Menschenknäul an Bars und in Cafés

Das passiert in Göttingens Innenstadt während Deutschland spielt

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War in der ersten Halbzeit noch optimistisch: Frank Lüttger, Betreiber der Kneipe AD in Göttingen. 

Göttingen. Mittwoch, 27. Juni, 16 Uhr. Deutschland spielt bei der Weltmeisterschaft gegen Südkorea. Für die Nationalmannschaft geht es zu diesem Zeitpunkt noch um alles. 

Millionen Fans sitzen in Deutschland vor dem Fernseher. Sie tragen Trikots, feuern das Team an, sind guter Hoffnung. Doch sind Deutschlands Städte jetzt leergefegt? Und: Wie sieht die Innenstadt Göttingens während des Spiels der DFB-Elf aus? Ein Streifzug während der ersten Halbzeit des wichtigen Spiels der deutschen Nationalmannschaft.

15.50 Uhr

In der Innenstadt geht es hektisch zu. Grüppchen aus jungen Männern und Frauen tragen Trikots, sie laufen mit schnellem Schritt über die Straßen. „Wir suchen noch einen Platz zum Schauen“, rufen sie im Vorbeigehen. Die Betreiber der Cafés und Restaurants schieben schnell ihre Fernseher nach draußen, suchen den richtigen Sender. Die Stimmen aus dem TV-Programm übertönen immer mehr die Besucher der Stadt.

16 Uhr

Anpfiff. Und etwa zeitgleich wird die Aufstellung der Göttinger sichtbar: Die Besucher der Innenstadt haben ihre Laufwege durch die Ladenstraße eingestellt und ihre Stammpositionen an den Cafés und Kneipen endgültig eingenommen. Alle zehn Meter befindet sich ein Hotspot von Fußballfans, die sich auf noch schnell organisierten Stühlen um einen kleinen Fernseher sammeln. Die markante Stimme von Bela Réthy hüllt die Göttinger ab jetzt und zunächst in kollektives Schweigen.

16.15 Uhr

„Dann aber schnell, ich habe gerade gar keine Zeit“, antwortet Frank Lüttger auf eine Interview-Anfrage. Er ist Betreiber der Kneipe AD in der Prinzenstraße, sein Lokal ist ausgebucht. „Während der WM machen wir natürlich ein Plus. Besonders, wenn Deutschland spielt“, sagt er, während er einige Biere zapft. „Es ist stressig, aber macht auch echt Spaß.“

16.30 Uhr

Es steht immer noch 0:0. Deutschland wäre aktuell im Achtelfinale, die Situation ist spannend. „Und ich kann es nicht sehen“, sagt ein Mitarbeiter einer Bäckerei. In der Filiale hängt kein Fernseher. „Arbeit geht vor“, sagt der schmale, große Mann. „Aber wir haben hier ein Radio, was ab und zu den Spielstand durchgibt.“

Andere haben mehr Glück. Nicolaus Berndt, der in einem Reisebüro arbeitet, guckt nebenbei das Spiel auf dem Computer. „Aber natürlich kommt die Arbeit nicht zu kurz“, sagt er.

16.40 Uhr

Und es gibt sie doch – die Menschen, an denen der WM-Trubel komplett vorübergeht. In der Innenstadt laufen noch einige Menschen auf und ab, sonnen sich. „Ich habe einfach kein Interesse an Fußball“, ist oft zu hören. Andere sind pragmatisch: „Ich gehe jetzt einkaufen. Dann sind die Läden schön leer“, sagt eine Frau. Wirklich leergefegt ist die Stadt also nicht.

16.45 Uhr

Abpfiff der ersten Halbzeit. Immer noch 0:0, immer noch sind alle Optionen möglich. Und das macht es so spannend. Deswegen trieb es den Autor dieser Zeilen selbst zurück vor den Fernseher.

17.55 Uhr

Abpfiff. Das war’s. Deutschland ist ausgeschieden, die ersten Fahnen werden eingerollt. Das Urteil eines Fans, der auf dem Heimweg ist: „Der Schweini hätte die Säcke, die da auf dem Platz standen, zur Ordnung gerufen.“ Er geht weiter, die Menschenmengen an den Kneipen lösen sich auf. Und der Autor hat Feierabend.

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