenpunkte. Um die Oststadt vom parkenden Verkehr zu entlasten, soll in diesem Bereich ein neues Parkraumkonzept umgesetzt werden.

Die Pläne der Verwaltung sehen vor, weite Teile des Gebietes als sogenanntes „Mischparken“ (Bewohnerparken und Parkscheinautomaten) und „Bewohnerparken“ (ohne Parkscheinautomaten) auszuweisen. Den Planungen ging 2019/20 eine Parkraumkonzeptstudie voraus, bei der das Parkangebot und -verhalten in der Oststadt eingehend untersucht wurde. (bsc)

Auftakt für das künftige Parkraummanagement

Die geplanten Gebührenerhöhungen bilden laut Stadtverwaltung den Auftakt zum künftigen Göttinger Parkmanagement, das im Klimaplan als Sofortmaßnahme für eine nachhaltige Stadt festgelegt wurde. Dazu gehören laut Verwaltung auch die Umwidmung von Parkflächen, der Ausbau von sichereren Radparkplätzen oder die Steigerung der Attraktivität des Öffentlichen Nahverkehr im Göttinger Stadtgebiet. „Wir wissen aus Erfahrung, dass die Themen Parken und Parkgebühren in der Gesellschaft kontrovers diskutiert werden. Uns ist es wichtig, dass Göttingens Bürgerinnen und Bürger die Gründe und Rahmenbedingungen für das Göttinger Parkraummanagement und unsere Entscheidungen verstehen“, sagt Oberbürgermeisterin Petra Broistedt. Weitere Informationen gibt es hier. (bsc)

Verwandte Themen: Die Stadt Göttingen hat ein neues Parkleitsystem eingeführt. Modellversuch: Ein neuer „Rastplatz“ auf einer Göttinger Kreuzung soll Verkehr beruhigen. Großes Sicherheitsrisiko: Lkw-Fahrer parken mangels Stellflächen falsch an Raststätten.

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