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Pastor muss Alfelder Gemeinde nach Holocaust-Relativierung verlassen

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Gotteslob auf einer Kirchenbank
Gotteslob auf einer Kirchenbank © dpa (Symbolfoto)

Weil er in einem unveröffentlichten Zeitungsbeitrag den Holocaust relativiert hat, muss ein evangelischer Pastor seine Gemeinde in Alfeld nahe Hildesheim verlassen.

Alfeld/Göttingen – Die vorgesetzte Superintendentin spricht von einem „unerträglichen Text“, die Hannoversche Landeskirche distanziert sich „in aller Form“. Doch eine Überraschung sind die Äußerungen von Patronatspastor Christian Diederichs (56) für Insider nicht.

Diederichs relativiere in seinem Andachtstext für die Alfelder Zeitung und die Leine-Deister-Zeitung „die Singularität des Holocausts mit dem Verweis auf etliche andere Völkermorde und die dezidierte Auflistung der Zahl der Ermordeten in anderen Ländern und unter totalitären Regimen“, sagte Alfelds Superintendentin Katharina Henking am Dienstag. Die Zeitungen hatten nach Rücksprache mit den Vorgesetzten des Pastors den Text nicht veröffentlicht, aber über den Fall am Dienstag berichtet.

Benjamin Simon-Hinkelmann, Sprecher der Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannover, sagte: „Eine Formulierung, die auch nur den Anschein erweckt, dass sie den Holocaust relativiert, ist für uns in keiner Weise tragbar.“

Das Landeskirchenamt prüft den Angaben zufolge, inwieweit der Andachtstext über den inakzeptablen Inhalt hinaus auch eine Verletzung der Amtspflicht darstelle. Diese würde ein Disziplinarverfahren gegen den Pastor zur Folge haben. Diederichs werde bis auf Weiteres keine Gemeindepfarrstelle übernehmen.

Für Alfelds Bürgermeister Bernd Beushausen (SPD) wird bei Diederichs eine „Kontinuität des Handelns“ deutlich. Bereits 2015 habe der Pastor in einem offenen Brief an die Stadt die Flüchtlingspolitik kritisiert. Er sei damals in der surrealen Situation gewesen, Diederichs auf die Bergpredigt und das Thema der Nächstenliebe hinzuweisen.

Auch zu anderen Gelegenheiten ist Christian Diederichs durch politisch rechte Kommentare im Internet aufgefallen. Seine beiden Kinder Ann-Marie und Albrecht Diederichs sind nach Informationen unserer Zeitung sogar offen rechtsextrem.

Antifaschisten in Alfeld und Göttingen – wo beide zwischenzeitlich studierten – informierten in der Vergangenheit bereits mehrfach über die rechtsextremen Aktivitäten der beiden Pastoren-Kinder. Sie zeigten sich in sozialen Netzwerken in Wehrmachts-Uniform oder mit AfD-Mann Björn Höcke.

Es sollen zudem gute Verbindungen zu lokalen Neonazi-Größen in Südniedersachsen und Thüringen, wie Thorsten Heise oder Jens Wilke bestehen.

Von Andreas Arens mit epd

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